Simon Sterzer wurde mit dem Frühschoppen auf Radio Oberland groß – Heute moderiert er ihn selbst

Ein Leben voller Musik

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Simon Sterzer ist privat und beruflich mit der Blasmusik eng verbandelt.

Landkreis – Seit April dieses Jahres moderiert Simon Sterzer als Nachfolger von Alfred Sperer den Frühschoppen auf Radio Oberland. Wie sich das ergeben hat, wodurch der 23-Jährige zum Radio kam und wie die Hörer auf ihn reagiert haben, hat er im Interview mit Kreisbotenvolontärin Sofia Wiethaler verraten.

Warum haben Sie sich für eine Laufbahn beim Lokalradio entschieden?

Sterzer: „Das war ganz witzig. Nach meinem Abitur 2013 wollte ich eigentlich Brauwesen und Getränketechnologie studieren. Dafür musste ich ein sechswöchiges Praktikum absolvieren. Dabei habe ich nach zwei Tagen schon gemerkt, dass das doch nichts für mich ist. Damals wurde auch eine Ortsaktion von Radio Oberland durchgeführt, bei der mitunter mein Opa, der zu dieser Zeit Bürgermeister von Oberhausen war, interviewt wurde. So bin ich dann auf die Idee gekommen, dort ein Praktikum zu machen. Danach habe ich mich dann als Volontär beworben. So bin ich durch Umwege beim Radio gelandet.“

Wie lange arbeiten Sie schon bei Radio Oberland?

Sterzer: „Das Praktikum mit eingerechnet seit vier Jahren.“

Sie haben auch in Ihrem Privatleben viel mit Blasmusik zu tun. In welchen Musikgruppen sind Sie vertreten?

Sterzer: „Ich bin bei den Oberhauser Musikanten, bei Blech-

pfiff, dem Duo San Zwoa und bei den Südböhmischen. Was die Instrumente anbelangt spiele ich Gitarre, Tuba und E-Bass. Außerdem singe ich.“

Wie hat es sich ergeben, dass Sie beim Frühschoppen die Nachfolge von Alfred Sperer angetreten haben?

Sterzer: „Ich bin mit dem Frühschoppen aufgewachsen. Als Alfred aufhören wollte, da er es zeitlich nicht mehr mit seiner Familie vereinbaren konnte, hat er mich angerufen. Ich habe nicht gleich ‚Hurra‘ gerufen. Ich wusste, dass ich ihn nicht einfach ersetzen kann,sondern die Sendung – wenn – auf meine Art gestalten muss. Alfred ruft mich aber noch ab und zu an und sagt mir, was gut war oder was ich verändern könnte.“

War es für Sie schwierig, den Frühschoppen weiterzuführen?

Sterzer: „Es ist einfach anders. Zum Beispiel war für mich gleich klar, dass ich zuhause bayrisch und beim Radio hochdeutsch spreche. Beim Frühschoppen habe ich dann aber auch bayrisch gesprochen, was erst eine Umstellung war und deswegen unnatürlich klang. Daher habe ich anfangs auch Whatsappnachrichten bekommen, wie ‚Wenn man es nicht kann, sollte man es lassen‘. Jetzt ist es zwar besser, ich brauche aber trotzdem immer so 15 Minuten, um rein zu kommen.“

Wie waren die Reaktionen der Hörer?

Sterzer: „Die waren überwiegend positiv. Zumindest habe ich nichts bekommen, bei dem ich sagen würde: ‚Da geh ich jetzt weinend nach Hause.‘ Es rufen zwar weniger Leute in der Sendung an als bei Alfred, sowas muss sich aber auch erst aufbauen. Ein kleiner Vorteil ist, dass ich in der Blasmusikszene im Landkreis Weilheim-Schongau viel unterwegs bin. Im südlichen Oberland kennen mich aber nicht so viele Leute, da ich dort nicht so oft auftrete.“

Wie würden Sie das Image der Blasmusik beschreiben?

Sterzer: „Der Stellenwert ist in den letzten Jahren sehr stark gewachsen. Blasmusik ist wieder top in. Das merkt man auch daran, dass es mehr Festivals dafür gibt. Ich war dieses Jahr zum Beispiel auf dem ‚Woodstock der Blasmusik‘. Dort waren circa 40 000 Leute – das ist schon krass. Bei meinen Auftritten in Bierzelten merke ich auch, dass das Publikum total bunt gemischt ist. Daher würde ich sagen, dass das Image sehr gut ist.“

Wie ist der Altersdurchschnitt Ihrer Hörer beim Frühschoppen?

Sterzer: „Das ist ganz schwierig zu sagen, da Blasmusik inzwischen bei Jung und Alt in ist. Außerdem kommt die Sendung zu einer Zeit am Sonntag (10 bis 13 Uhr), in der die durchschnittliche bayrische Familie auch zusammen am Tisch sitzt und sich den Frühschoppen anhört. Wobei die Anrufer doch eher älter sind. Ich habe eine witzige Hörerin, die, glaube ich, aus einem Altersheim anruft. Sie sagt immer ‚Gut gmacht Herr Sterzer, weiter machen‘ und legt danach auf. Das ist meistens in der letzten Stunde der Sendung.“

Was war Ihr schlimmster Versprecher?

Sterzer: „Versprecher gibt es jede Menge, aber meistens bekommen das die Hörer nicht mit, da es natürlich klingt. Einen großen Versprecher gab es aber. Es ging um eine Moderation zum Thema ‚Demonstration gegen Terror‘ und ich hatte zuvor die Tourismuszahlen ausgewertet. Also habe ich die komplette Moderation über ‚Demonstration gegen den Tourismus‘ gesprochen. Mir selbst ist das gar nicht aufgefallen, ich wurde erst durch einen Kollegen darauf aufmerksam. Darauf bekamen wir viele Hörerreaktionen, die meisten waren aber auch positiv. Es hat niemand gesagt ‚Mensch ihr Pfeifen könnt euren Job nicht‘.Die fanden das eher witzig.“

Eine Frage noch: Wie geht es Ihrer Schildkröte, die 2014 bei der Fußballweltmeisterschaft als Radio Oberland-WM-Orakel fungiert hat?

Sterzer: „Ah – der geht es gut. Sie ist ordentlich gewachsen, damals war sie ja noch ganz klein. Vielleicht brauchen wir Schildinho nächstes Jahr ja wieder. (lacht).

Vielen Dank für das Gespräch.

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