Knapp 158 000 Anrufe im Jahr 2017 – Integrierte Leitstelle Oberland präsentiert Zahlen

Die Helfer im Hintergrund

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In der Integrierten Leitstelle Oberland v. li. Helmut Ochs, Leiter ILS Oberland; Helmut Stork, Geschäftsführer des Zweckverbandes für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Oberland und Andreas Estermeier, Teamleiter Integrierte Leitstellen und Landrettung.

Landkreis – Sie fahren zu jeder Tages- und Nachtzeit mit Blaulicht und Sirene schnellstmöglich zu ihrem Einsatzort und tun ihr Bestes, um Menschen zu helfen – die Kräfte der Feuerwehr, Rettungsdienste, Bergwacht, Wasserwacht und sonstigen Einheiten.

Doch wer gibt den Einsatzkräften eigentlich Bescheid, wo sie hin müssen? Wer sagt ihnen, was sie am Einsatzort erwartet und wie viele beziehungsweise ob Personen betroffen sind? Hier kommen die Mitarbeiter der Integrierten Leitstelle Oberland (ILS Oberland) ins Spiel. Sie nehmen unter den Nummern 112 und 19222 alle Notrufe, Notfallmeldungen und sonstigen Informationen entgegen und geben diese an die erforderlichen Einsatzkräfte weiter. Im Fachjargon wird dies als „Nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr“ bezeichnet.

In der ILS Oberland, die für die Landkreise Weilheim-Schongau, Bad Tölz-Wolfratshausen und Garmisch-Partenkirchen zuständig ist, sind 24 Disponenten in Voll- und Teilzeit beschäftigt. Seit 1. Februar sind die 21,5 Planstellen wieder voll besetzt, berichtete Helmut Ochs, Leiter der ILS Oberland. Das Aufgabenfeld der Disponenten umfasst mitunter auch Telefonreanimationen. Das heißt, dass sie dem Anrufer den Rhythmus anleiten, damit dieser Hilfe leisten kann, bis die Einsatzkräfte eintreffen.

Zu ihrer Unterstützung stehen für größere Ereignisse noch15 nebenamtliche Mitarbeiter der sogenannten UG-ILS (Unterstützungsgruppe) bereit. Diese nehmen ausschließlich Notrufe entgegen. Des Weiteren gibt es drei Systemadministratoren. Damit auch Anrufer, die kein Deutsch sprechen, bestmöglich versorgt werden können, muss jeder Disponent in der Lage sein, auf Englisch die wichtigen Daten abzufragen. Circa 90 Prozent der fremdsprachigen Anrufe würden sich auf Englisch abspielen, so Ochs.

In 2017 wurden über 60 000 Notfall- und Notarzteinsätze bei der ILS Oberland durchgeführt.

Bei den Krankentransporten waren es währenddessen nur knapp 21 000. Sie bleiben damit auf gleichem Niveau, wie es beim Jahrespressegespräch der Leitstelle hieß. Andreas Estermeier, Teamleiter Integrierte Leitstellen und Landrettung, gab an, dass es einen permanenten Anstieg der Einsatzzahlen des Rettungsdienstes in ganz Bayern gebe. Über knapp zehn Jahre gesehen sei die Anzahl der Notfälle um 54 Prozent gestiegen. Die Anzahl der Notfälle, an denen ein Notarzt beteiligt war, stieg während des selben Zeitraums unterproportional um 26 Prozent. Es sei zu beobachten, dass „die weniger schlimmen Fälle“ stark zunehmen, sagte Estermeier. Die Bevölkerung könne ihre Beschwerden oft nicht genau zuordnen. Man wolle niemandem, abgesehen von Einzelfällen, einen Missbrauch der 112 vorwerfen, allerdings sollten sich Betroffene mit Beschwerden, bei denen sie normalerweise ihren Hausarzt aufsuchen würden, an die 116117 (Ärztlicher Bereitschaftsdienst) wenden. Diese Nummer ist aber deutlich weniger Menschen bekannt als die 112. Estermeier sprach sich daher auch klar gegen die Zusammenlegung der beiden Nummern aus. Dadurch würde der Vorfilter wegfallen, was „fatal“ wäre. Der Teamleiter plädierte stattdessen für eine parallele Bewerbung der Nummern. Des Weiteren machte Estermeier deutlich, dass Patienten, die mit dem Krankenwagen vorfahren, nicht automatisch schneller behandelt werden. Nicht auf das Transportmittel, sondern auf den Zustand des Patienten komme es an.

Nachwuchs sichern

Ein weiteres Problem, die Berufsausbildung der Disponenten, sprach Estermeier beim Pressegespräch an. Momentan müssten die Fachkräfte von Kollegen, wie den Rettungsdiensten, abgeworben werden, da es keinen direkten Weg zum Beruf des ILS-Disponenten gibt. Um dieses Problem zu lösen, hat eine bundesweite Arbeitsgruppe unter Beteiligung der BRK-Leitstellen das Konzept für eine dreijährige berufliche Qualifikation entwickelt. Befürwortet wird das Konzept von allen Bayerischen Leitstellen, den Krankenkassen, dem zuständigen Innenministerium sowie von den kommunalen Spitzenverbänden. Allerdings würde es jetzt bei der Finanzierung stocken, so Estermeier.

Projekte der ILS Oberland

Im Juli letzten Jahres erfolgte die Umstellung auf die neue Alarmierungsbekanntmachung (ABeK). Durch sie wird festgelegt, welche Einsatzmittel mindestens bei einer bestimmten Einsatzart alarmiert werden müssen. Des Weiteren ist die ILS Pilotstelle für die digitale Alarmierung in Bayern. In den nächsten Monaten wird die Leitstelle sowohl technisch als auch mit der erforderlichen Software ausgestattet.

In der Stelle wird außerdem seit Ende 2017 der „eCall“ verarbeitet. Das automatische Notrufsystem ruft bei einem Unfall die zuständige Leitstelle an. Zusätzlich werden Daten an die Stelle übermittelt. Allerdings würden nur sehr wenige Autos über ein solches System verfügen, so Helmut Stork, Geschäftsführer des Zweckverbandes für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Oberland.

Ein weiteres Projekt ist die DCI-Schnittstelle (Dispatcher Center Interface). Dabei handelt es sich um eine Schnittstelle zu den benachbarten Leitstellen in Österreich, in diesem Fall also Innsbruck. Sie soll bei grenzübergreifenden Einsätzen von Nutzen sein.

Zweckverband

Der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Oberland wartet gerade auf das „Trust 3-Gutachten“ (Trend- und Strukturanalyse im Rettungsdienst), welches spätestens Mitte des Jahres da sein soll, sagte Stork. Durch das Gutachten wird ermittelt, ob die Versorgungsstruktur bei den Rettungsdiensten noch aktuell ist (zum Beispiel genügend Rettungswagen vorhanden sind). Wenn es da ist, wird es vom Verband umgesetzt. Dadurch, dass die Notfalleinsätze um zwölf bis 15 Prozent gestiegen sind, rechnet Stork damit, dass mehr in die Notfallrettung investiert wird. Ob es deswegen zum Beispiel eine zusätzlich Rettungswache geben wird, müsse dann ermittelt werden.

Die Testphase für die Umrüstung auf die „Digitale Alarmierung“ soll im Sommer/Herbst beginnen. Wenn diese abgeschlossen und positiv verlaufen ist, kann die Ausschreibung für die Geräte beginnen. Bei den Geräten handelt es sich um Piepser für Feuerwehren und Hilfsorganisationen, die nicht mehr wie aktuell analog sondern digital sein sollen. Wenn alles gut läuft, so Stork, sollen die Geräte Ende diesen Jahres/Anfang nächsten Jahres da sein.

Kurioser Notfall

Leitstellenleiter Ochs, der während des Pressegesprächs noch einige besondere Einsätze ansprach, kam dabei auch auf einen Fall, bei dem einem Herzinfaktpatienten in Frankreich geholfen werden konnte. Der Engländer, welcher in Frankreich mit seiner Frau zusammen lebt, berichtete ihr am Telefon über Schmerzen. Die Frau, die sich zu diesem Zeitpunkt in München aufhielt, sprach wiederum mit einer Bekannten, die aus der hiesigen Gegend kommt. Diese setzte sich daraufhin mit der ILS Oberland in Verbindung und beschrieb die Symptome des Engländers. In Zusammenarbeit mit der Leitstelle Straßburg konnte der Mann so ausfindig gemacht und behandelt werden.

Von Sofia Wiethaler

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