Planungskonzept für "Peißenberg-Nord" im Marktrat vorgestellt – kein konkreter Zeitplan

Hochwasserschutz lässt auf sich warten

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2016 trat der Wörthersbach entlang der Bachstraße nach Starkregenereignissen mehrmals über die Ufer. Bis zu diversen Schutzbauten wird es aber noch dauern.

Peißenberg – Der Hochwasserschutz in Peißenberg wird teuer – und zwar richtig: 18,4 Millionen Euro werden es nach aktueller Schätzung sein, die in Regenrückhaltebecken (RÜB), Gewässerausbauten und Bypassverrohrungen am Wörthersbach investiert werden müssen. Eine rasche Umsetzung ist allerdings für den nördlichen Ortsteil Peißenbergs nicht in Sicht.

Das wurde auch in der jüngsten Sitzung des Marktrats deutlich, als Armin Binder vom Stuttgarter Ingenieurbüro „Winkler“ die Plankonzeption für „Peißenberg-Nord“ vorstellte und Vertreter vom Landrats- und Wasserwirtschaftsamt Rede und Antwort standen. Konkrete Zeitpläne existieren demnach nicht – auch nicht für das RÜB am Recyclinghof, das den Einkaufspark an der Hochreuther Straße schützen soll.

Zwar läuft schon das Planfeststellungsverfahren, allerdings kam es dabei zu Verzögerungen. Das Landratsamt hofft darauf, nach der Sommerpause einen Erörterungstermin für die Abarbeitung der Einwendungen ansetzen zu können. Jedoch fehlt noch ein Gutachten aus dem Wasserwirtschaftsamt. „Wir können das Verfahren nicht beschleunigen. Wir sind auf andere Behörden angewiesen“, erklärte Martin Mühlegger vom Landratsamt.

Für den nördlichen Ortsteil sieht es, was den Zeitplan anbelangt, noch düsterer aus. Vermutlich frühestens in vier Jahren werden dort erste Maßnahmen umgesetzt werden können. In der Vorzugsvariante findet sich nur noch ein RÜB, nämlich am Fendter Bach. Ursprünglich war man von vier Becken ausgegangen, unter anderem am Sulzer- und am Michelsbach. Auch am Buchaugraben soll auf ein RÜB verzichtet werden. Technisch einfacher wäre stattdessen eine Überleitung vom Buchaugraben in das geplante RÜB am Fendter Bach. Neben kleineren Maßnahmen am Sulzer- und Michelsbach müssen am Wörthersbach massive Gewässerausbauten vorgenommen werden, um die Bachstraße hochwassersicher zu machen. Östlich des Rigi-Centers soll der Bach um das ehemalige Gärtnereigelände umgeleitet werden. Danach folgen Gewässerausbauten mit aufgeweitetem Fließquerschnitt. Natürliche Böschungen wird es bis zur Leitenwegbrücke auf weiten Strecken nicht mehr geben. Stattdessen soll die Bachumrandung mit Blocksteinen ausgebaut werden. Ab der Brücke an der Forster Straße soll der Wörthersbach neben seinem angestammten Bachbett in eine Bypassverrohrung über die Schellhammergasse und Iblherstraße fließen. Der Bypass ist wohl auch das Projekt, das vom Bauablauf her Priorität genießt. Der Grund: Maßnahmen im Oberlauf von Fließgewässern dürfen nicht zu Lasten von Anliegern am Unterlauf führen. „Aus hydraulischer Sicht macht es deshalb Sinn, von unten nach oben zu beginnen“, erklärte Binder.

Aber gibt es parallel zu den großen Bauprojekten auch Sofortmaßnahmen zum Hochwasserschutz? Eher nicht. Auch hier gilt die Regel, dass sich die Situation für Anlieger am Unterlauf nicht verschlechtern darf. Auch ein Ausbaggern der Bäche wird wohl keine Alternative sein – zumindest nicht nach Expertenmeinung. Stefan Rießenberger (Bürgervereinigung/ „Warum blockiert das Wasserwirtschaftsamt solche Maßnahmen?“) und Walter Wurzinger (Freie Wähler/ „Mehr Volumen nimmt die Geschwindigkeit im Bach raus“) hakten jedenfalls bei Bernhard Müller erfolglos nach. Solange die Engstellen im Bachverlauf nicht beseitigt worden sind, würden Ausbaggerungen ökologisch großen Schaden anrichten, aber keine Wirkung zeigen. „Das wäre reiner Aktionismus“, so der Abteilungsleiter im Wasserwirtschaftsamt.

Beschlossen wurde im Gemeinderat übrigens nichts. Die Entscheidung, ob die Vorzugsvariante weiterverfolgt wird, soll erst in der nächsten Gremiumssitzung fallen. Aus Reihen der SPD und der Freien Wähler wurde moniert, dass die Rathausverwaltung den Markträten zur Sitzung keinerlei Unterlagen zur Einsicht zugestellt hat. Sandra Rößle sprach von einer „internen Entscheidung“: „Man war der Meinung, dass eine Herausgabe der Unterlagen nur im Zusammenhang mit der Erklärung in der Sitzung Sinn macht.“ Das ließ Wurzinger nicht gelten: „Das ist keine ordnungsgemäße Ladung. So ist keine Beschlussfassung möglich – und das wurde von der Rathausspitze so wissentlich in Kauf genommen.“

Von Bernhard Jepsen 

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