Unermüdlicher Einsatz

Holocaustüberlebender Stephen Nasser feiert 90. Geburtstag

Stephen Nasser am Bahnhof Seeshaupt.
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Stephen Nasser am Bahnhof Seeshaupt. Hier wurde er von den Amerikanern befreit.

Seeshaupt – Der Holocaustüberlebende Stephen Nasser feiert am 17. Februar seinen 90. Geburtstag. Er lebt mit seiner Frau Francoise in einem Seniorenheim in Las Vegas.

Im April 2016 hielt Nasser seine 1 000. Präsentation und erfuhr dafür große öffentliche Anerkennung. Trotz seines Alters und seines angeschlagenen Gesundheitszustandes war er bis zum Ausbruch der Pandemie unermüdlich unterwegs, um den Menschen von seinen Erfahrungen im Holocaust zu berichten. Anstelle von Abneigung und Hass den Deutschen gegenüber, spricht er von Versöhnung und Liebe, ohne die er keine Zukunft für die Menschheit sieht. In seinem Buch „Die Stimme meines Bruders“ beschreibt er, wie er als 13-Jähriger nach Auschwitz deportiert wurde und später im Konzentrationslager Mühldorf-Mettenheim Sklavenarbeit verrichten musste. Im April 2011 stellte Nasser sein Buch mit der Präsentation des Dokumentarfilms „Endstation Seeshaupt“ von Walter Steffen vor. Auch das Bühnenstück „Not Yet, Pista“ ist auf der Grundlage des Buches erarbeitet worden. Im November 2015 veröffentlichte Nasser sein zweites Buch „Aufbruch in die Freiheit“, das sein Leben in Kanada und den USA nach dem Holocaust beschreibt.

Zusammenfassung von „Die Stimme meines Bruders“

Stephen wächst als jüngstes Kind einer jüdischen Familie wohlbehütet in Budapest auf. Er und sein Bruder Andris besuchen ein renommiertes Gymnasium. Mit dem Einmarsch deutscher Truppen im Frühjahr 1944 ändert sich die Lage für die Menschen dramatisch. Nach einem kurzen Aufenthalt im Ghetto und einer Munitionsfabrik wird die Familie nach Auschwitz deportiert und getrennt. Später gelingt es Stephen und seinem Bruder, sich einer Arbeitskolonne für das Arbeitslager Mühldorf anzuschließen. Dort müssen die beiden harte Arbeit unter schlecht möglichsten Bedingungen verrichten. Die Mangelernährung sowie die brutale Behandlung führen bald dazu, dass beide an Kräften verlieren und krank werden. Andris stirbt kurz darauf in den Armen seines jüngeren Bruders Stephen. Die Liebe zu seinem Bruder sowie die Erinnerung an seine letzten Worte geben Stephen die Kraft alles zu versuchen, den Holocaust zu überleben.

Kurz vor Ende des Krieges werden die Insassen des Lagers in einen Güterzug verfrachtet und zwar mit dem Befehl, irgendwo in den bayerischen Bergen getötet zu werden. Stephen wird schließlich am Bahnhof Seeshaupt – mehr tot als lebendig – von amerikanischen Truppen befreit.

Nach Aufenthalten in einem Krankenhaus in Seeshaupt und einer Rehabilitationseinrichtung in Feldafing, macht er sich auf den gefährlichen Heimweg nach Budapest, in der Hoffnung, dort seine Mutter wieder zu finden. In Budapest findet er bei seinem Onkel und seiner Tante ein neues Zuhause. Er besucht seine alte Schule, lernt seine erste große Liebe kennen, erfährt von dem Tod seiner Mutter, erkennt die Gefahren des aufkommenden Kommunismus in Ungarn und verlässt Budapest mit Hilfe des jüdisch-kanadischen Kongresses im Jahre 1948, um ein neues Leben in Amerika zu beginnen.

Von Kreisbote

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