Richard Oehmann aus Weilheim, Singspielschreiber für den Nockherberg, im Interview

"Nicht auf jeden Stuss eingehen"

+
Richard Oehmann: „Die Weilheimer sind ja so wunderbar anspruchslos.“

München/Weilheim – Als Nachfolger von Marcus H. Rosenmüller hat man‘s nicht leicht, die Texte für das Starkbier-Singspiel am Nockherberg zu liefern und dafür auch noch die Regie zu übernehmen. Die Latte ist hoch gelegt. Das Publikum ist gespannt, was das neue Singspiel-Duo Richard Oehmann und Stefan Betz für den 28. Februar ausgetüftelt hat. Noch ist alles streng geheim.

Die politischen Turbulenzen in Berlin schlagen ja zur Zeit mächtig hohe Wellen, während sich die Kandidaten in Bayern für die Wahlen im Oktober rüsten. Viel und vor allem (fast) täglich wechselnder Stoff, dem Oehmann und sein Kompagnon Betz mit treffenden Pointen die Würze verpassen. Erfahren Sie hier im Interview mit Kreisboten-Redakteurin Maria Hofstetter, wie der gebürtige Weilheimer Richard Oehmann die sportliche Herausforderung meistert.

Als einer der beiden Autoren und Spieler von „Dr. Döblingers geschmackvollem Kasperltheater“ haben Sie sich einen Namen als Schöpfer von skurrilen und abstrusen Theaterstücken und Liedern gemacht. Statt frei erfundener Geschichten ist beim Nockherberg-Singspiel die Realpolitik Grundlage für die Handlung. Schwieriger Spagat oder reizvolle Herausforderung?

Oehmann: „Beim Schreiben war es erst mal keine so große Umstellung. Kasperltheater und Politik haben ja große Ähnlichkeiten, erst recht, wenn es um die Singspiel-Politiker geht. Es gibt ein begrenztes, wohlbekanntes Personal von Komödiencharakteren, die man pauschal als deppert darstellen darf. Man könnte jetzt meinen, dass im Kasperltheater eine klare Einteilung zwischen Helden und Bösewichtern besteht. Also müsste man eine politische Gruppe in der Hexen-Fraktion und die andere im Lager der Prinzen verorten. Aber so ist die Welt ja eh nicht und beim Doctor Döblinger sind die Bösen und Guten auch nicht so leicht unterscheidbar. Die Herausforderung ist eher, dass ich jetzt, zusammen mit dem Stefan Betz, Regie führen werde. Und tatsächlich sind Schauspieler etwas mühsamer im Raum zu bewegen als Handpuppen.“

Die Aufführungen der letzten Jahre waren als Singspiel mit jeweils einem durchgängigen Thema angelegt. Werden Sie an diese Tradition anknüpfen oder gibt es ein anderes Konzept?

Oehmann: „Der Herr Betz und ich sind es durchaus gewohnt, Geschichten zu schreiben. Nummernkabarett ist uns eher fern. Auch die Umwandlung des Derbleckens in ein anthroposophisches Tüchertheater haben wir wieder verworfen. Es gibt eine klare Handlung, vielleicht nicht immer mit politischen Anspielungen gespickt, sondern eher mit haltlosem Schmarrn. Insgesamt wird es dann aber durchaus nicht unblöd abgerundet, zumindest hoffen wir das selber.“

Gerd Baumann, Florian Rein und Sebastian Horn als prägende Gestalten der Musik sind diesmal ebenfalls nicht mehr im Team. Wer ist heuer dafür verantwortlich?

Oehmann: „Die Lieder komponiert der Tobias Weber und er ist auch auf der Bühne der musikalische Leiter. Mit ihm zusammen hab ich 2013 die kindische Kapelle Café Unterzucker gegründet, und etliche Musiker der Band werden auch live dabei sein. Der Altweilheimer Greulix Schrank zum Beispiel, der Toni Gruber aus Utting, oder auch Maria Hafner und Evi Keglmaier, zwei großartige Damen von der Gruppe Mrs. Zwirbl beziehungsweise Zwirbeldirn. Von der Baumann-Band Dreiviertelblut haben wir uns den Trompeter Dominik und den Gitarristen Luke geliehen.“

Die politische Bühne liefert zurzeit fast täglich neue Wendungen. Wie wollen Sie es schaffen, die aktuellen Entwicklungen bis zur Aufführung einzubinden?

Oehmann: „Das werden wir seit Oktober dauernd gefragt. Aber tatsächlich ist es so, dass Ende Februar die Witze über die politischen Wendungen vom Herbst und Winter alle längst gemacht sind. Wir müssen nicht auf jeden Einzelstuss eingehen, das übernimmt die Luise Kinseher in ihrer Rede. Das Fazit unserer Geschichte stimmt auch noch in einem Monat, leider vielleicht auch länger. Blöd wär es, wenn Schulz und Merkel nächste Woche überraschend heiraten würden. Das müssten wir dann vielleicht irgendwie einbauen.“

Liegt der Schwerpunkt auf der Landes- oder der Bundespolitik?

Oehmann: „Der liegt sehr auf der Landespolitik, andrerseits aber auf derzeit bayern- wie bundesweit schwelenden Grundkonflikten.“

Wann haben Sie mit den Vorbereitungen begonnen, und wird es nun zum Endspurt hektisch?

Oehmann: „Ich hab beim letzten Singspiel mitgearbeitet und schon letztes Jahr die diesjährige Grundidee dem Rosenmüller-Team erzählt, da war die Klon-Geschichte vom Singspiel 2017 aber schon halb geschrieben. Dann hab ich meine Idee im September mit dem Stefan Betz besprochen und wir haben es weiter gesponnen. Nach dem eindeutigen Engagement durch Paulaner haben wir den Großteil im Dezember geschrieben. Tatsächlich ist sehr, sehr viel von all den ersten Ideen erhalten geblieben. Der Endspurt besteht nun in vier Wochen Probenarbeit. Da stellt man Längen fest oder findet ganz neue lustige Elemente. Hektisch ist es noch nicht und muss es von mir aus gar nicht werden.“

Das Publikum rätselt natürlich auch über das Schauspielerteam. Gibt es ein Wiedersehen mit vielen bekannten Gesichtern?

Oehmann: „Es ist ja wirklich wie beim Kasperltheater. Da würd ich jetzt auch nicht neue Figuren verwenden, nur um mich vom Bisherigen zu unterscheiden. Wenn man nur aus Profilneurose alles ändert, gibt das nur schlechte Stimmung im bewährten Team. Abgesehen von der Politik gibt es ja eine Menge anderer Befindlichkeiten zu bedenken. Man sollte eh möglichst mit angenehmen Menschen arbeiten. Unsere Schauspieler kennen ihre Rollen sehr gut und bringen da viele gute Ideen daher. Wir haben nur nicht gewusst, was der famose Stefan Murr spielt, der dieses Jahr zum zehnten Mal dabei ist. Er war schon Dobrindt, Aiwanger, Pronold und Guttenberg, und wir wollten ihm sein Jubiläum gönnen. Drum haben wir ihm eine markante Rolle und eine angenehm depperte Gesangsnummer geschrieben.“

Müssen die Promis zittern, wenn ihr Double die Bühne betritt?

Oehmann: „Ich habe bisher nicht den Eindruck gehabt, dass die Singspiele der letzten Jahre irgendeine Wirkung hinterlassen hätten. Diejenigen, die sich ernsthafte Kritik und auch völlig unsachliche Schmähungen redlich verdient haben, spüren, glaub ich, eh nix mehr.

Zum Schluss ein Schwenk in Ihre Heimatstadt. Wann sind Sie das letzte Mal über den Weilheimer Marienplatz spaziert?

Oehmann: „Im Dezember. Nur in diesem Januar und Februar hab ich dafür gar keine Zeit. Ansonsten kommt das schon noch regelmäßig vor.“

Als gebürtiger Weilheimer haben Sie hier Ihre Kindheit und Jugend verbracht. Woran erinnern Sie sich besonders gern?

Oehmann: „An Räuber und Schande im Paradeis und Schlittenfahren am Kuglwaldi, den bestimmt keiner mehr so nennt, weil da jetzt lauter Häuser stehen. Ans jugendliche Rumhocken an der Mariensäule, an Schnitzel im Bachbräu. An das ‚Schildbürger‘ und das Scala-Kino. Ans Fußballspielen und an den Ditschki. Im Idealfall ans Fußballspielen am Ditschki.“

Ist in nächster Zeit ein Auftritt in der Region geplant oder ist nach dem Nockherberg erst mal eine schöpferische Pause angesagt?

Oehmann: „Ab 1. März hab ich angenehm wenig zu tun und ich bin ja ein sehr guter Freizeitverwerter. Dann gibt es Termine mit dem Kasperl und dem Café Unterzucker. Am 18. April ist eine Lesung mit Liedern im Weilheimer Gymnasium, und zwar um 20 Uhr, obwohl ich überwiegend Kindisches lesen und singen werde.

Aber die Weilheimer – und ich bin ja selber einer, drum weiß ich das – sind ja so wunderbar anspruchslos, da komm ich damit vielleicht durch.“

Auch interessant

Meistgelesen

Susann ENDERS: „Bewährtes bewahren“
Susann ENDERS: „Bewährtes bewahren“
Weilheimer randaliert nach eigener Wiederbelebung
Weilheimer randaliert nach eigener Wiederbelebung
Weilheimer Festplatz erstmals Fahrerlager für größte eMOBIL Rallye Deutschlands – Neuer Teilnehmerrekord
Weilheimer Festplatz erstmals Fahrerlager für größte eMOBIL Rallye Deutschlands – Neuer Teilnehmerrekord
4. Gesundheitstag und 1. Regionaltag am 20. Oktober 2018 in Garmisch
4. Gesundheitstag und 1. Regionaltag am 20. Oktober 2018 in Garmisch

Kommentare