Hochwasserschutzkonzept für Polling nimmt Formen an

Der erste Entwurf steht

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Die Obermühlstraße soll hier nach der Abzweigung von der B 2 um 70 cm erhöht werden und damit den Damm für ein Rückhaltebecken bilden.

Polling – Das Hochwasserereignis im Sommer 2016 führte den Pollinger Bürgern eindrucksvoll vor Augen, dass dringender Handlungsbedarf besteht, wenn sie ihr Hab und Gut in Zukunft vor ähnlichen Ereignissen besser schützen wollen.

Erste Planspiele zu diesem Thema präsentierte das Wasserwirtschaftsamt dann wenige Monate später in einer Bürgerversammlung, auf der sie für reichlich Diskussionsstoff sorgten. Das mit der weiteren Konzepterarbeitung beauftragte ortsansässige Ingenieurbüro Georg Kokai legte auf der Gemeinderatssitzung am vergangenen Donnerstag den ersten Entwurf für ein integrales Hochwasserschutzkonzept vor, in das auch die Einwände der Bürger eingeflossen sind.

Bürgermeisterin Felicitas Betz machte deutlich, dass dies noch keinesfalls die endgültige Fassung der Planung sei und im weiteren Planungsverlauf sicher noch viele Änderungen im Detail eingearbeitet werden müssten. Wichtig sei ihr jedoch, die Ratskollegen und Bürger auf dem Laufenden zu halten.

Das von Kokai vorgestellte Konzept besteht aus mehreren Einzelmaßnahmen, die in ihrer Gesamtheit zu einer deutlichen Entschärfung der Hochwassergefährdung führen sollen. So soll für den Rettenbach ein Rückhaltebecken mit einer Kapazität von 100 000 m³ und einer Überflutungsfläche von 90 000 m² geschaffen werden. Dazu ist die Errichtung eines Dammbauwerkes entlang der Verbindungsstraße von Polling nach Etting notwendig. Ein weiteres Rückhaltebecken ist für den Ettinger Bach geplant, bestehend aus zwei Einzelbecken, die kaskadenartig zum Einsatz kommen sollen.

Laut Kokai ist dafür die Anhebung der Obermühlstraße um circa 70 Zentimeter notwendig, so dass die südlich der Straße gelegene Fläche als erste Rückhaltestufe mit 84 000 m³ Fassungsvolumen genutzt werden kann. Ist diese Kapazität ausgeschöpft, soll über eine Rohrverbindung weiteres Wasser nördlich der Straße bis zum Jakobsee abgeleitet werden, wodurch weitere 94 000 m³ Stauraum geschaffen werden. Dazu müsse der bereits bestehende Damm am Jakobsee ertüchtigt werden. Von dieser Maßnahme sei allerdings FFH-Gebiet betroffen, wodurch für die Genehmigung Naturschutzbelange mit berücksichtigt werden müssten.

Von besonderer Bedeutung sei der Russengraben, der grundlegend saniert werden müsse, wie Kokai ausführte. Geplant ist der Ersatz der 500 m langen Rohrleitung mit 800 mm Durchmesser durch einen Neubau mit 1400 mm Durchmesser. 75 Prozent der Gesamtlänge des Grabens sollen in offener Bauweise und 25 Prozent als Rohrleitung ausgeführt werden. Soweit diese unter Bestandgebäude geführt werden müsse, könnten neuartige Tunnelbohrverfahren angewendet werden. Noch nicht geklärt ist, ob am Tiefenbach eine weitere Schutzmauer gebaut werden muss, um angrenzendes Wohngebiet besser zu schützen. Dazu sind weitere Untersuchungen notwendig.

Neben diesen größeren Bauvorhaben erachtet Kokai eine Fülle kleinerer Einzelmaßnahmen für notwendig, um lokal begrenzte Engpässe im Wasserabfluss zu beheben. Für kommunale Hochwasserschutzmaßnahmen gewährt der Freistaat einen Zuschuss von 75 Prozent der Baukosten, dieser ist laut Kokai an die Erfüllung dezentraler Maßnahmen gebunden. Hierzu gehörten der Rückbau von Drainagen, wo aus landwirtschaftlicher Sicht vertretbar, die Renaturierung von Gewässern, Rückhaltung von Seitengräben, Verringerung von verdichteten oder versiegelten Flächen und die Aufweitung von Gewässern. Dadurch soll der überregionale Wasserhaushalt verbessert werden. Zehn Prozent der technischen Baukosten müssten für ökologische Maßnahmen verwendet werden.

Kokai gab einen Ausblick auf den weiteren Zeitplan für die Umsetzung des Hochwasserschutzes. Das Wasserwirtschaftsamt hat für das Konzept sein grundsätzliches Einverständnis signalisiert. In circa zwei Monaten soll die endgültige Fassung vorliegen, so dass er mit der Stellungnahme des Amtes bis zur Jahresmitte rechnet. Anschließend könne mit der Ausschreibung weiterer Planungsmaßnahmen begonnen werden. Aufgrund der Vielzahl der am Verfahren beteiligten Behörden und Stellen wird das weitere Planungs- und Genehmigungsverfahren noch einige Zeit in Anspruch nehmen. „Wenn alles nach Plan läuft, kann mit den ersten beiden Baulosen Mitte 2018 begonnen werden“, so Kokais vorsichtiger Ausblick.

Laut Bürgermeisterin Betz könne der Bau von Einzelmaßnahmen beginnen, bevor die Genehmigung für das Gesamtpaket vorliegt. So könnte wertvolle Zeit gewonnen werden, ohne auf Fördermittel verzichten zu müssen. Zweiter Bürgermeister Martin Pape dankte Kokai für die gründliche Planung, bei der die seinerzeitigen Vorbehalte der Bürger berücksichtigt worden seien.

Von emh

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