Interview mit Schuhmachermeister Reinhold Schlegel – Handwerker-Nachwuchs gesucht

Der Schuh passt

+
Reinhold Schlegel.

Weilheim – Reinhold Schlegel ist Schuhmachermeister aus Leidenschaft. Er hat ein eigenes Geschäft in Weilheim und organisiert die erste Weilheimer Herbsttagung des Zentralverbands des Deutschen Schuhmacher-Handwerks. Mit dem Kreisboten hat er darüber gesprochen, warum er Schuhmacher gelernt hat, warum dieses Handwerk noch immer wichtig ist und was sich beispielsweise bei der Ausbildung ändern sollte.

Wie lange sind Sie schon Schuhmachermeister?

Schlegel: „Ich bin seit 1988 Meister und seit 1990 mit einem Geschäft selbstständig.“

Warum haben Sie den Beruf des Schuhmachers gelernt?

Schlegel: „Es war Zufall. Eigentlich war ich Schlosser von Beruf. In der Fabrik wollte ich aber nicht arbeiten und dann habe ich eine Stelle als Schuhmacher gesehen und mich beworben. Vom ersten Tag an war das mein Beruf, meine Berufung. Ich würde es heute genau wieder so machen und deshalb setzte ich mich auch für das Handwerk ein.“

Wie sieht Ihr Engagement aus?

Schlegel: „Ich bin Mitglied im Zentralverband des Deutschen Schuhmacher-Handwerks, der die Interessen des Handwerks auf Bundesebene vertritt. Hier wird auch über die Richtlinien und Anforderungen der Ausbildung diskutiert. Der Zentralverband kümmert sich auch um die Vertretung bei Tarifverhandlungen und organisiert alle drei Jahre die Internationale Schuhmachertage in Wiesbaden – das ist die größte Fachmesse für das Handwerk. Einmal im Jahr findet außerdem die Tagung statt. Diesmal vom 3. bis 5. November in Weilheim.“

Worum wird es zum Beispiel bei der Tagung gehen?

Schlegel: „Es kommen etwa 40 KollegInnen und wir werden unter anderem über das Thema Ausbildungsordnung reden. Da wäre eine Veränderung gut. So sollen zum Beispiel die Schäftemacher eine gesonderte Prüfung bekommen und nicht, wie derzeit, die Prüfung der Schumacher ablegen. Außerdem fände ich es wichtig, zusätzlich zur dualen Ausbildung ein weiteres Modell anzubieten. Dabei gehen die Azubis drei Jahre in die Schuhmacherfachschule und verlassen diese mit der Gesellenprüfung.“

Wie viele Betriebe und Azubis gibt es bundesweit?

Schlegel: „In Deutschland gibt es circa 2500 Betriebe, 251 davon sind Mitglied beim Zentralverband und circa 180 Azubis – neun davon werden in Oberbayern ausgebildet.“

Was sollte man an Voraussetzungen für das Handwerk mitbringen?

Schlegel: „Eine gute Voraussetzung für den Beruf ist, wenn man kreativ ist und ein handwerkliches Geschick mitbringt. Außerdem sollte man mit Kunden umgehen können. Das sind die wichtigsten Punkte. Alles andere kann man lernen. Es besteht immer die Möglichkeit sich zu spezialisieren, zum Beispiel im Bereich Orthopädie. Schuhmacher ist ein sehr abwechslungsreicher Beruf, der auch in Zukunft noch gebraucht wird.“

Wie steht es um die Zukunft des Handwerks – was hat sich geändert, was sollte sich ändern?

Schlegel: „Das Schuhmacher-Handwerk wird es weiter geben, es geht nicht unter. Auch in seiner Art ist das Handwerk, im Vergleich zu anderen Berufen, gleich geblieben. Materialien und Handgriffe verändern sich kaum, die Technik der Schuhherstellung ist ausgereift. Was sich geändert hat, sind die Werkzeuge und manche Anforderungen, wie das Reparieren von Sneaker. Man muss mit der Zeit gehen. Was sich ändern sollte, weil es ein Problem darstellt, ist der Altersdurchschnitt in der Berufsgruppe. Uns fehlt es an Nachwuchs. Das liegt nicht daran, dass die jungen Leute kein Interesse an der Ausbildung hätten. Die Betriebe müssen ihnen die Möglichkeit zur Ausbildung und Aussicht auf eine Arbeitsstelle bieten.“

Vielen Dank für das Gespräch.

Von Melanie Wießmeyer

Auch interessant

Meistgelesen

Unternehmer mit Vorbildcharakter
Unternehmer mit Vorbildcharakter
Alles in einem Schwung
Alles in einem Schwung
Glück im Unglück
Glück im Unglück
Glück im Unglück
Glück im Unglück

Kommentare