Geduld zahlt sich aus

In Murnau wird ein Einsatzzentrum für rund 600 Polizisten errichtet

Polizeiinspektionschef Joachim Loy und Michael Bayerlein, Leiter der Einheit Operative Ergänzungsdienste, vor der Baustelle.
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Noch stehen Polizeiinspektionschef Joachim Loy (li.) und Michael Bayerlein, Leiter der Einheit Operative Ergänzungsdienste, vor Kieshaufen. Das neue Einsatzzentrum lässt sich nur erahnen.

Murnau – Vor wenigen Stunden ist eine Vermisstenmeldung reingekommen. Die hielt Joachim Loy, Chef der Murnauer Polizeiinspektion, auf Trab. Ständig klingelt das Telefon. Die Pressemeldung ist raus, auch das Foto der vermissten Person. 

In einem Moment der Ruhe setzt er sich. Er legt seine Breze auf seinen Schreibtisch. Aber sie muss auf den nächsten Bissen warten, denn Loy spricht nun von dem neuen Einsatzzentrum, das neben der Inspektion entsteht.

Viel ist noch nicht zu erkennen, auf dem Gelände an der Barbarastraße. Ein paar Erd- und Kieshaufen, das war’s. Der Dienststellenleiter freut sich schon auf das Einsatzzentrum. Dank verstellbarer Einbauten lassen sich diverse Alltagssituationen nachstellen und Einsätze üben. Eine Wohnung, ein Club oder auch ein Wirtshaus. Bei den Übungen werden die Beamten dann beispielsweise in eine Diskothek geschickt, inklusive lauter Musik und tanzenden Gästen. Selbst Gestank könne man laut Loy erzeugen. Für die Polizisten gilt es, einen klaren Kopf zu bewahren, während all ihre Sinne beansprucht werden.

Michael Bayerlein, Leiter der Einheit Operative Ergänzungsdienste (OED), kommt in Loys Büro. Gemeinsam verlassen sie die Inspektion und gehen zu der von einem Bauzaun umgebenen Fläche. Auf der 2 500 Quadratmeter großen Fläche wird ein unterkellertes zweistöckiges Einsatzzentrum, eine Stahlbetonkonstruktion mit Keramikfassade, entstehen. Im Keller wird eine Raumschießanlage eingebaut, und weil diese „zur Verhinderung von Lärmimmissionen komplett unterirdisch geplant wurde, ist zunächst eine über sechs Meter tiefe Baugrube erforderlich“, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung des Staatlichen Bauamtes Weilheim.

Selbstverteidigung und Erste Hilfe

In den darüberliegenden Geschossen soll es einen Trainingsraum mit Matten für einsatzbezogene Selbstverteidigung und Nahkampf geben und die von Loy gelobten verwandelbaren Bereiche in Gestalt eines sehr großen Raumes. Auch eine Halle ist eingeplant, in der etwa Fahrzeugkontrollen geprobt werden können. Einige Räume sind videoüberwacht, sodass die Trainingseinheiten im Nachgang dank der Aufnahmen genau analysiert und besprochen werden können. Ansonsten wird es Büros und Räume für Schulungen, Besprechungen und Erste Hilfe Kurse geben.

Was den multifunktionalen Raum betrifft: Das Training in einer solchen flexiblen Umgebung ist an sich nichts Neues. Doch der neue Raum soll, wie Bayerlein andeutet, den Ansprüchen besser gerecht werden. Ähnliches ist auch der Pressemitteilung des Bauamtes zu entnehmen: „Da die vorhandenen Übungseinrichtungen der Polizei den Anforderungen nicht mehr genügten und auch räumlich nicht mehr erweitert werden konnten, fiel die Entscheidung für einen Neubau mit genehmigten Bauwerkskosten in Höhe von 11,3 Millionen Euro am Standort Murnau.“ Bayerlein glaubt, dass in dem Neubau das Schießen näher an der Realität geübt werden könne. Auf dem Schießstand ziele man schließlich nur auf gerader Bahn ab, meint Bayerlein.

Schulungen für Polizisten aus dem Umland

Das Einsatzzentrum wird nicht allein eine Trainingsstätte für die Murnauer Polizisten, sondern für rund 600 Beamte aus den Landkreisen Garmisch-Partenkirchen, Weilheim-Schongau und Bad Tölz-Wolfratshausen sein. Immerhin müssen alle Beamten regelmäßig geschult werden. Bislang seien Schulungen stets „ein hoher logistischer Aufwand“, berichtet Bayerlein. Die Schießübung, das Training an der Langwaffe und die einsatzbezogene Selbstverteidigung finden jeweils an einem anderen Ort statt. „Wir warten sehnlichst darauf, dass wir das zentriert haben“, sagt der OED-Leiter. Die nördlichste Dienststelle befinde sich schließlich in Wolfratshausen, die südlichste in Mittenwald, viel Fahrerei und damit auch ein hoher zeitlicher Aufwand, für Trainierende und Trainer.

Die Planungen für den Bau begannen, bevor Bayerlein an die Dienststelle kam. 2017 wurden die ersten Mittel zugewiesen.Bereits drei Jahre zuvor sei das Gelände gekauft worden. Eine längere Zeit lag die Fläche dann brach. Nun starteten Ende Januar die Tiefbauarbeiten. Ende Mai soll mit dem Rohbau begonnen werden und in zwei Jahren soll es fertiggestellt sein, teilt das Staatliche Bauamt Weilheim mit. „Eine kleine Durststrecke müssen wir noch überwinden“, meint Bayerlein, wenn er an die Fertigstellung denkt. Eine Durststrecke, die er aber gelassen nimmt, „wir warten ja schon vier Jahre drauf“, lächelt er.

Bayerlein und Loy, der als Hausherr für das Zentrum zuständig sein wird, müssen sich also noch gedulden. In den kommenden Monaten kann der künftige Hausherr aber zumindest, in einen seiner wenigen ruhigen Momente zum Durchschnaufen und ohne Telefonklingeln, nach draußen gehen, den Fortschritt beobachten und in seine Breze beißen.

Von Antonia Reindl

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