"Noch ist es nicht zu spät"

Intensivere Zusammenarbeit: Waldbesitzervereinigung und Forstamt kooperieren beim Waldumbau

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Markus Hildebrandt (li.) und Jakob Promberger (re.) besiegelten im Beisein von Vertretern der WBV und des AELF den Kooperationsvertrag.

Weilheim – Seit vielen Jahren schon arbeiten die Waldbesitzervereinigung Weilheim (WBV) und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) eng zusammen. Im Zuge der – wie es bei einem Pressegespräch hieß – „drastischen Herausforderungen“ durch den Klimawandel und den demographischen Veränderungen bei den privaten Waldbesitzern wollen die beiden Institutionen ihre Kooperation künftig weiter intensivieren und Synergieeffekte nutzen. Dazu wurde kürzlich ein Kooperationsvertrag unterzeichnet.

Im Fokus der Zusammenarbeit soll vor allem der Waldumbau und die Schaffung einer biologischen Artenvielfalt stehen: „Wir müssen unsere Wälder für den Klimawandel fit machen“, betonte Markus Hildebrandt, Bereichsleiter „Forsten“ am AELF, bei der Vertragsunterzeichnung. Dabei sollen nicht nur die Kalamitätsflächen umgebaut werden, sondern auch die Monokulturwälder: „Wir wollen in die Fichtenbestände beispielsweise auch Tannen und Buchen reinbringen“, so Hildebrandt. Wie Försterin Sonja Scheurer erklärte, ist der Waldumbau bei den Fachstellen schon seit Längerem ein zentrales Thema. Es sei wichtig, vorausschauend zu planen: „Wir dürfen nicht nur reagieren, sondern müssen agieren. Noch ist es nicht zu spät.“ Der Waldumbau, so hieß es beim Pressegespräch, solle im Gleichgewicht mit der Natur erfolgen: „Wir wollen keine gleichmäßigen Wälder, sondern Vielfalt“, erklärte Marc Euer von der WBV.

Ein weiterer Schwerpunkt der Kooperation ist die Intensivierung der Öffentlichkeitsarbeit. „Wir wollen die Akzeptanz der Forstwirtschaft verbessern. Wir brauchen den genutzten Wald“, konstatierte Hildebrandt. Auch will man das Beratungsangebot ausbauen und die privaten Waldbesitzer schulen. Im Landkreis Weilheim-Schongau gibt es rund 8 200 Waldbesitzer mit einer Durchschnittsfläche von jeweils rund 2, 5 Hektar. „Nicht jeder ist da Experte“, weiß Jakob Promberger, der Vorsitzende der WBV Weilheim. In den Waldbesitzervereinigungen von Weilheim und Schongau sind nur etwa 2 000 organisiert. Forstdirektor Martin Kainz stellt zudem eine „gewisse Entfremdung der Waldbesitzer von ihrem ‚Erbe‘ fest“. Viele seien bei der Bewirtschaftung „hilflos“ oder würden gar nicht wissen, dass sie ein Forstgrundstück besitzen. „Bei Kalamitäten ist dann die Not groß“, erklärte Kainz: „Die Frage, wie wir die Waldbesitzer erreichen, ist deshalb eine Herausforderung für uns.“

Als „gemeinsames Ziel“ und „Grundvoraussetzung für die Schaffung klimastabiler Wälder ohne teure Schutzmaßnahmen“ geben die WBV und das AELF des Weiteren „angepasste Wildbestände“ an. „Es wird zu wenig geschossen“, beklagt Promberger: „Der Wald muss ohne Verbiss aufwachsen können. Dann hätten wir jetzt schon eine bessere Mischung.“ Auch Kainz spricht von einer „Jagdproblematik“: „Das predige ich jetzt schon seit 40 Jahren. Aber durch den Klimawandel bekommt das Thema eine ganz neue Brisanz.“ Den Waldbesitzern, so ergänzte Hildebrandt, sei es nicht zuzumuten, ihre Grundstücke einzuzäunen.

Von Bernhard Jepsen

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