Kreisboten-Serie: Ehrenamt ‒ Die Helfer im Verborgenen

Hospizbegleiterin geht mit Menschen das letzte Stück ihres Lebenswegs

Ursula Baudisch-Nefzger
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Ursula Baudisch-Nefzger ist seit fünf Jahren als Hospizbegleiterin tätig. Am Froschhauser See hat sie ihren persönlichen Rückzugsort.
  • vonStephanie Novy
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Froschhausen/Polling – Wenn ein Mensch im Sterben liegt, ist das für die Angehörigen oft nicht leicht. In dieser schwierigen Zeit stehen in der Region rund 180 Hospizbegleiter ehrenamtlich für den Pollinger Hospizverein im Pfaffenwinkel den Betroffenen zur Seite. Eine davon hat der Kreisbote besucht.

„Angst vor dem Sterben muss keiner haben“, sagt Ursula Baudisch-Nefzger als sie an ihrem Küchentisch sitzt und die Frühlingssonne durch die Terrassentür auf ihr Gesicht scheint. Die 68-Jährige strahlt Herzenswärme aus. Bei ihr fühlt sich ein Besucher sofort willkommen. Dieses Gefühl dürfen auch die Menschen erfahren, die sie auf ihrem letzten Stück des Lebenswegs begleitet. Seit fünf Jahren ist die Froschhausenerin für den Pollinger Hospizverein ehrenamtlich im Einsatz.

„Ich habe lange gespürt, dass ich mich sozial engagieren möchte“, hatte die vierfache Mutter und vierfache Oma schon immer den Drang, anderen Menschen zu helfen. Durch eine Verwandte, die als Hospizbegleiterin arbeitete, fand sie den passenden Bereich für sich. Auch der Tod ihrer Mutter bestärkte sie in ihrer Entscheidung. „Man könnte das Sterben schöner gestalten“, war sich Baudisch-Nefzger damals schon sicher.

Also absolvierte sie die Ausbildung zur Hospizbegleiterin, die ein dreiviertel Jahr dauert. Vor allem das 40-stündige Praktikum im Hospiz habe sie beeindruckt. „Beim Kontakt mit den Gästen stehen einem die Schwestern immer zur Seite und geben einem das Rüstzeug, mit dem Sterben umgehen zu können“, denkt die ehemalige Sekretärin gerne zurück an diese Tage.

„Ich möchte die Gäste auf der Weiterreise begleiten.“ Baudisch-Nefzger findet in ihrem Glauben die Zuversicht, dass der Tod nicht das Ende ist. Es gehe ihr um das letzte Lebensstück. Dies möchte sie den Menschen besonders schön gestalten und hat sich schon einiges dafür einfallen lassen. Einem Mann, der nicht mehr sprechen konnte, bastelte sie beispielsweise Kärtchen mit Bildern zum Draufzeigen. Die Kommunikation klappte damit sofort. Bei einer Frau, die nur noch sehr unruhige, sägende Geräusche von sich gab, probierte die Hospizbegleiterin verschiedene Dinge aus. Singen half nicht. Sprechen auch nicht. Als sie jedoch ein leises „Om“ im gleichen Ton wie das Geräusch der Frau summte, wurde diese immer ruhiger. „Das sind unglaubliche Glücksmomente“, sagt die Naturliebhaberin, „man muss nur erst den Schlüssel finden.“

Der wöchentliche Besuch dauert zwei bis vier Stunden. Manchmal begleitet Baudisch-Nefzger drei Personen parallel, manchmal nimmt sie sich auch ein paar Wochen Auszeit. Um immer wieder Abstand zu bekommen, handarbeitet sie gerne. „Beim Häkeln und Stricken kann ich alle Eindrücke verarbeiten. Das erdet mich“, sagt Baudisch-Nefzger. Auch Gespräche mit ihrem Mann sowie die tägliche Meditation, mit der beide gemeinsam in den Tag starten, helfen dabei. Da nicht nur der Geist, sondern auch der Körper fit bleiben soll, kommt zweimal die Woche Gesundheitssport hinzu. Außerdem ist Baudisch-Nefzger für die MARO Genossenschaft für selbstbestimmtes und nachbarschaftliches Wohnen stundenweise noch in der Mitgliederbetreuung tätig und hilft ehrenamtlich im Unfallkrankenhaus bei der Angehörigenbetreuung aus.

Zu stressen scheinen sie ihre vielen Aufgaben nicht. „Ich bin sehr dankbar und glücklich“, sagt sie und der Blick schweift aus dem Fenster zum Froschhauser See, dessen schwimmende Eisschollen im Sonnenlicht glitzern. „Ich habe etwas gefunden, was mich ausfüllt.“

Ehrenamtliche gesucht

In diesem Jahr will der Kreisbote den Ehrenamtlichen Platz geben. Jeweils in der letzten Samstagsausgabe des Monats erscheint ein Porträt eines Menschen, der sich besonders engagiert. Sie kennen eine solche Person? Gerne können Sie uns Ihre Vorschläge unter redaktion-wm@kreisbote.de schicken.

Von Ursula Gallmetzer

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