110 Besucher bei Informations- und Diskussionsveranstaltung zum Thema "Gemeinwohlökonomie"

"Es gibt kein endloses Wachstum"

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Gut gefüllt war die Tiefstollen bei der Info-Veranstaltung der Peißenberger Bürgervereinigung zum Thema Gemeinwohlökonomie.

Peißenberg – „Gemeinwohlökonomie ein Wirtschaftsmodell mit Zukunft“ lautete der Titel einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung, zu der die Peißenberger Bürgervereinigung vergangene Woche eingeladen hatte. Und das Thema stieß auf breites Interesse: 110 Besucher kamen in die Tiefstollenhalle – weit mehr als die Organisatoren erwartet hatten.

Gastreferent Jörn Wiedemann, nach eigener Bezeichnung ein „ehemaliger Turbokapitalist“, skizzierte die Notwendigkeit eines Wertewandels im Wirtschaftssystem. Profitstreben und übertriebenes Konkurrenzdenken würden unter anderem zu Lohn-, Sozial- und Umweltdumping führen. Zudem würden nicht die gewählten Politiker die Richtung bestimmen, sondern von Großkonzernen finanzierte Lobbygruppen. Doch das System gelange an seine natürlichen Grenzen: „Es gibt kein endloses Wachstum. In 20 Jahren werden die Hälfte der Gewerbegebiete leer stehen“, prognostizierte Wiedemann, der inzwischen als Vorstand der Gemeinwohlökonomie (GWÖ) Bayern und als Berater für nachhaltiges Wirtschaften und Regionalentwicklung tätig ist. Die GWÖ setze hingegen auf einen Wertewandel, in der jene Akteure belohnt werden, die sich an soziale und ethische Standards halten. Wiedemann informierte über die „GWÖ-Matrix“, die ethische Grundlagen für eine Bilanzierung in den Unternehmen, Kommunen oder Privathaushalten biete. Die GWÖ-Bilanz wiederum biete einen wichtigen Anhaltspunkt zur Selbst-, aber auch zur Fremdeinschätzung. „Es gibt schon eine Menge an Unternehmen, die vorbildlich wirtschaften und sich ein entsprechendes Image aufgebaut haben – vorwiegend im Mittelstand“, berichtete Wiedemann. Und wie kann die GWÖ in die Kommunalverwaltungen Einzug halten? Um diese Frage ging es schwerpunktmäßig in der anschließenden Diskussionsrunde. „Ich wünsche mir, dass wir die erste Gemeinde werden, die eine GWÖ-Bilanz erstellt“, erklärte Wessobrunns Bürgermeister Helmut Dinter. Die Kommunen könnten eine „Leuchtturmfunktion“ einnehmen und zum Beispiel Auftragsvergaben so gestalten, dass nur ethisch einwandfrei wirtschaftende Firmen zum Zug kommen.

Ingo Massel vom Diakoniedorf Herzogsägmühle berichtete von „Banalitäten“, mit denen man in die GWÖ einsteigen könnte. „Wir zum Beispiel wickeln unsere Leberkässemmeln nicht mehr in Alufolie ein.“ Doch die GWÖ dürfe nicht nur ein „grünes Thema“ bleiben, vielmehr brauche es einen grundlegenden System- und Wertewandel, der sich eben auch auf soziale Standards und gemeinwohlorientierte Interessen beziehe. Und was kann der Einzelne tun? „Jeder Euro ist eine Wählerstimme. Es geht darum, weniger und bewusster zu konsumieren“, so Wiedemann.

Von Bernhard Jepsen

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