Hochwasserschutz sorgte bei der Bürgerversammlung in Marnbach für erhitzte Gemüter

"Sie saufen nicht ab"

+
Das Thema Hochwasser beschäftigt die Marnbacher. Es kamen so viele Leute zur Bürgerversammlung, dass die Stühle nicht reichten.

Marnbach – Die Straßen sehen aus wie in Venedig, Anwohner stehen verloren vor ihren vollgelaufenen Kellern. Damit derartige Szenen nicht mehr vorkommen, wird schon lange über den Hochwasserschutz in und um Weilheim diskutiert. Auch bei der Bürgerversammlung in Marnbach sorgte diese Thematik für hitzige Debatten.

Das Problem mit Stadtbach, Angerbach und Simmetsbach beschäftigt die Stadt seit Jahren. Bereits 1949 erarbeitete das Wasserwirtschaftsamt nach drei Hochwassern in kurzer Zeit, auf Anfrage der Stadt, ein Projekt. Verbesserungen gab es auch nach mehreren Überflutungen keine. 2003 schließlich forderte das Wasserwirtschaftsamt die Stadt daher auf, endlich etwas zu tun, denn angesichts des Klimawandels sei mit noch größeren Problemen zu rechnen. 

Drei Ingenieurbüros stellten ihre Lösungen im Jahr darauf vor, eine Machbarkeitsstudie wurde bei Blasy-Overland in Auftrag gegeben. Das Ergebnis 2007: ein Schöpfwerk, der Ausbau der Bäche, drei Rückhaltebecken und eine Flutmulde. Alles zusammen sollte 7,6 Millionen Euro kosten. Jedoch hätte es bei dieser Variante keine Förderung gegeben. Eine andere musste her. Die beinhaltete nur zwei Becken – eins bei Weilheim, eins bei Marnbach. Für insgesamt 6,7 Millionen Euro. Es wurde eine Förderung von 3,8 Millionen Euro erwartet. Die nächste überarbeitete Version des Konzepts lag bereits bei 8,43 Millionen Euro, Zuschüsse von 5,32 Millionen Euro wurden erhofft. 

Da die Kosten für das nötige Planstellungsverfahren 2009 bereits bei 206 000 Euro lagen, galt es laut Richtlinie, den Auftrag europaweit auszuschreiben. Bis eine andere Firma übernahm, konnte Blasy Overland aber weitermachen. Eine Variante mit Schöpfwerk und ein Vorschlag, der das Wasser durch Druckrohrleitungen führt, wurden untersucht. Die zweite, wesentlich kostengünstigere Idee favorisierten die Stadträte. Im Juli 2010 tagte schließlich eine Jury, um den Planungsauftrag zu vergeben. Beauftragt wurde schließlich Steinbacher Consult aus Neusäß. Das Ingenieurbüro begann, die Rohre des Stadtbachs auf ihre Verwendbarkeit unter Druckabfluss zu untersuchen. Das Resultat: Die Rohre sind im Querschnitt kleiner, als zuvor angenommen. 

Im Stadtbach können statt der angenommenen 2,6 Kubikmeter nur 1,9 fließen, am Simmetsbach sind es 5,7 statt 6,6 Kubikmeter. Folglich müssen die Rückhaltebecken größer angelegt werden. Wie groß, das kann Stefan Steinbacher momentan noch nicht sagen. Das Hauptproblem sei das „Nadelöhr“ an der Mündung in die Ammer, das die neue Planung notwendig mache, erklärte Steinbacher. Eine weitere Schwierigkeit: „Der Zustand der Rohre ist schlechter als angenommen.“ 

Die Lösung könnte ein Schöpfwerk in die Ammer sein, das Wasser in den Fluss leitet. „Wie eine große Pumpe“ könne man sich das Schöpfwerk vorstellen. Das Wasser müsse dennoch zurückgehalten werden, um kontrolliert abgeführt zu werden. Bezüglich des Beckenvolumens müssten sich die Planer daher „neue Gedanken machen.“ Zuvor sei es aber notwendig, zu untersuchen, wie viel Grundwasser tatsächlich zufließt.  

Ein Brunnen wurde bereits gebohrt, nächste Woche findet ein Pumpversuch statt. In etwa einem Monat steht das Ergebnis des Pumpversuchs dann fest, Ende Mai wird das Grundwassermodell fertig sein. „Dann kann das Volumen für die Becken in Weilheim und Marnbach geplant werden“, sagte Steinbacher. 

Sollte eine technische Lösung nicht möglich sein, müssen die Planer „mit dem Volumen spielen.“ Hinsichtlich der Lage der Becken sei der Standort des Weilheimer Beckens fix, bei dem in Marnbach sei noch „eine Anpassung möglich.“ Vor allem sei „angedacht, die Position des Damms zu überdenken“. Dass er näher ans Dorf rücken könnte, sorgte bei den Marnbachern für Aufruhr. Überschwemmungen werden von den Bewohnern befürchtet. 

Dr. Tobias Lang vom Wasserwirtschaftsamt meldete sich zu Wort und versuchte, den Anwesenden ihre Sorgen zu nehmen. „Es geht um Belange Ihrer Sicherheit“, verteidigte er das Vorhaben. „Sie saufen überhaupt nicht ab“, versicherte er den Bürgern. Ohnehin sei Marnbach in einer sehr günstigen Lage, da das Dorf leicht erhöht liegt. „Wenn, dann sind die Unterlieger betroffen.“ 

Hinsichtlich der Sicherheit scheint sich auch Steinbacher keine Sorgen zu machen. „Es wird nie einen hundertprozentigen Schutz geben“, gestand er zwar ein, dennoch sei der Hochwasserschutz auf ein Jahrhundertwasser ausgelegt, die Sicherheit der Bausubstanz sogar auf ein Hochwasser, das nur alle 5 000 Jahre zu erwarten ist. Fest steht, dass sich Stadt und Wasserwirtschaftsamt im April noch einmal zusammensetzen. Der Baubeginn ist momentan aber noch nicht abzuschätzen. 

Bisher zeichnen sich Kosten von 14,8 Millionen Euro ab. Da diese Summe die Finanzkraft der Stadt sprengt, hofft Bürgermeister Markus Loth auf staatliche Zuschüsse von etwa 65 Prozent.

Von URSULA GNADL

Meistgelesen

Verbundlösungen gehört die Zukunft
Verbundlösungen gehört die Zukunft
Fällaktion in Murnau
Fällaktion in Murnau
Alles auf einen Blick
Alles auf einen Blick
Ein wichtiges Feedback
Ein wichtiges Feedback

Kommentare