Hochwasserschutzplanung: Neutrales Büro soll Auswirkungen auf gesamtes Stadtgebiet beleuchten

Zweitmeinung wird eingeholt

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Werden die Hochwasserschutzmaßnahmen wie geplant umgesetzt, befürchtet Stadtwerke-Chef Peter Müller, dass die derzeitigen Schutzeinrichtungen (Foto) nicht mehr ausreichen und auf Kosten der Abwassergebührenzahler nachgerüstet werden müssen.

Weilheim – Könnte sich der Hochwasserschutz Ammer Weilheim-Süd, wenn er nach den jüngsten Planungen realisiert wird, bei einer Flut nachteilig auf die Kläranlage und den Weilheimer Norden auswirken? Stadtwerke-Chef Peter Müller äußerte in der Stadtratssitzung Bedenken. Er vermisst eine Betrachtung, welche die Folgen für „Gesamt-Weilheim“ untersucht. Nun soll die von den Stadtwerken angebotene Zweitmeinung eines zentralen Ingenieurbüros eingeholt werden.

Der vom Wasserwirtschaftsamt (WWA) beauftragte Planer Georg Kokai präsentierte dem Gremium den jüngsten Vorschlag, der den Weilheimer Süden und gleichzeitig Oderding vor einem 100-jährigen Hochwasser (plus 15 Prozent Klimaschutzfaktor) bewahren soll. Die Maßnahmen sollen auf Pollinger Flur durchgeführt werden. Die Pläne des Pollinger Büros sehen neben Deichbauten den Rückbau des 1,60 Meter hohen Oderdinger Wehres vor, das sich laut Kokai in „relativ schlechtem Zustand“ befindet. In der tiefer gelegten Ammer sollen auf 900 Meter Länge drei flache Sohlrampen gebaut werden (wir berichteten). Dadurch könnte in Oderding eine Senkung des Ammerwasserspiegels erreicht werden. Allerdings wäre dann die Nutzung von Wasserkraft nicht mehr möglich und der Pegelstand in Weilheim würde um drei Zentimeter ansteigen, wie Kokai zuvor in einem Gespräch mit dem Kreisboten erklärt hatte.

Müller befürchtet bei diesem Vorschlag durch das schneller nach Weilheim fließende Wasser ein Ansteigen des Hochwassers im Stadtgebiet, da das Wasser dort auf dieselben unveränderten Zustände treffen würde. Von dem Ausufern in Weilheim wären neben den Stadtwerken noch viele weitere Ammeranlieger betroffen. Müllers Sorgen wegen des erhöhten Wasserpegels sah der Planer nicht so kritisch, da ein Ausgleich über die Retentionsflächen möglich sei. Außerdem würden „die Auswirkungen auf Dritte“ von den Behörden noch „streng überprüft“ werden. In einem E-Mail, das Müller kurz vor der Sitzung an die Stadträte versandt hatte, weist der Stadtwerke-Chef auf ein Gutachten vom Mai 2016 zur „Hochwasserdurchgängigkeit und Retention“ für den Bereich zwischen Oderding und Weilheim hin, das ein Innsbrucker Ingenieurbüro für die Stadtwerke erstellt hatte. Über den neuen Vorschlag des WWA würden keine Unterlagen vorliegen, so dass eine Würdigung nicht möglich sei. Müller schlug vor, die Planungen des Wasserwirtschaftsamtes vor Beginn des Planfeststellungsverfahrens einer Gesamtbetrachtung zu unterziehen. In dem Schreiben an die Stadträte betont er, dass es „nicht nur um die nicht mehr mögliche Wasserkraftnutzung am Oderdinger Wehr“, sondern vielmehr auch um die Frage gehe, „ob mit der vorgelegten Lösung nicht nur eine gute Hochwasserschutzlösung für Oderding, sondern auch eine gute Hochwasserschutzlösung für Weilheim geschaffen“ werde.

Wird der Weilheimer Süden mit der jüngsten Planung ausreichend geschützt? Wie sehen die Berechnungen für das gesamte Stadtgebiet aus? Wäre beim Oderdinger Wehr ein Teilrückbau mit Errichtung eines kleinen Wasserkraftwerkes möglich? Können die Dämme einem höheren Wasserdruck standhalten? Berücksichtigt die Planung, dass die Ammer nach Abriss des Oderdinger Wehres mehr Geschiebe in Weilheim ablagern wird? Die Fragen der Stadträte machten deutlich, dass der Hochwasserschutz für Weilheim ein komplexes Thema ist, für das es noch viele Detailfragen zu klären gibt – auch im Hinblick auf die Nutzung der Wasserkraft, für die sich in der Diskussion Befürworter und Gegner zu Wort meldeten. Während SPD-Rätin Petra Arneth-Mangano die Renaturierung der Ammer begrüßte, plädierte Susann Enders (FW) dafür, „alle Möglichkeiten für eine naturverträgliche Wasserkraftnutzung überprüfen zu lassen“.

Auftraggeber und Planer dieser „operativen Maßnahme auf Pollinger Flur für das Schutzgebiet Weilheim“ ist, wie Bürgermeister Markus Loth in der Sitzung betonte, das Wasserwirtschaftsamt.

Von Maria Hofstetter

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