M+E-Industrie Oberland 

Arbeitgeber fordern flexiblere Arbeitszeitregeln

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Die Ertragslage in der M+E-Industrie ist gut. V. li. Gerhard Schneider, (Hörmann Automotive Penzberg), Dieter Faust (AOA Apparatebau Gauting, Vorsitzender M+E Oberland), Dietmar Ahl (Bechtold GmbH Weilheim) und Marc Hilgenfeld (Geschäftsführer bayme vbm).

Weilheim – „Bei wem es im Moment nicht gut läuft, der macht etwas falsch.“ Wie Dietmar Ahl, Geschäftsführer der Firma Bechtold in Weilheim, stuft die Mehrheit seiner Kollegen in der Region Oberland die aktuelle Lage in der Metall- und Elektro-Industrie (M+E) als gut ein. Um „die Zukunftsperspektiven nicht zu verspielen“, fordern die M+E-Arbeitgeber bei Politik und Tarifparteien Unterstützung an: Die Arbeitszeiten ihrer Mitarbeiter müssten flexibler regelbar sein.

Das Thema Arbeitszeit, erklärte Dieter Faust, als er in Weilheim die Ergebnisse der jüngsten Umfrage bei den Mitgliedsbetrieben präsentierte, wird Gegenstand der kommenden Tarifrunde in der M+E-Industrie sein, die zum Jahresende eingeleitet wird. Das Arbeitszeitgesetz, so der Vorsitzende der M+E- Arbeitgeberverbände bayme und vbm für die Region Oberland, müsse sich „den veränderten Lebensbedingungen anpassen“. Dabei gehe es nicht um eine Erhöhung des Arbeitszeitvolumens, sondern um die Möglichkeit, dieses flexibler zu verteilen. „Ein generelles Absenken der Arbeitszeit“ ist aus Sicht der Unternehmer nicht möglich.

Etwa die Hälfte der rund 120 Mitgliedsbetriebe in den Landkreisen Weilheim-Schongau, Garmisch-Partenkirchen, Landsberg, Starnberg und Bad Tölz- Wolfratshausen haben in der Umfrage einen Ausblick auf das zweite Halbjahr gegeben, berichtete Faust. Demnach beurteilen die Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage noch besser als bei der letzten Umfrage. Für drei Viertel der Betriebe trifft das auf das Inlandsgeschäft und für knapp zwei Drittel auf das Auslandsgeschäft zu, zwei Prozent gaben hierfür jeweils eine negative Einschätzung ab.

Auch die Erwartungen für das zweite Halbjahr fallen trotz des unsicheren globalen Umfeldes zuversichtlich aus: Während beim Export jeder vierte Betrieb auf eine Verbesserung setzt, rechnen zwölf Prozent mit einer Eintrübung. Im Inland hoffen fast 27 Prozent auf eine weitere Verbesserung ihrer Geschäfte. Für das In- und Auslandsgeschäft, stellte Faust fest, bewerten die Unternehmen die Lage in ihrer Region positiver als im gesamtbayerischen Schnitt. Am besten läuft es bei den Herstellern von elektrischen Ausrüstungen und Metallerzeugnissen, sehr gut in der IT-Branche und Automobilindustrie – nur aus der Elektronikindustrie wurde ein „leicht negativer Erwartungssaldo“ gemeldet. 38 Prozent der Betriebe wollen die Produktion ausweiten, gut die Hälfte planen die Beibehaltung des derzeitigen Niveaus, fast neun Prozent werden die Produktion drosseln müssen. Bei den Investitionen stehen Innovationen in neue Produkte, Technologie und Verfahren an erster Stelle.

500 neue Arbeitsplätze

Im Oberland sind 17 000 Mitarbeiter in der M+E-Industrie beschäftigt, bis zum Jahresende prognostiziert Faust einen Zuwachs von weiteren 500 Arbeitsplätzen. Das Akquirieren von Fachkräften wird immer mehr zum Problem, Produktionen müssen mangels Arbeitskräften zurückgefahren werden, hieß es. „Wir suchen händeringend Leute im Vertrieb und Führungskräfte“, berichtete Gerhard Schneider, Geschäftsführer von Hörmann Automotive Penzberg mit einem Tochterunternehmen in der Slowakei. Die Günter Bechtold GmbH in Weilheim verzeichnete laut Geschäftsführer Dietmar Ahl von April bis Juni einen „extrem guten Auftragseingang“, im Moment stabilisiere sich dieser „auf hohem Niveau“. Kurzfristiges Agieren sei gefordert, denn, so Ahl: „Keiner traut sich so recht in die Zukunft zu schauen.“ Die AOA Gerätebau Gauting GmbH mit Standorten in Gilching und Dresden liefert Systeme für Flugzeuge und plant eher langfristig. Knapp ein Viertel der Mitarbeiter sind in der Entwicklung tätig, die Umsatzzahlen steigen: „Wir segeln im Windschatten der Großen“, skizzierte Geschäftsführer Faust die aktuelle Lage.

Maria Hofstetter

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