Hommage an berühmten Weilheimer Stadt verleiht ersten Georg-Petel-Preis für Kleinplastik – Ausstellung im Stadtmuseum

Der Hauptpreisträger betrachtet sein Werk: Ernst Wirtls „Ecce Homo - Ecce Natura“ überzeugte die Jury, in die Künstler, Museumsleiter, Kulturreferentin und Sparkassendirektor eingebunden waren. Fotos (2): Hofstetter

Premierencharakter hatte am 10. November eine Auszeichnung im Stadtmuseum: Erstmals wurde der Georg-Petel-Preis für Kleinplastik verliehen und gleichzeitig eine Ausstellung mit den Arbeiten der neun Endrundenteilnehmer eröffnet.

Die Spannung in dem mit Kunstfreunden gut besetzten Museum war förmlich zu spüren, bis Bürgermeister Markus Loth das Geheimnis um die vier Gewinner preis gab. Aufgabe des Wettbewerbes war es, sich bildhauerisch mit dem Thema „Ecce Homo“ auseinanderzusetzen. Ernst Wirtls Kleinplastik „Ecce Homo - Ecce Natura“ hatte die Jury durch ihre abstrahierte, mit wenigen Materialien konsequent umgesetzte Aufgabenstellung beeindruckt; sie erkannte ihm den mit 1500 Euro dotierten ersten Preis zu. Der Peitinger Künstler hatte das verwendete Stück Dornenbaum im Wald bei Hohenfurch entdeckt. „Es ist bestimmt über 100 Jahre alt“, mutmaßte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Mit seinem Werk, an dem er „eigentlich gar nicht viel gemacht, einige Stellen ergänzt und eine Dornenkrone aus Stacheldraht angebracht“ hat, will Wirtl die Vergewaltigung der Natur durch den Menschen zum Ausdruck bringen. Der zweite Preis (Tonskulptur „Hagar´s Voice 1 und 2“, 1 000 Euro) geht an Ursula Steglich-Schaupp aus Breitbrunn. 500 Euro Preisgeld freuen den Oberammergauer Künstler Hubert Lang („Ecce Homo 1 und 2“ aus Bronze). Mit seiner Holz-Collage „HerrGottsWinkel“ treibt Matthias Glas laut Jury „ein ironisches Spiel mit den Erwartungen des Betrachters“. Dies brachte dem Pollinger Künstler den mit 250 Euro dotierten Nachwuchsförderpreis ein. Weilheim – An die große Zeit, als Weilheim eine bedeutende Künstlerstadt war, soll der Georg-Petel-Preis erinnern, den die Stadt heuer zum ersten Mal ausgelobt hat. Dieser Preis wird von der Georg-Petel-Stiftung, einer gemeinsamen Stiftung der Vereinigten Sparkassen und der Stadt Weilheim, unterstützt. Ihr Namensgeber ist der in Weilheim geborene Bildhauer Georg Petel. Er gilt in Fachkreisen als ein herausragender Vertreter der deutschen Klein- und Großplastik des 17. Jahrhunderts. „Georg Petel war ein Ausnahmekünstler und hat für berühmte Auftraggeber in ganz Europa gearbeitet“, schilderte Museumsleiter Dr. Tobias Güthner bei der Preisverleihung den Werdegang des jung verstorbenen Holzbildhauers (1601-1634). Seine Kunstfertigkeit und sein aufregendes Leben brachten ihm im 18. Jahrhundert sogar den glänzenden Nachruhm „deutscher Michelangelo“ ein. Weilheims Stadtmuseum besitzt einige Werke Petels, an denen man dies ablesen kann. In Anlehnung an Petels Darstellung des gegeißelten Christus` – die Statue ist im Augsburger Dom zu bewundern – schuf ein unbekannter Künstler Mitte des 17. Jahrhunderts aus Holz ein Vorbild des „Ecce Homo“. Dieser Ausspruch stammt aus dem Johannesevangelium zur Passion Christi und bedeutet: „Sehet welch ein Mensch“ oder „Sehet da ist der Mensch“. Weilheims Stadtmu- seum beherbergt diese hölzerne Statue im ersten Stock. Das Thema „Ecce Homo“ mit der Frage nach der Würde des Menschen und nach Wegen zu einer humaneren Gesellschaft hatten die Teilnehmer dieses regionalen Klein- plastik-Wettbewerbes zu interpretieren: ob zeitlos oder zeitgemäß, religiös oder weltlich, das blieb ihnen überlassen. 22 Künstler nahmen daran teil, neun schafften es in die Endrunde. Neue Öffnungszeiten Die 13 Werke der neun Künstler sind noch bis Sonntag, 4. Dezember, im Weilheimer Stadtmuseum ausgestellt, das jetzt auch über Mittag zum Besuch einlädt. Die neuen Öffnungszeiten sind Dienstag bis Samstag jeweils von 10 bis 17 Uhr und am Sonntag von 14 bis 17 Uhr (montags geschlossen). Welches Werk erhält die meisten Stimmen ? Jeder Ausstellungsbesucher kann zur Wahl des „Publikumspreisträgers“ beitragen, indem er auf einem im Museum ausliegenden Blatt seinen Favoriten ankreuzt und den Stimmzettel an der Kasse abgibt. Der Gewinner wird am 4. Dezember in der Finissage bekannt gegeben und erhält als Preis 2012 eine Einzelausstellung im Stadtmuseum. Parallel zur Präsentation der Kleinplastiken geht im ersten Stock des Stadtmuseums eine kleine historische Begleitausstellung auf das Schaffen Petels und das Thema des Wettbewerbes „Ecce Homos“ ein. So gibt es eine Reihe von Ecce-Homo- und verwandte Darstellungen aus Museum und Depot zu betrachten. „Diese Preisvergabe soll eine Wiederholung finden“, wünscht sich Ragnhild Thieler. Weilheims Kulturreferentin hob in der Feierstunde die Bedeutung der Räumlichkeiten hervor, in der die Verleihung stattfand: „Unser Stadtmuseum ist der beste Ort dafür, die Verbindung von alter und zeitgenössischer Kunst aufzuzeigen.“

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