Horst Martin zur Jugendumfrage und aktiven Beteiligung der Jugendlichen am Stadtgeschehen

Echte Mitbestimmung fördern

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Das Jugendhaus Come In ist einer der Orte, an dem sich Jugendliche nicht nur treffen, sondern den sie nach ihren Vorstellungen mitgestalten können. Zum Beispiel als das Quartett für einen frischen Anstrich im Café-Raum sorgte. In Zukunft könnte es noch viel mehr Mitsprache der Jugendlichen geben, wenn sie bereit sind, sich aktiv einzubringen.

Weilheim – Welche konkreten Projekte wird die Stadt aus dem Ergebnis der Jugendumfrage ableiten? Zwei Jahre ist es her, dass der Landkreis die Umfrage durchgeführt hat. Letztes Jahr wurden das Ergebnis präsentiert und allgemeine Handlungsempfehlungen formuliert. Doch neben Landkreis übergreifenden Aktionen liegt es an den einzelnen Städten und Gemeinden, was sie mit dem Umfrageergebnis anfangen. Horst Martin, zweiter Bürgermeister und Jugendreferent der Stadt, informierte seine Stadtratskollegen über das Umfrageergebnis für Weilheim und erläuterte in einem Gespräch mit dem Kreisboten sein Ziel für die Jugendarbeit.

In weiten Teilen sind die Ergebnisse der Jugendumfrage für den Landkreis und in der Auswertung für Weilheim deckungsgleich. Zum Beispiel im Wunsch der Jugendlichen nach Orten, wo sie sich treffen können. Abweichungen gibt es beispielsweise bei der besseren Einschätzung der Mobilität durch die Anbindung Weilheims an den öffentlichen Nahverkehr, die positive Bewertung des Skaterplatzes oder die geringere aktive Beteiligung in Vereinen (wie Trachten- oder Schützenverein). Als absolut positiv wertet Martin, dass der Schulweg für rund 90 Prozent der Schüler kürzer als eine halbe Stunde ist. Hier liegt der Schnitt über dem des Landkreises. Überrascht zeigte sich Martin allerdings über die negative Bewertung der Jugendlichen, was ihre Berufsaussichten in der Kreisstadt angeht, und ihre Vorbereitung auf das Berufsleben. „Ich habe wirklich keine Erklärung dafür“, stellte er fest. Generell schätzen die Jugendlichen Weilheim zwar als modern ein, aber weniger offen für Neues und die Bürger seien nicht so jugendfreundlich.

Eine gute Grundlage für Veränderungen ist die überdurchschnittlich hohe Motivation, sich aktiv an der Gestaltung des eigenen Umfelds zu beteiligen. 85 Prozent der Jugendlichen sind sicher oder potenziell bereit, sich einzubringen. Für Martin ist das eine gute Nachricht, denn: „Das Thema Beteiligung war mir immer wichtig. Mein selbst gesetztes Ziel ist daher die Jugendbeteiligung zu fördern.“ Seit 2014 ist er Jugendreferent der Stadt und damit Ansprechpartner für Weilheims Jugend.

Der erste Ansatz in Richtung aktiver Beteiligung im vergangenen Herbst war aber noch nicht von Erfolg gekrönt, nur wenige Jugendliche waren zum angesetzten Workshop gekommen. Auf die Nachfrage, warum das so ist, war die Antwort der Schüler: „Du muss in die Schulen und Vereine gehen.“ Darauf Martin: „Ich bin also in die Schulen und habe mich allen vorgestellt.“ Damit einher ging die Einladung zu einem neuen Workshop am 20. Februar um 17 Uhr im evangelischen Gemeindehaus. „Ich habe im Vorfeld spontan viel Zuspruch bekommen“, freute sich Martin. Bei dem Workshop mit dabei sind, neben Martin selbst, Karin Hinzpeter-Gläser vom Kinder- und Jugendbüro der Stadt, Jugendhausmitarbeiter, mobile Jugendsozialarbeiterin Andrea de Crignis sowie Annika Seif und Christina Daisenberger von der Kommunale Jugendarbeit. Es wird vier Themenfelder zur Diskussion und Bearbeitung geben: Treffpunkte; Mitreden/Beteiligen; Veranstaltungen; Wünschen/Meckern/Loben/Vorschlagen. „Mein Ziel ist es, ein oder mehrere Beteiligungsformen und Projekte zum Weiterentwickeln zu definieren und das natürlich zusammen mit den Jugendlichen.“ Langfristig möchte Martin die Rolle des Initiators abgeben und eher die des „Paten“ übernehmen. „Ich kann schlecht einschätzen, wie viele kommen werden und sich wirklich begeistern und beteiligen. Die Kunst wird sein, die Jugendlichen zu motivieren, weiterzumachen.“ Zur Unterstützung hat Martin zwei Jugendliche an seiner Seite, die ihm auch mal sagen, wo es lang geht. Auf seine Frage, wie viele wohl kommen werden, war ihre Antwort ein Achselzucken und die Feststellung, sie seien die „Generation Maybe“.

Auf Nachfrage, warum er nicht bereits früher als Jugendreferent Impulse in diese Richtung gegeben hat, verwies Martin auf die Umfrage des Landkreises. Ursprünglich hatte er selbst eine geplant, dies dann aber verworfen, als er von dem Vorhaben des Landkreises erfuhr. „Es hat eine ganze Weile gedauert, bis das Ergebnis vorlag. Daher ging es jetzt er so richtig los.“

Was sich Martin wünscht: „Ich stelle mir vor, dass die Jugendlichen sich aktiv am Stadtgeschehen beteiligen. Daher gilt es, eine nachhaltige Beteiligungsform zu finden – ob als Jugendparlament oder in anderer Form. Worum es mir geht, ist eine echte Mitbestimmung und keine Scheinpartizipation.“ Das ganze soll aber keine Einbahnstraße sein. „Ich denke, dass das Beteiligungsverfahren in zwei Richtungen gehen kann: die Jugendlichen richten Wünsche an die Stadt und diese fragt umgekehrt die Jugend nach ihrer Meinung.“ Für Martin ist es sinnvoll, Jugendliche frühzeitig an der Demokratie zu beteiligen und ihnen zu vermitteln, dass sie die Möglichkeit haben, etwas zu bewegen.

Ein positives Beispiel erfolgreicher Beteiligung ist der Skaterplatz. Die Jugendlichen waren von Anfang an in das Projekt involviert, haben den Platz mit aufgebaut und passen auch gut darauf auf. „Jetzt kam ein Antrag auf Erweiterung der Anlage und die Stadt hat das bewilligt“, erzählte Martin. Ein anderes Beispiel, an dem nach Auffassung des zweiten Bürgermeisters die Jugendlichen beteiligt werden sollten, ist der Bahnhalt in der Au. „Er ist auch als Halt für Schüler gedacht, aber die Jugendlichen wurden nie nach ihrer Meinung gefragt“, stellte Martin fest.

Neben Stadt und Landkreis sind jetzt auch die Jugendlichen gefragt, sich aktiv für ihre Belange einzusetzen. Wie zum Beispiel bei der im Aufbau befindlichen Beteiligungsplattform im Internet.

Von Melanie Wießmeyer

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