Nach sechsjähriger Arbeit: Weilheimer Seniorstudent präsentiert Dissertation 

Geschichte des Landkreises erhalten

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Weg wie warme Semmeln ging das Buch von Manfred Merk bei der Präsentation im Weil­heimer Stadttheater. 

Weilheim – In Scharen strömten die Besucher am Montagabend ins Stadttheater. Doch nicht etwa Kabarett oder Schauspiel wurde an diesem besonderen Abend geboten, sondern ein Buch vorgestellt. Ein ganz besonderes Buch: Manfred Merks Werk „Die Inschriften des Landkreises Weilheim-Schongau“.

Schon bevor es überhaupt los ging, bildeten sich rund um den Verkaufstisch lange Schlangen und neugierige Blicke musterten das grün eingebundene und 426 Seiten dicke Schriftstück. Gut sechs Jahre hat Merk an seiner Dissertation geschrieben, die die Interessierten nun in Händen halten können. Der ehemalige Wirtschaftsprüfer begann, als er in Pension ging, zu studieren. Schnell war ihm das reine Geschichtsstudium aber zu langweilig. „Da kann ich auch ein Buch lesen“, erklärt der Rentner seinen Fachwechsel. Die geschichtlichen Hilfswissenschaften waren es schließlich, die es dem heute 71-Jährigen angetan hatten. Das „Hand­werkszeug“ der Geschichte lag dem Seniorstudenten einfach besser. Nach seinem Magisterabschluss wurde dem gebürtigen Münchener eine Promotion angeboten. Warum er sich dafür entschied? „Ich brauch’ halt immer eine Beschäftigung“, sagt er beiläufig, als sei es das selbstverstädlichste der Welt, einen Doktor zu machen. Als er seine ersten Forschungen unternahm war er entsetzt. Bei Vergleichen mit Fotos aus den 80er-Jahren fiel ihm auf, dass viele Inschriften in Kirchen, auf Gräbern an Gebäuden und vielen weiteren Stellen mit der Zeit immer schlechter zu erkennen waren. Diesem Verfall wollte Merk etwas entgegensetzen und begann in mühsamer Kleinstarbeit, im ganzen Landkreis Inschriften zu suchen, zu sichten, zu fotografieren und  zu untersuchen. Schätze entdeckte er vor allem in Klöstern und auch versteckt im Depot des Stadtmuseums wurde er fündig. Wichtig war ihm bei seiner Arbeit, die „Kleinigkeiten zu beachten“, die nicht gleich auf den ersten Blick zu erkennen sind. Auch ganz kleine Täfelchen oder verborgene Grabsteine galt es zu entziffern – wahre Detektivarbeit. 

Entstanden ist ein Werk, das 340 Inschriften und Inschriftengruppen von Mitte des 12. bis Mitte des 17. Jahrhunderts abbildet und beschreibt. Mehr als zwei Drittel sind davon heute noch im Original vorhanden. 

„Steine erzählen Geschichte, erzählen Geschichten“, sagte Joachim Heberlein, Obmann des Heimat- und Museumsverein, in seiner Eröffnungsrede zur Buchpräsentation. „Vieles was einst war, ist untergegangen“, bedauerte er. Doch damit auch das, was verschwindet, noch für die Nachwelt, zumindest auf Papier, erhalten bleibt, dazu leistet „Inschriften des Landkreises Weilheim-Schongau“ einen erheblichen Beitrag. Erhältlich ist das Buch für 62 Euro im Buchhandel.                                                                                                                                                                                      Von Ursula Gnadl

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