Tanz aus der Pandemie

Im Murnauer Markt soll ein Schäffler-Brunnen errichtet werden

Griesbräu-Garten im Obermarkt.
+
Ein Standortvorschlag der Gemeinde: Vor dem Griesbräu-Garten im Obermarkt könnte der Schäffler-Brunnen seinen Platz finden.

Murnau – Über zu wenig Plätschern kann man sich im Murnauer Ortszentrum nicht beschweren, am Anfang, in der Mitte und am Ende der Fußgängerzone sowie im Untermarkt lassen Brunnen Wasser rinnen. Nun soll es ein weiterer Brunnen im Markt sprudeln lassen. Augenscheinlich nicht, weil es an Wasserspielereien mangelt, sondern, weil die Schäffler eine Herzenssache verwirklicht sehen möchten.

Neu ist der Gedanke keineswegs. Das macht Michael Huber, Vorsitzender des Vereins zur Erhaltung des Murnauer Schäffler-Tanzes, in der jüngsten Marktgemeinderatssitzung klar, als es um den Antrag des Vereins auf Errichtung eines Schäffler-Brunnens geht. „Wir haben nichts anderes gemacht, als die alte Idee aufzugreifen“, so Huber. Diese alte Idee wurde schon vor rund ein Dutzend Jahren geboren. 2009, als man 150 Jahre Schäffle-Tanz in Murnau feierte, wollte man einen Schäffler-Brunnen errichten. Das klappte am Ende dann aber nicht. Damals „hatte die Gemeinde einen Brunnen für die Schäffler im Haushalt vorgesehen“, heißt es in der Sitzungsvorlage. Nun, im recht verzögerten zweiten Anlauf, will der Verein die Kosten selbst tragen. „Wir würden komplett die Finanzierung übernehmen“, sagt Huber. Der Brunnen wäre damit ein Geschenk an die Marktgemeinde.

Über die Kosten und auch über die Optik des Brunnens verliert Huber in der Sitzung aber kein Wort. Und scheint dies auch nicht zu wollen. Immerhin steht die Mitgliederversammlung noch an und damit die mehrheitliche Zustimmung noch aus. Sicher ist also noch nichts. Vorstellungen gibt es aber bereits. Ein Blick in die Sitzungsvorlage verrät: Wie bestehende Brunnen auf der Marktpromenade soll auch der Schäffler-Brunnen lokale Geschichte repräsentieren. Von einem „schlicht gehaltenen Vorschlag“ ist die Rede, der ein Bierfass, einen Fass-Ganter, einen Zuber als Wasserbehälter und „natürlich einen Tänzer mit typischem Tanzschritt“ beinhaltet. Aus Materialien wie Beton, Messing und Bronze könnte sich das circa ein Meter breite, etwa zwei Meter lange und an die 2,9 Meter hohe Konstrukt zusammensetzen.

Blickt Huber auf den Brunnen, der eigentlich schon lange stehen könnte und an den man im Verein in den vergangenen Jahren nicht aufgehört hat zu denken, so spricht er von einer „Herzensangelegenheit“. Man wolle der Marktgemeinde wie auch den Bürgern für die Unterstützung danken. Der Standort des Brunnens sollte dabei einen Bezug zum Schäffler-Tanz haben und nicht in „irgendeiner Seitenstraße untergehen“, so der Vorsitzende.

Nicht in irgendeine Seitenstraße gehört der Brunnen wohl auch in den Augen von Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum), der den Schäffler-Tanz als „so wertvolle Tradition für den Ort“ bezeichnet. Beuting wird gar emotional, wenn er die Tradition mit dem Heute verbindet. Er scheint eine Analogie zu erkennen. Angesichts der Corona-Lage bekomme der Schäffler-Tanz eine „leibhaftige und lebendige Untermalung“, meint der Rathauschef, der dabei allem Anschein nach an die mündliche Überlieferung denkt, in der es heißt, dass Fassmacher (Schäffler) vor rund 700 Jahren versucht haben, nach der Pest mit Tänzen die Leute aus ihren Häusern und auf die Straße zu holen. Beuting jedenfalls möchte die Schäffler nach der Pandemie tanzen sehen – und ist mit diesem Wunschbild nicht allein im Gemeinderat.

Das Gremium stimmt letztlich geschlossen für den Antrag des Vereins. Mit der künstlerischen Gestaltung des Brunnens wird sich nun der Kunstbeirat auseinandersetzen, jedoch erst, wenn die Mitgliederversammlung des Vereins dem Unterfangen zugestimmt hat und der Standort festgelegt wurde. Die Gemeinde aber schlägt schon einmal zwei Standorte vor. Zum einen wäre da der Bereich vor dem Hotel Post. Unweit des Hotels, vor der Mariensäule, wurde 1859 der erste Schäfflertanz in Murnau aufgeführt. Auch das Areal vor dem Griesbräu-Garten wäre denkbar. Eine Fläche, die ebenso naheliegend ist, kommt der Schäffler-Stammtisch doch regelmäßig im Griesbräu zusammen, zumindest dann, wenn keine Pandemie die Leute in den Häusern hält.

Von Antonia Reindl

Bilder, Videos und aktuelle Ereignisse aus Ihrer Heimat: Besuchen Sie den Kreisboten Weilheim-Schongau auch auf Facebook.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Wessobrunner denken über Zweitwohnungssteuer nach
Wessobrunner denken über Zweitwohnungssteuer nach
Neues Corona-Schnelltestzentrum in Oderding
Neues Corona-Schnelltestzentrum in Oderding
Neue Frist für Eselfarm Asinella
Neue Frist für Eselfarm Asinella
Forum Westtorhalle sagt Kultur-Kundgebung in Murnau ab
Forum Westtorhalle sagt Kultur-Kundgebung in Murnau ab

Kommentare