Ein Leuchtturm für Weilheim

Innovatives Energiekonzept bei Neubaugebiet nördlich der Geistbühelstraße

Zukünftiges Neubaugebiet nördlich der Geistbühelstraße
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Für das künftige Neubaugebiet nördlich der Geistbühelstraße soll es eine nachhaltige Versorgung mit Wärme, Kälte und Strom geben.
  • vonAntonia Reindl
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Weilheim – Die Stadtwerke Weilheim planen Großes – und Zukunftsweisendes. Die Stadtwerke Weilheim i.OB Energie GmbH/SWE strebt für das künftige Neubaugebiet nördlich der Geistbühelstraße eine nachhaltige Versorgung mit Wärme, Kälte und Strom an – und will so ökologische Fußabdrücke auf kleineren Sohlen setzen. Ein Projekt, das den Klimaausschuss in seiner jüngsten Sitzung überzeugte. Einstimmig votierte das Gremium für den Entwurf.

Am Rande ein Tisch, auf dem sich in Folie verpackte Butterbrezen stapeln. Durch die geöffneten Türen schubst sich immer wieder eine kleine Windböe in den großen Saal der Stadthalle. Vorne Platz genommen hat wie gewohnt Bürgermeister Markus Loth (BfW). Zu seiner Rechten sitzt Andreas Jordan. Der Mann vom Büro für Energiewende, dem planenden Ingenieurbüro für das Projekt, legt seine FFP2-Maske ab, um zusammen mit Stadtwerke-Chef Peter Müller von den Energieplänen auf dem Areal nördlich der Geistbühelstraße, dort, wo ein „relativ großes Bauvorhaben“ geplant sei, zu berichten. Dort, wo in Zukunft nicht wenig Energie verbraucht werden dürfte. Umso wichtiger scheint es da, darauf zu achten, woher die Energie kommt. Die Stadtwerke haben dafür nun ein Konzept entwickelt, das „den ökologischen Fußabdruck geringer“ werden lassen und das zugleich in wirtschaftlicher Hinsicht Vorteile mit sich bringen könnte, berichtet der Mann vom planenden Ingenieurbüro. Der Entwurf beinhaltet dabei eine nachhaltige Quartiersversorgung mit Raumwärme, Warmwasser, Kühlung und elektrischem Strom für Haushalte, Gewerbe und auch Ladestationen.

Strom vor Ort erzeugen

Dann erläutert Jordan das Konzept, das eine kalte Nahwärmeversorgung auf Grundwasserbasis vorsieht. Mit diesem könnten die Gebäude, die zu „sinnvollen Energieverbünden“ zusammengefasst werden sollen, regenerativ mit Wärme wie auch Kälte versorgt werden. Grundwasser, über Brunnen nutzbar gemacht, werde dabei über elektrisch betriebene Wärmepumpen der Energieversorgung zugeführt, wobei der Strom für die Pumpen aus Photovoltaik gewonnen werden soll. Man wolle auf den Dächern „die Flächenpotenziale nutzen“, sagt Jordan. „Strom vor Ort erzeugt und genutzt“, lächelt er. Jedoch betont Jordan, dass man für die generelle Stromversorgung auch auf das öffentliche Netz setzen werde.

Allein werden die Stadtwerke das Vorhaben nicht umsetzen können, mehrmals betont Jordan, dass das Unternehmen die Rolle des Energieversorgers übernehme und dabei Kooperationen mit den Bauherren eingehen müsse. Jordan spricht zu schließende städtebauliche Verträge zwischen den Bauträgern und der Stadt an, von der Zusammenführung aller Akteure vor Ort und von Förderungen. Auch in einer Pressemitteilung der Stadtwerke wird der Kooperationsbedarf erwähnt. Karl Neuner, Projektleiter und Prokurist der Stadtwerke, wird dabei wie folgt zitiert: „Die Bauherren stellen den Stadtwerken die benötigten Flächen und Räume für Grundwasserbrunnen, Heizungstechnik und erforderliche Rohrleitungstrassen und Kabelwege, gegebenenfalls auch Dachflächen, zur Verfügung. Sie übernehmen die von den Stadtwerken erzeugte Energie an definierten Übergabepunkten und leiten diese in die beziehungsweise in den angeschlossenen Häusern weiter.“

Positiv begleiten

Über das Vertragliche wisse man Bescheid, meint Rathauschef Loth nach Jordans Vortrag. Grundsatzbeschlüsse habe man schließlich schon gefasst. Nun gehe es darum, dass der Klimaausschuss „das positiv begleitet“. Das Rechtliche werde im Bauausschuss und im Stadtrat dann Thema werden. Zuvor, während des Vortrags, schweifte Loths Blick immer wieder durch die Runde, Hände erhoben sich, der Bürgermeister notierte Namen. „Es scheinen noch einige Fragen zu haben“, meint Loth nun mit Blick auf die Liste.

„Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein“, lächelt Dr. Claus Reindl (BfW). Er glaube nicht, dass „wir etwas blockieren werden“, auch wenn es durchaus zu Konkurrenzsituationen kommen könnte, sagt er etwa mit Blick auf Gründächer. Jordan jedoch meint, dass es in solchen Fällen nicht unbedingt „entweder oder“ heißen müsse. Prof. Dr. Stefan Emeis (Grüne) will dagegen wissen, wie viel Prozent des Stroms auf den Dächern erzeugt werden könne. „Rund 40 Prozent des Strombedarfs“ seien deckbar, verrät Jordan. Der Rest komme aus dem Netz. Auch Gerd Ratter (ÖDP) ist gedanklich an den PV-Anlagen hängengeblieben und meint, dass ein solches Mieterstromkonzept „auch für andere Quartiere angestrebt werden soll“.

Interessant scheint es da, dass die Stadtwerke die bereits erwähnte Pressemitteilung zum Projekt betiteln mit „Innovatives Energiekonzept für künftiges Neubaugebiet nördlich der Geistbühelstraße“. Denn Innovatives ist nicht selten mit viel Geld verbunden. Doch ein paar Zeilen nach dieser Überschrift ist zu lesen, dass „die Energieversorgung bei aller ökologischer Qualität für die Bewohner dauerhaft bezahlbar“ sein soll. Dafür setze man nicht nur auf ein „ausgeklügeltes Konzept“, sondern auch auf „erhebliche Fördermittel“.

Und auch auf das von Jordan als „relativ großes Bauvorhaben“ bezeichnete Bauprojekt geht man in der Pressemitteilung näher ein. Man plane, „ein neues städtisches Quartier mit einem besonders hohen Anspruch an ökologische Nachhaltigkeit“ zu schaffen, wird Müller zitiert. „Die gesamte Wärme- und Warmwasserversorgung wollen wir regenerativ abdecken“, definiert Projektleiter Karl Neuner den Anspruch näher. Aktuell seien nördlich der Geistbühelstraße über 200 Wohn- und Büroeinheiten, darunter „Appartements für Menschen in besonderen Lebenslagen, Gemeinschaftsbüros und Wohngruppen mit stationären Wohnplätzen“, sowie ein Kindergarten geplant, heißt es von Müller in der Pressemitteilung weiter.

Noch ist in einem Konjunktiv, nicht in einem Indikativ, von einem Würden, nicht einem Werden die Rede, wenn die Stadtwerke in selbiger Mitteilung verlauten lassen, dass sie „diese Quartierslösung als Leuchtturmprojekt gerne umsetzen würden“. Um das Projekt weiter entwickeln zu können, bedarf es nun – als Grundlage – eines städtebaulichen Vertrages zwischen der Stadt und den Bauherren.

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