Soziale Berufe attraktiver machen

Infostand zur Aktionswoche Take Care am Marienplatz

Am Infostand v. li.: Claudia Hörbrandt, Verena Gimberger (Ökumenische Sozialstation) und Andrea Jochner-Weiß
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Am Infostand v. li.: Claudia Hörbrandt, Verena Gimberger (Ökumenische Sozialstation) und Andrea Jochner-Weiß.

Weilheim – Im Rahmen der Auftaktwoche zur bundesweiten Aktion „Take care! Zur Attraktivität sozialer Berufe“ luden die Diakonie Oberland und die Ökumenische Sozialstation zu einer Gesprächsrunde auf den Marienplatz ein. Claudia Hörbrand, Geschäftsführerin der Ökumenischen Sozialstation Oberland, führte dabei die Moderation mit Landrätin Andrea Jochner-Weiß und Stefan Helm, Geschäftsführer der Diakonie Oberland Weilheim.

Die modernen Familienstrukturen haben sich verändert und tragen nicht mehr wie in früheren Zeiten. Dem muss die heutige Gesellschaft Rechnung tragen, denn sie wird von sozialen Netzwerken aufgefangen, in denen soziale Dienstleistungen einen festen Platz haben. Dies ins Bewusstsein der Bürger*Innen zu rücken und die Attraktivität der Sozialberufe stärken, sei Ziel dieser Aktionswoche, so Helm. Und natürlich erhofft man sich von den Take Care - Aktionstagen mehr Aufmerksamkeit und auch Zulauf für die Sozialberufe – gerade von der jüngeren Generation. Im Ökumenischen Sozialdienst finden sich, so Hörbrand, derzeit etwa 15 Prozent an freien Stellen. Dies müsse sich in Zukunft hier und in ähnlichen Einrichtungen dringend ändern.

Jochner-Weiß findet klare Worte: „Sind wir doch einmal ehrlich, wir kommen doch alle damit in Kontakt. Wir haben Kinder, Eltern, Großeltern. Wir benötigen Kitas, Kliniken, Sozialstationen und Pflegeeinrichtungen. Das alles nehmen wir als selbstverständlich hin, erwarten sofortige Hilfe, freundlich und kompetent.“ Aber die Corona-Pandemie habe „uns“ aufgerüttelt. Es fehlt weiterhin an gut ausgebildetem Fachpersonal, welches Wertschätzung erfährt. Natürlich wurde in der letzten Zeit viel Gutes getan – Anerkennung, Applaus, Konzerte auf Straßen und Balkonen. Auch staatlicherseits wurde finanzielle Hilfe in Form eines Corona-Bonuses geleistet. „Doch was ist jetzt? Soll es das gewesen sein? Im Grunde ist echte Wertschätzung damit noch nicht erreicht.“

Alle Beteiligten sind sich einig: Neben der gesellschaftlichen Anerkennung für die sozialen Berufe brauche es auch eine entsprechende finanzielle Vergütung, denn der Verdienst und die Aufstiegsmöglichkeiten seien immer noch nicht mit den Berufen in der freien Wirtschaft zu vergleichen. So gäbe es immer noch keine Tarifbezahlung, moniert Jochner-Weiß. Ein Umstand, der eigentlich selbstverständlich sein sollte.

Gesellschaftlicher Wert, Anerkennung und finanzielle Sicherheit, das alles müsse vor allem nachhaltig sein. Das fordert auch Helm von der Diakonie Oberland, der noch einmal den Stellenwert der sozialen Arbeit unterstreicht. „Wir sind alle auf das Du angewiesen, in allen sozialen Bereichen, denn der Mensch arbeitet am Menschen und am Miteinander.“ Das gelte es zu stärken und kontinuierlich auszubauen. „Wir müssen aber auch wieder lernen, etwas füreinander zu tun.“

Dabei helfe der jungen Generation zum Beispiel ein freiwilliges soziales Jahr, um sich auszuprobieren. Selbst aus dem Engagement in einem Verein, bei der Organisation eines Pfadfinderlagers, könne der Berufswunsch zum Erzieher entstehen. Denn die sozialen Berufe bräuchten selbstverständlich auch männliche Mitarbeiter.

Derzeit werde 80 Prozent der sozialen Arbeit von Frauen getragen, berichtet Hörbrand. Ganz klar sei damit die Vereinbarkeit von Arbeit und Beruf eine Herausforderung – besonders für die Geschäftsführung. In leitender Funktion gelte es, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen und kooperativ zu planen. Das gelinge in ihrer eigenen Einrichtung recht gut, vor allem wenn man an einem Strang zieht. Ihr Dank gilt daher auch ihren Mitarbeitern, die sich für diesen „Herzensberuf“ entschieden haben.

Die drei Mitarbeiterinnen, die als Standbetreuung verstärkten, sehen das genauso. Es sei ein besonderer Beruf, bei dem man viel Verantwortung übernehme, weiß Amrei Garbe zu berichten. Zwar sei man am Ende des Tages müde, aber auch sehr erfüllt. „Der Beruf ist eben etwas Besonderes, gerade weil er so nah am Menschen ist.“ Und es bringe viel Zufriedenheit, die Dankbarkeit der Menschen zu erleben. „Es geht um Leben und um Tod. Und vor allem geht es um die Zeit dazwischen. Das gilt für uns alle!“, bringt Helm die Bedeutung der Sozialen, - Bildungs- und Gesundheitsberufe in der Gesellschaft auf den Punkt.

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Von Adelheid Braemer

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