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Vielfalt gestalten und Chancen nutzen

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Die Konferenz bot auch Gelegenheit zum persönlichen Austausch. © Bernhard Jepsen

Peißenberg – Nicht nur reagieren, sondern auch agieren und eigene Konzepte entwickeln wollen die beteiligten Institutionen, wenn es um die Integrationspolitik im Landkreis geht. Die Arbeit soll auf eine breitere Basis gestellt und miteinander eng verzahnt werden.

Unter dem Motto „Vielfalt gestalten – Chancen nutzen – Zukunft gestalten“ fand zum Auftakt eine „Integrations-Expertenkonferenz“ mit rund 150 geladenen Gästen statt. Zu der nichtöffentlichen Veranstaltung in der Tiefstollenhalle versammelten sich Vertreter von Unterstützerkreisen, Wohlfahrtsverbänden, Bildungsträgern, Behörden, Migrantenverbänden und aus der Politik. Sie bekamen aufgelockert durch musikalische und kabarettistische Einlagen die neuen Strukturen der regionalen Integrationspolitik erläutert.

Die vielschichtigen Bemühungen und Initiativen sollen künftig besser aufeinander abgestimmt und professionell koordiniert werden. Auch ein „Steuerungsteam“ wird installiert, das die für bestimmte Themenfelder – wie Schule, Ausbildung/Arbeit, Gesellschaft und Mobilität – gebildeten „Integrations-Expertenrunden“ plant und organisiert. Für die grobe Ausrichtung gibt es ein „Strategisches Gremium“, in dem neben dem Landratsamt die Diakonie Oberland, der Caritasverband, Herzogsägmühle und Asyl im Oberland vertreten sind.

Als Gesamtplattform über alle Gremien steht die „Integrations-Expertenkonferenz“, die mindestens einmal jährlich als Großveranstaltung stattfinden und inhaltlich für Fachvorträge, Podiumsdiskussionen und kulturelle Programmpunkte Raum bieten soll.

Deutlich wurde bei der ersten Konferenz, dass Integration eine komplexe Daueraufgabe ist. Über die Hälfte der Asylbewerber und Flüchtlinge, die im Landkreis ankommen, bleiben in der Region. „Je besser die Integration klappt, umso weniger Unfrieden gibt es“, hob Peißenbergs Bürgermeisterin Manuela Vanni im Grußwort die Bedeutung des Themas hervor. Als „unerträglich“ bezeichnete es Vanni, dass der Bund die Finanzierung der Integrationsbemühungen auf die Kommunen abwälzen wolle, „obwohl dafür genug Geld in der Staatskasse vorhanden wäre“. Die große Politik müsse mehr Anstrengungen beim Wohnungsbau unternehmen und klare Kante gegen Rechtsextremismus zeigen. Und: „Alle Asylbewerber sollten arbeiten dürfen.“

In die gleiche Kerbe schlug Steuerungsteam-Mitglied Jost Herrmann. Keinem Menschen dürfe es verweigert werden, sich in die Gesellschaft einzubringen und für seinen Lebensunterhalt zu sorgen: „Für ‚Urlaub‘ muss man sich nicht integrieren können. Aber ab drei Monaten muss Integration möglich sein“, forderte der evangelische Pfarrer und Vorsitzende von Asyl im Oberland unter dem Applaus der Konferenz-Teilnehmer.

Auf Vannis und Herrmanns kritische Anmerkungen ging der „politische Gast“ Gudrun Brendel-Fischer (CSU), in ihrer Konferenzrede nicht ein. Die Integrationsbeauftragte der Staatsregierung rühmte stattdessen Bayerns Erfolge in der Integrationspolitik: „Die praktische Umsetzung funktioniert gut. Andere Bundesländer schauen auf uns“, sagte sie. Eine Aussage, die im Publikum für Unmut sorgte – vor allem bei Mitgliedern aus den Asyl-Unterstützerkreisen.

Von Bernhard Jepsen 

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