Kreisjugendpflegerinnen über ihren Beruf und die Bundestagswahl

Die Demokratie nutzen

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Die beiden Kreisjugendpflegerinnen v. li. Christina Daisenberger und Annika Seif.

Landkreis – Das Berufsbild des Kreisjugendpflegers ist kein alltägliches über das jedermann Bescheid weiß. Daher haben die Kreisjugendpflegerinnen des Landkreises Weilheim-Schongau, Annika Seif und Christina Daisenberger, mit Kreisbotenvolontärin Sofia Wiethaler über ihre Stelle, die Jugend im Landkreis und die anstehende Bundestagswahl gesprochen.

Was versteckt sich hinter dem Beruf Kreisjugendpflegerin? Was sind Ihre Aufgaben?

Seif: „In der kommunalen Jugendarbeit gibt es viele Aufgaben. Unsere Hauptaufgaben sind aber die Fachaufsicht über die Jugendzentren, von denen wir fünf Stück im Landkreis haben, sowie die Beratung und Unterstützung der Gemeinden.“

Daisenberger: „Wir beraten außerdem Jugendliche und die Jugendreferenten der Gemeinden. Des Weiteren sind wir in verschiedenen Gremien im Landkreis, bei denen es um Jugendarbeit geht.“

Wie lange arbeiten Sie schon in diesem Beruf?

Seif: „Seit fünf Jahren. Ich bin für diese Stelle ans Landratsamt Weilheim-Schongau gekommen.“

Daisenberger: „Ich arbeite hier seit zwei Jahren und bin ebenfalls dafür ans Landratsamt gekommen.“

Wie war Ihr beruflicher Werdegang zuvor?

Daisenberger: „Ich habe nach meinem Realschulabschluss eine Ausbildung zur Erzieherin gemacht und danach Soziale Arbeit studiert. Vor dieser Stelle habe ich in München in einem Azubiwohnheim in einer festen Wohngruppe gearbeitet. Ich wollte aber wieder zurück in diese Gegend und als die Stelle ausgeschrieben wurde, habe ich mich beworben. Also ganz klassisch.“ (lacht)

Seif: „Ich habe meinen Bachelor und meinen Master in Sozialer Arbeit gemacht. Dann habe ich als Jugendpflegerin in einer Gemeinde im Landkreis Würzburg gearbeitet, allerdings war ich dort nur als Elternzeitvertretung beschäftigt. In dieser Zeit war ich auch im Vorstand des KJRs, daher wusste ich, dass ich in diesem Bereich bleiben möchte. Außerdem wollte ich wieder näher nach Hause zurück, ich komme ursprünglich aus dem Landkreis Ebersberg. Als die Stelle frei wurde, habe ich mich beworben und das Erbe von Ralf Schneider angetreten, der 31 Jahre lang im Amt war.“

Wie schätzen Sie das Politikinteresse der Jugendlichen ein?

Seif: „Das politische Interesse können wir nicht belegen. In der Jugendbefragung, die 2015 im Landkreis durchgeführt wurde, hat kaum ein Jugendlicher angegeben, dass er in einer politischen Organisation aktiv ist. Dazu muss man aber auch sagen, dass die Jugendlichen den Begriff ‚Politik‘ anders definieren als wir. Für uns ist es auch politisches Engagement, wenn jemand zum Beispiel auf eine Demonstration gegen Rechts geht oder sich kommunalpolitisch beteiligt, wie beim Bau des Penzberger Schwimmbads. Die Jugendlichen sehen das aber anders. Wir würden schon sagen, dass sich die Jugend mit einbringt. Bei der Befragung gab es auch eine Spalte, wo Platz für Beschwerden oder Veränderungswünsche war. Dort haben die Jugendlichen ganz viele Statements zu Flüchtlingen hinterlassen, sowohl negative als auch positive, ohne dass sie danach gefragt wurden. Der Verein ‚Junge Menschen für Weilheim‘ und das Penzberger Jugendparlament sind außerdem auch politisch aktiv.“

Warum sollte man Ihrer Meinung nach wählen gehen?

Daisenberger: „Es ist wichtig und richtig, wählen zu gehen, um unsere Demokratie zu erhalten. Außerdem finde ich, dass wir das Recht, wählen zu dürfen, hochhalten müssen.“

Seif: „Man muss die Möglichkeit zur Demokratie nutzen. Auch wenn das bedeutet, seine Stimme ungültig zu machen. Dann hat man sich aber mit der Sache auseinandergesetzt.“

Was können Jugendliche politisch bewegen beziehungsweise wie können sie Gehör finden?

Seif: „Es gibt viele Möglichkeiten. Vieles geht von den Gemeinden aus wie Zukunftswerkstätten.“

Daisenberger: „Die Jugendlichen können auch über den Jugendreferenten ihrer Gemeinde, ihren Bürgermeister oder jeden Mitarbeiter in der Jugendarbeit gehen.“

Seif: „Was dabei heraus kommt kann man gut in Weilheim oder Penzberg, mit dem Jugendverein und Parlament, sehen. In Penzberg hatten wir vor Kurzem auch eine Jungbürgerversammlung, bei der die Jugendlichen ihre Wünsche für die Rutsche im Schwimmbad äußern durften.“

Daisenberger: „Diese Möglichkeit haben auch circa 70 junge Leute wahrgenommen, obwohl es 35 Grad hatte. Das spricht ganz klar dafür, dass sie gehört werden wollen.“

Seif: „Je interessanter das Thema für Jugendliche ist, desto mehr wird es auch angenommen.“

Wie viel Zeit verbringen Sie in den Gemeinden?

Seif: „Genau kann man das nicht sagen, das kommt auf die Anzahl der Anfragen an. Durch die Jugendbefragung haben wir viele Anfragen bekommen, worüber wir uns sehr freuen. Zur Zeit sind wir zum Beispiel in Pähl, Peiting, Raisting und Altenstadt unterwegs.“

Welche Themen bewegen Jugendliche vor allem?

Seif: „Es sind in der Regel Freizeitangebote wie Schwimmbäder, Grill- oder Skaterplätze und Veranstaltungen für junge Menschen. Hier im Landkreis dreht es sich großteils um Veranstaltungen nur für Jugendliche, Grillplätze und Sportangebote. Das kommt aber natürlich auch immer auf die Gemeinde an.“

Vielen Dank für das Gespräch.

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