Hochwasserproblematik in Peißenberg: Keine Beeinträchtigungen an der Bachstraße

"Dieses Mal funktionierte alles bestens"

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Thomas Sedlmeir, Betriebsleiter der Kläranlage Peißenberg (stehend), erläuterte im Pressegespräch die Funktionsweise des Regenüberlaufbeckens und andere Fakten rund ums Abwassernetz in Peißenberg.

Peißenberg – Als die Gemeinde zum „Pressegespräch zum Thema Hochwasser“ einlud, waren die Spitzenstände an Ammer, Wörthersbach und Fendter Bach noch nicht erreicht, die der heftige Regen zu Beginn der letzten Woche bringen sollte. Und letztlich war es auch „nur“ die Ammer, die knapp bis vor Meldestufe vier anstieg. Entlang der Bachstraße, die bei anderen Starkregenereignissen schon schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde, gab es dieses Mal keine Probleme.

Bürgermeisterin Manuela Vanni zeigte sich sehr erfreut, wie gut alle getroffenen Vorsorgemaßnahmen griffen: „Die Website, Facebook und die neu geschaffene WarnApp wurden stark frequentiert und waren zu jeder Zeit aktuell“, sagte Vanni. „Dieses Mal funktionierte alles bestens.“ Dies sei auch aus vielen Rückmeldungen zu erfahren gewesen. Auch der Notfallplan, in dem Feuerwehr und Bauhof eingebunden sind, lief wie vorgesehen. Ab Warnstufe 2 war darüber hinaus das Bürgertelefon besetzt, um Fragen zu beantworten. In puncto durchgeführter baulicher Maßnahmen, wie etwa Regenüberlaufbecken, betonte sie, dass hier die Gemeinde nur ausführendes Organ sei. Die Planung der Maßnahmen liege beim Wasserwirtschaftsamt.

Karin Weinfurtner, zuständig für das Abwassernetz bei den Gemeindewerken, gab allgemeine Erläuterungen zu Grundlagen der Abwasserentsorgung in der Marktgemeinde: „Peißenberg hat ein Mischwassersystem, das heißt, dass sowohl Abwasser als auch – anteilig – Regenwasser im Kanal landet.“ Abhängig davon, wie viel Niederschlagswasser Anwohner auf dem eigenen Grund behalten, sei es durch Versickerung oder durch Regentonnen und ähnliches, berechnen sich die Gebühren. Denn zu viel Regenwasser im Kanal beeinträchtigt die Reinigungswirkung der Kläranlage erheblich, was Stefan Sedlmeir, Betriebsleiter der Kläranlage, nur bestätigen konnte: „Wenn die Mikroorganismen im Abwasser nicht genug Nahrung, sprich Verunreinigungen finden, funktioniert die Klärung irgendwann gar nicht mehr.“

Dem stimmte auch Ingrid Haberl, Vorstand der Gemeindewerke, zu: „Würden wir ein Trennsystem einführen, würde sich die Situation verschlechtern!“ Ohne weitere notwendige technische Anlagen schätzt man die Baukosten grob auf 60 Millionen Euro, ein Betrag, der via Erschließungsbeiträge auf die Anwohner umgelegt werden müsste. Zusätzlich würden sich die Abwassergebühren mehr als verdoppeln. Dazu kämen noch der Umbau der Hausanschlüsse und möglicherweise notwendige Straßenerneuerungen.

„Das ist alles eine Frage der Verhältnismäßigkeit“, meinte hierzu auch Thomas Schamper, zuständig für den Tiefbau bei der Marktgemeinde. Und er argumentierte auch für die Regenüberlaufbecken, die im Zusammenhang mit Hochwasserereignissen immer wieder in die Kritik geraten (wir berichteten): „Ohne solche Entlastungssysteme müssten die Kanalrohre viel größer dimensioniert werden.“ Dies würde aber in Trockenphasen dazu führen, dass Fäkalien in den Rohren liegen bleiben und über die Kanaldeckel eine erhebliche Geruchsbelastung entsteht. Dass das oft kritisierte Regenüberlaufbecken 2 (RÜB 2) auch beim jüngsten Starkregen gut funktionierte, konnte Abwassermeister Thomas Sedlmeir mit zwei kleinen Filmen bestens belegen: Sie zeigten die Situation am RÜB 2 am Dienstag, 21. Mai, um 8 Uhr morgens, kurz nach Erreichen der Spitzenwerte an der Ammer. Hier sah man deutlich, dass aus dem RÜB 2 keine Verunreinigungen in den Bach eingetragen wurden. Übrigens lag die Entlastungshäufigkeit des RÜB 2 im Jahr 2018 bei neun Stunden, im Hochwasserjahr 2016 waren es 52 Stunden, in denen entlastet wurde.

Obwohl an der Bachstraße letzte Woche keine akute Gefahr bestand, war man bestens vorbereitet, so Sedlmeir. So waren vom Bauhof bereits die Schmutzfänge aus den Kanälen genommen worden, um ein ungehindertes Abfließen zu ermöglichen. Eine Endlosschlauchanlage war parat und die Kanaldeckel waren entnommen worden, natürlich mit entsprechenden Sicherungsmaßnahmen für Personen an den offenen Stellen.

Von Bianca R. Heigl

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