Interview mit Thomas Lochte zum Aufstieg des SK Weilheim in die zweite Bundesliga

Könige des Weilheimer Schachs

+
Die erste Mannschaft des SK Weilheim schaffte den Sprung in die zweite Bundesliga. Teil des erfolgreichen Teams ist Thomas Lochte (vierter v. li.).

Weilheim/Region – Für die erste Mannschaft des Schachklubs Weilheim lief es in der Oberliga-Saison 2016/2017 so gut, dass sie den Aufstieg in die zweite Bundesliga geschafft haben. Im Interview mit Melanie Wießmeyer erzählt Thomas Lochte – der auch die oberbayerische Endrunde des Dähne-Pokals gewonnen hat –, wie er zum Schachspielen kam, welche Hindernisse die Mannschaft im Vorfeld der Oberliga-Endrunde überwinden musste und wie es für ihn und die Mannschaft weiter geht.

Wie kamen Sie zum Schachspielen?

Thomas Lochte: „Die Regeln habe ich mit etwa sechs Jahren erlernt. In einen Schachclub, es war der SC Starnberg, nahm mich dann im Jahre 1972 ein Freund mit, ich war damals 15. Der Freund hörte bald danach auf mit dem Vereinsschach , ich blieb in Starnberg 35 Jahre lang dabei, 2007 wechselte ich zum Schachklub Weilheim.“

Braucht man spezielles Konzentrationstraining fürs Schach? Was sollte man, wenn man Schach spielen möchte, an Talent/Fähigkeiten mitbringen?

Lochte: „Nein. Sicherlich hilfreich sind Vorstellungskraft und analytisches Denken, körperliche Fitness und eine gewisse Disziplin.“

Wie trainiert man Schach?

Lochte: „Indem man sich mit möglichst vielen verschiedenen ‚Mustern‘ vertraut macht, also Schachstellungen, gewissen Strukturen und technischen Strategien, diese Muster zu behandeln. Schach ist vor allem viel Arbeit, auch psychologisch – der Rest ist Talent.“

War das die erste Saison in der Oberliga und der Durchmarsch direkt in die 2. Bundesliga?

Lochte: „Ja, ein wirklich unverhoffter Durchmarsch: Wir hatten uns als Aufsteiger zur Oberliga eigentlich nur den Klassenerhalt zum Ziel gesetzt. Aber als wir dann ein paar wichtige Matches, sogar gegen nominell stärkere Teams, gewinnen konnten, orientierten wir uns allmählich an den vorderen Plätzen.“

Was ist das für ein Gefühl, den Sprung in die 2. Bundesliga geschafft zu haben?

Lochte: „Ich kann hier nur für mich persönlich sprechen: Es ist etwas ganz Besonderes, wenn man es zuvor mit dem Schachclub Starnberg drei Jahrzehnte lang immer wieder knapp verpasst hat, auch nur von der Landesliga, der vierthöchsten Spielklasse in Deutschland, in die Oberliga, also die dritthöchste, aufzusteigen...“

Wie bereitet man sich auf ein Turnier wie in Uttenreuth vor?

Lochte: „Das war kein ‚Turnier‘, sondern die zentral ausgetragene letzte Runde der Oberliga Bayern. Ein Mannschaftskampf an acht Brettern, in diesem Fall gegen die Schachfreunde Schweinfurt. Man kennt einigermaßen die Aufstellung des Gegners, und jeder Spieler weiß ungefähr, mit wem er es an seinem Brett zu tun bekommt. Man schaut sich also Partien der in Frage kommenden Gegner aus der Datenbank an, sucht den ‚Stil‘ herauszufinden, seine Stärken und Schwächen.“

Im Vorfeld soll es zu einigen Problemen gekommen sein – Ausfall von Herrn Bayer, Suche nach einem Ersatzspieler, Autopanne. Können Sie dazu mehr erzählen?

Lochte: „Ja, da kam für einen einzigen Mannschaftskampf wirklich einiges zusammen: Unser Spitzenspieler Bernhard Bayer erlitt am Morgen des Matches vor Ort eine Art Kolik, so dass wir höchst kurzfristig einen spielberechtigten Ersatzmann ‚anfordern‘ mussten – zum Glück weilte der gerade in Tschechien und konnte noch rechtzeitig bis zum Partiebeginn um 11 Uhr anreisen. Ich selber hatte am gleichen Morgen eine nicht behebbare Autopanne und musste die Fahrt nach Uttenreuth mit dem Taxi fortsetzen. Ich traf nach viel ‚telefonischem Krisenmanagement‘ mit 20-minütiger Verspätung ein und spielte am vierten Brett etwas glücklich unentschieden. Wäre eines unserer Bretter unbesetzt geblieben, hätten wir den zum Aufstieg benötigten Sieg (4,5:3,5) nicht geschafft.“

Wie kann sich jemand, der noch nie ein Schachturnier beziehungsweise eine Runde erlebt hat, den Ablauf vorstellen?

Lochte: „Ein mehr oder weniger großer Saal mit mehr oder weniger schweigend vor sich hin brütenden Menschen....“

Wie geht es jetzt nach dem Aufstieg weiter? Welche Herausforderungen kommen auf Sie zu?

Lochte: „Wir müssen uns für die Heimspiele (Doppelwettkämpfe am Samstag/Sonntag) ein Spiellokal organisieren, das die Richtlinien der zweiten Bundesliga erfüllt. Wir könnten Sponsoren sehr gut gebrauchen, die zum Beispiel unsere Reisekosten zu Auswärtsspielen abdecken helfen – und vor allem: Wir müssen unsere Kräfte sportlich so bündeln, dass wir in der 2. Liga nicht zum Kanonenfutter werden. Der SK Weilheim bekommt es dort mit halben Profi-Teams zu tun, wir wollen selbst aber mit unserer gewachsenen Stärke antreten – auch wahrscheinliche Neuzugänge wie der ehemalige Nationalspieler Thomas Luther ist seit langem ein Freund des Vereins und bekommt keinen Legionärslohn!“

Wie lief das Turnier in Porto Mannu für den SK Weilheim?

Lochte: „Sie sind ja gut informiert! Das Turnier (diesmal war es wirklich eines über neun Runden in acht Tagen) verlief aus Sicht des SK Weilheim ganz hervorragend: Von sieben Spielern kamen sechs unter die ersten 24 (bei 115 Startern). Bester war Franz Guttenthaler auf Rang zehn, dann haben wir noch die Plätze 12, 16, 18, 22 und 24 belegt.“

Wie sehen Sie das: Welches Image hat Schach in der Öffentlichkeit?

Lochte: „Es löst sich Gottseidank allmählich von der Aura der blassen, weltfremden Intelligenzler. Schach ist Sport, auch wenn einem dabei nicht ständig die Zunge raushängt wie beim Fußball oder der Leichtathletik.“

Wo treffen Sie sich in Weilheim?

Lochte: „Spiellokal für die Mannschaftskämpfe war bislang das Gemeindehaus in Marnbach, die Jugend trainierte im Mütterzentrum. Beides ist nicht ideal hinsichtlich zentraler Lage (Marnbach) bzw. breiter Jugendarbeit. Wir denken darüber nach, einen stabilen Spielabend zu schaffen, mit eigenen, vereinsinternen oder auch offenen Turnieren. Ideal wäre meines Erachtens das Gymnasium Weilheim – Stichwort: Erweiterung des pädagogischen Angebots für die Schule, zum anderen die permanente Möglichkeit für den Verein, junge Menschen fürs Schach zu begeistern und Talente zu entdecken und zu fördern. Wir werden aufs Gymnasium und den Landkreis als dessen Träger zu gegebener Zeit zukommen, um die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit zu prüfen. Nachwuchs ist auch für einen vitalen Schachverein das A & O.“

Wie steht es beim SK Weilheim um Nachwuchsspieler?

Lochte: „Wir hatten das Glück, immer wieder echte Talente hervorzubringen – Bernhard Bayer ist schon als Zehnjähriger so eine Naturbegabung gewesen, jetzt ist er unser bester Spieler.“

Gibt es in Weilheim eine Gelegenheit bei einem Schachturnier mal zuzusehen?

Lochte: „Na klar. Wir werden es rechtzeitig kommunizieren, wo und wann unsere 2. Liga-Heimkämpfe stattfinden. Mit den Stadtwerken Weilheim, unserem ersten echten Sponsor, haben wir bereits eine Vereinbarung getroffen, dass wir in den nächsten drei Spielzeiten in deren Konferenzsälen spielen können. Und wenn das mit dem ‚stabilen Vereinsabend‘ und festen Spiellokal eines Tages auch geklappt hat, freuen wir uns auf zahlreiche Besucher und Mitspieler.“

Von Melanie Wießmeyer

Auch interessant

Meistgelesen

Eine Lehrstunde im Auwald
Eine Lehrstunde im Auwald
"Sonst wäre ich nicht mehr da"
"Sonst wäre ich nicht mehr da"
Winterzauber
Winterzauber
70 Jahre soziales Miteinander
70 Jahre soziales Miteinander

Kommentare