Im Freilichtmuseum Glentleiten

Historische Tankstelle fertiggestellt

Historische Tankstelle
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Zu der Feier zur Eröffnung der Tankstelle kamen auch die ehemaligen Besitzer Mathias und Irmgard Meier (links). Sie überreichten Bezirkstagspräsident Josef Mederer (Mitte), Glentleitner Museumsleitung Dr. Monika Kania-Schütz (rechts) und Vizechefin Dr. Claudia Richartz einen gerahmten Schlüsselanhänger von Gasolin.

Großweil – Mit einer neuen, in Bayerns Freilichtmuseen bislang einzigartigen Attraktion kann das Freilichtmuseum Glentleiten des Bezirks Oberbayern aufwarten – einer historischen Tankstelle, die ursprünglich in Oberwössen/Brem (Gemeinde Unterwössen/Landkreis Traunstein) stand. Ein Gasolin-Schild grüßt nun alle Besucher*innen bei der Anfahrt und vermittelt die Botschaft: Die Moderne der Nachkriegszeit hat an der Glentleiten baulich Einzug gehalten. Seit 1. Oktober ist das jüngste Architektur-Exponat des Museums zugänglich.

Die Tankstelle ist ein Beispiel für den Wandel im ländlichen Handwerk nach dem Zweiten Weltkrieg: Zuvor war an dem ehemaligen Standort in Brem seit knapp 200 Jahren eine Hufschmiede betrieben worden. Als der Traktor die Pferdegespanne und -fuhrwerke ablöste, nahm der Bedarf an Karren und Wägen rapide ab. Auch Reparaturaufträge sorgten mit der fortschreitenden Technisierung der Landwirtschaft nicht mehr für volle Auftragsbücher. Stattdessen stieg der Bedarf an Treibstoff sowie Wartung und Pflege von Automobilen und Traktoren stetig an. Auch in der Bremer „Walchschmiede“, die seit dem 19. Jahrhundert im Besitz der Familie Meier war, musste man sich neu orientieren. Deshalb entschied sich zu Beginn der 1950er Jahre die Inhaberin Maria Meier, eine Tankstelle zu bauen. Dabei spielte den Meiers die Lage des Grundstücks in die Hände: Die Deutsche Alpenstraße führte als die erste Ferienroute Deutschlands direkt am Betrieb der Familie vorbei.

Ab Sommer 1953 konnte man – zunächst noch unter freiem Himmel – an den Zapfsäulen der Gasolin AG tanken. 1955/56 kam dann die bis heute modern anmutende Überdachung hinzu. Die Gasolin AG wollte, wie auch die anderen großen Mineralölkonzerne, dass ihre Tankstellen leicht wiederzuerkennen waren. Daher entwickelte das Unternehmen eine begrenzte Anzahl an Tankstellentypen mit einheitlichem Design. Bei der Tankstelle aus Brem handelt es sich um den Typ G T6/II.

1971 übernahm ARAL die Gasolin AG – alles, was bisher im charakteristischen Firmen-Rot erstrahlt war, wurde nun blau. Der Wechsel zu ARAL zahlte sich zunächst aus – es folgten die umsatzstärksten Jahre in der kleinen Bremer Tankstelle. Dann jedoch setzten sich Selbstbedienungstankstellen durch und die Familie Meier hätte umbauen müssen. Da auch der Umsatz zurückgegangen war, stellte man 1981, als der Vertrag mit dem Mineralölkonzern auslief, den Betrieb ein. Seither stand das Gebäude unverändert an der heutigen B 305 und wartete auf eine neue Bestimmung. Erst im Herbst 2019 kam Bewegung in die Sache, denn die Tankstelle sollte einer neuen Ortsgestaltung weichen. Das Freilichtmuseum Glentleiten rettete das Gebäude kurz vor dem Abriss und kann nun mit einer neuen, in Bayerns Freilichtmuseen bislang einzigartigen Attraktion aufwarten. Für Museumsleiterin Dr. Monika Kania-Schütz ist die Tankstelle ein ganz besonderer Neuzugang, denn, „die Tankstelle ist ein Schlüsselobjekt der Mobilitätsgeschichte, die gerade in einem rasanten Wandel begriffen ist.

Als zentrales oberbayerisches Freilichtmuseum zeigen wir den Wandel auf dem Land. Und da gibt es zahlreiche Bezugspunkte zu diesem Denkmal wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandels, angefangen von der sich verändernden Arbeitswelt über die Freizeitkultur bis hin zum Einzug moderner Baumaterialien wie Beton und Glas. Ich freue mich besonders, dass wir zeitgleich zur Eröffnung eine reich bebilderte Publikation vorlegen konnten, die das neue Architekturexponat unterhaltsam in Zusammenhänge stellt.“

Den Wiederaufbau der Tankstelle nahm das Freilichtmuseum zum Anlass für die Publikation „Die Deutsche Alpenstraße. Deutschlands älteste Ferienroute“ im Volk Verlag. Das Buch mit Beiträgen von Glentleitner Wissenschaftlern und weiteren Fachleuten ist im Museumsladen sowie im Buchhandel erhältlich.

Zum Saisonstart 2022 im März ist außerdem eine Sonderausstellung unter dem gleichen Titel geplant.

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Von Kreisbote

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