Peißenberg: Notfallplan soll Restrisiko senken

Hochwasserschutz

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Solche Bilder, wie vor einem Jahr, sollen sich in Peißenberg nicht wiederholen.

Peißenberg – Ist die Marktgemeinde inzwischen bei Starkregenfällen besser gegen von den Abhängen des Hohen Peißenbergs schießende Wassermassen gewappnet als bei den Extremwetterlagen vor einem Jahr? Vermutlich schon. Am westlichen Ende des ehemaligen BHS-Geländes wurde ein provisorischer Damm errichtet, der den Peißenberger Einkaufspark vor Überflutungen schützen und den Wörthersbach entlasten soll. Zudem hat das Bauamt in Kooperation mit Feuerwehr und Bauhof ein Notfallkonzept erstellt.

Wie Bauamtsmitarbeiter Thomas Schamper in der Marktratssitzung ausführte, ist Ziel der Konzeption, „das Restrisiko auf ein absehbares Maß zu reduzieren, Schäden an Sachwerten zu begrenzen und im Ernstfall Menschen zu retten.“ Hierzu sei eine klar strukturierte Notfallorganisation mit zugeteilten Aufgaben und Einsatzplänen entwickelt worden: „Wir hoffen, dass wir zeitlich besser gerüstet sind“, so Schamper. Mit „Stufe 1“ der Notfallplanung hapert es noch. Feuerwehr, Bauhof und Gemeinde sollen künftig über ein an der Unterbaustraße installiertes Hochwasserfrühwarnsystem alarmiert werden. Die Anlage wurde vor einem halben Jahr bestellt, doch die beauftragte Firma hat noch nicht geliefert: „Es zwickt an der Programmierung der Software“, so Schamper.

Ansonsten wurde für jede Gefahrenzone, an der bei den Hochwasserereignissen 2016 der Bach übergelaufen ist, ein Situationsplan mit zu treffenden Maßnahmen und zu verwendenden Einsatzmitteln dokumentiert. Spezielle Hochwasserbretter und Kanalgitterdeckel wurden angeschafft sowie eine Sandschlauchabfüllanlage konstruiert, mit der in relativ kurzer Zeit Schutzwälle aufgetürmt werden können. Der Bauhof hat in seinen Hallen an der Forster Straße für den Ernstfall bis zu 5000 gefüllte Sandsäcke parat.

Allein durch den Notfallplan ist Peißenberg aber noch nicht hochwassersicher. Dazu braucht es bauliche Maßnahmen. Die Planungen für einzelne Projekte laufen seit mehreren Jahren. Demnächst soll für das am ehemaligen BHS-Gelände vorgesehene Rückhaltebecken das behördliche Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden.

Für den nördlichen Ortsteil wird sehr wahrscheinlich am Stammer- respektive Fendterbach ein Auffangbecken gebaut werden müssen. „Das Ganze wird Zeit in Anspruch nehmen und noch länger dauern“, verwies Vanni auf verfahrenstechnische Hürden. Laut Einschätzung des beauftragten Ingenieurbüros kann sich die Gemeinde eventuell die ursprünglich am Michels- und Sulzer Bach sowie am Buchaugraben vorgesehenen Rückhaltebecken sparen. Der Hochwasserschutz könne dort wirtschaftlich günstiger unter anderem mit Deichverbauungen bewerkstelligt werden. Allerdings, hieß es in der Sitzung, müsse das Ingenieurbüro noch die hydrologischen und hydraulischen Auswirkungen innerorts auf den Wörthersbach berechnen. SPD-Fraktionschef Robert Halbritter warnte, die Pläne für Rückhaltebecken an den Bergbächen in die Schublade zu legen: „Man sollte das Hochwasser gar nicht erst in den Ort kommen lassen.“

Von Bernhard Jepsen

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