Wie geht es weiter?

IG Metall Weilheim will Nullrunde für 2021 verhindern

Gewerkschafter fordern mehr Unterstützung von ihren Arbeitgebern.
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Die IG Metall hat auch im Landkreis zu Warnstreiks aufgerufen.
  • vonStephanie Novy
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Landkreis – Die Wirtschaft leidet unter der Corona-Krise. Das ist keine Frage. Doch gibt es wohl große Unterschiede zwischen den Branchen. Die Metall- und Elektroindustrie ist laut der IG Metall bisher recht gut weggekommen. Die geforderte Nullrunde bei den derzeitigen Tarifverhandlungen will die Gewerkschaft deshalb so nicht akzeptieren.

„Den meisten hat Corona nur marginal etwas ausgemacht“, meinte Helmut Dinter, erster Bevollmächtigter und Leiter der Geschäftsstelle der IG Metall Weilheim bei einer Online-Pressekonferenz. Die Mehrheit der Arbeitgeber tue aber so, als sei die Lage wahnsinnig schlimm und man könne deshalb jetzt nichts tun.

Dinter konterte allerdings, dass viele Betriebe Rückstellungen zwischen drei und fünf Prozent hätten, die aus der Hochkonjunkturphase vor der Krise stammen. Nur in sehr wenigen Betrieben seien die Rückstellungen aufgebraucht. Zudem habe die Möglichkeit der Kurzarbeit eine geringe Auftragslage oftmals recht gut ausgeglichen.

Bei der Pressekonferenz waren auch Vertreter einiger Betriebe aus dem Landkreis zugeschaltet. Andreas Neugebauer, Betriebsratsvorsitzender bei Xylem Analytics in Weilheim, meinte: „Dem Betrieb geht es recht gut.“ Das Wachstum sei zwar nicht so ausgefallen wie geplant. Dennoch habe die Kurzarbeit nur wenige der Beschäftigten für einen kurzen Zeitraum betroffen. Bei Xylem Analytics gilt allerdings ein Haustarifvertrag, der an den allgemein geltenden Tarif der Branche angelehnt ist (wir berichteten).

Auch die Betriebsrats-Vertreter von Zarges, Hoerbiger und Kennametal berichteten von einer relativ guten Lage. Herbert Baumann von Hoerbiger Kompressortechnik sprach von einem „differenzierten Bild“. Im Bereich der Antriebstechnik sei ein Großteil der Beschäftigten in Kurzarbeit gewesen, weil die Automobilbranche stark betroffen gewesen sei. Bei der Kompressortechnik hingegen sei die Auftragslage, bis auf eine „kurze Durststrecke“ gut gewesen.

Der Betriebsrat Klaus Kees von Aerotech in Peißenberg berichtete von einer schwierigen Situation. Die Belegschaft sei fast komplett in Kurzarbeit. Diese liege je nach Bereich zwischen 50 und 100 Prozent.

Laut Dinter ist in den Tarifverhandlungen derzeit „keine Bewegung aufeinander zu“ sichtbar. Das aktuelle Angebot der Arbeitgeber: Eine Einmalzahlung im Frühjahr 2022 und eine tabellenwirksame Lohnerhöhung im Sommer 2022. Die genaue Höhe wollen die Arbeitgeber allerdings noch nicht sagen, wie Dinter erklärte.

Für die Gewerkschafter ist das kein annehmbarer Kompromiss. Sie wollen eine Nullrunde für das laufende Jahr nicht hinnehmen. Zudem gehe es der IG Metall auch um die Sicherung der Beschäftigung, so Dinter. Denn: „Das Einkommen der Beschäftigten ist der Motor, um die Wirtschaft anzukurbeln.“ Die rund 800 000 Beschäftigten allein in Bayern hätten eine enorme Kaufkraft, die in der aktuellen Situation wichtiger denn je sei.

Bayram Yerli, zweiter ehrenamtlicher Bevollmächtigter bei der IG Metall Weilheim, pflichtete Dinter bei und sprach von der „sozialen Verantwortung“ der Arbeitgeber. „Es kann nicht sein, dass Arbeitnehmer die Krise alleine ausbaden müssen.“

Dinter hatte es bei der Pressekonferenz bereits angedeutet: Seit Dienstag, 0 Uhr, gibt es deutschlandweit Warnstreiks. Auch in der Region und in der Kreisstadt beteiligen sich Arbeitnehmer. Einen Termin für eine nächste Verhandlungsrunde mit den Arbeitgebern gibt es derweil noch nicht.

Von Stephanie Novy

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