Pandemie ließ keine Nähe zu

Hospizarbeit in Zeiten von Corona – Diakon spricht über Probleme

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Corona hat die Arbeit im Hospiz in Polling sehr erschwert. 

Polling – Zu erleben, wie der eigene Vater, die eigene Mutter, der Partner, ein Freund oder das eigene Kind im Sterben liegt tut sehr weh, bringt Trauer und Schmerz.

Ganz wichtig in dieser sehr belastenden Zeit ist es, laut Diakon Steffen Röger, den geliebten Menschen zu begleiten, Dinge, die noch im Raum stehen zu besprechen, da zu sein, nah zu sein, die Hand zu halten. Nicht dabei sein können, nicht den letzten Weg am Ende eines Lebens begleiten können, nicht am Bett sitzen können, gemeinsam weinen und noch einmal lächeln, lässt einen inneren Schmerz entstehen, der sich fest in der Seele verankert, so der Geschäftsführer des Hospizvereins im Pfaffenwinkel weiter. Was fehlt ist der Austausch in Worten, ein Händedruck, die Nähe des geliebten Gegenübers spüren. Es fehlt das Dasein. Der Sterbende tritt seinen letzten Weg alleine an. „Die Corona-Pandemie lässt keine Nähe zu, sie verordnet eine große Distanz zwischen Sterbenden und verzweifelten Angehörigen, denen ein Abschied nehmen nicht möglich ist. Eine Situation, die selbst eine Beerdigung zu einer einsamen Feier werden lässt“, fasst Röger zusammen.

Auch Hospizbegleitern wurde die Begleitung von sterbenden Menschen zur eigenen Sicherheit vollständig untersagt, denn auch sie gehören meistens der Risikogruppe an. Außerdem hätten viele Familien Angst gehabt, dass bei Besuchen von außen das eigene Ansteckungsrisiko steigen würde. „In diesen unsicheren Zeiten kann und konnte niemand eine verlässliche Aussage treffen, um nicht die Menschen, die wir begleiten und deren Angehörige zu gefährden und auch die Gesundheit unserer ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiter nicht in Gefahr zu bringen“, erklärt Röger. Für viele Mitarbeiter sei dies schwer auszuhalten gewesen: „Gerade in solchen Situationen sind wir immer für die Menschen, die unsere Hilfe gebraucht haben, da gewesen.“

Corona macht alles anders – auch finanziell würden schwierigere Zeiten auf den Verein zukommen. Da keine Begleitungen mehr möglich waren, fallen Spenden und Förderungen geringer aus. Von behördlicher Seite war eine Sterbebegleitung zwar genehmigt, aber für die Altenheime und Krankenhäuser gab es ein Betretungsverbot, welches auch von den Hospizbegleitern eingehalten werden musste. „Wir sind froh, dass es gelungen ist, die Situation so weit in den Griff zu bekommen, dass mit den Lockerungen auch wir wieder für die Menschen da sein können“, freut sich Röger. Nähe sei gerade in der Begleitung von Menschen im Sterbeprozess durch nichts zu ersetzen. Dinge wie Handy, Tabletts oder Laptops seien besser als nichts aber könnten ein Gegenüber nicht ersetzten.

Für Trauernde sei es außerdem von großer Wichtigkeit, Abschiedsrituale wie beten, singen und über das Leben des Verstorbenen bei einer Beerdigung zu reden, wieder gemeinsam begehen zu können. Durch die Pandemie und ihre Einschränkungen in der Begleitung von Sterbenden und Trauernden, wird der Verein mit seinen Mitarbeitern noch stärker gefragt sein, glaubt Röger. Jedoch versichert der Diakon: „Wir sind wieder für sie da.“

Von Kreisbote

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