Udo Mayr, Inhaber von Taxi Liensdorf, über seinen vielseitigen Beruf

Vom Beichtvater bis zum Nothelfer

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Taxifahrer Udo Mayr an seinem Arbeitsplatz.

Weilheim/Region – Des einen Beichtvater, des anderen Getränkelieferant – aber vor allem eins, immer da, wenn man ihn braucht: Der Taxifahrer. Udo Mayr, Inhaber des Weilheimer Taxidienstes Liensdorf, hat mit Kreisbotenvolontärin Sofia Wiethaler über seinen facettenreichen Beruf gesprochen.

Sie arbeiten nun seit einem Jahr als selbstständiger Taxifahrer, wie sind Sie dazu gekommen?

Mayr: „Ich habe zuvor 20 Jahre als Reise- und Linienbusfahrer bei einer Firma gearbeitet. Dort war ich unter anderem auch in der Werkstatt tätig. Dann habe ich nach einer neuen Herausforderung gesucht und die Selbstständigkeit war eine Möglichkeit. Zuerst hatte ich vor, mich mit einem kleineren Bus selbstständig zu machen, weswegen ich neben der Fachkundeprüfung für Taxi- und Mietwagenunternehmer auch die Fachkundeprüfung für Omnibusunternehmer gemacht habe. Dann bin ich zusammen mit meiner Frau aber auf eine Anzeige gestoßen, in der ein Taxibetrieb zum Verkauf stand. Da die Familie Liensdorf sehr aufgeschlossen war und der Betrieb mit einer Taxe genau die Größe hatte, die ich mir vorgestellt habe, dachten meine Frau und ich uns: ‚Das probieren wir‘.“

Welche Voraussetzungen muss man für Ihren Beruf erfüllen?

Mayr: „Die erste Voraussetzung ist ein Führerschein. Den kann man um einen Personenbeförderungsschein erweitern, für den man einen Gesundheitscheck und einen Reaktions- und Merktest machen muss. Auch wird ein polizeiliches Führungszeugnis verlangt und bei der Verkehrssünderkartei nachgefragt. Dieser Schein gilt nur fünf Jahre und bemächtigt denjenigen, einen Mietwagen zu fahren. Erst nach Ablegung einer Ortskundeprüfung darf man in dem abgefragten Gebiet dann auch Taxi fahren. Dadurch, dass ich selbstständig bin, musste ich auch eine Unternehmerprüfung bestehen. Diese habe ich wie schon gesagt für Taxen und Busse.“

Wie sind Ihre Arbeitszeiten?

Mayr: „Die sind ein bisschen variabel und richten sich nach den Wünschen der Kunden. Grundsätzlich bin ich aber montags und mittwochs am Tag unterwegs, sowie dienstags und donnerstags am Tag und am Abend. An Freitagen und Samstagen fahre ich am Abend, in der Nacht und am Morgen Taxi. Regelmäßige Zeiten sind wichtig, damit sich die Kunden daran orientieren können.“

Was war die verrückteste Fahrt, die Sie je hatten?

Mayr: „Ich habe einmal einen Asylbewerber, der neben Koffer und Tasche drei prall gefüllte Müllsäcke dabei hatte, zu einem Rathaus gefahren. Er wusste nicht genau, wo er hin musste und zeigte mir daher den Brief der Behörde. Dort stand, dass er bei dem Rathaus seinen ‚Titel‘ bekommen sollte. Er wollte dort unbedingt hin, obwohl es nachmittags war und ich schon befürchtete, dass dort kein Parteienverkehr mehr sein würde. Genauso kam es: wir standen vor verschlossenen Türen. Es schneite leicht und der Mann war etwas aufgelöst, weil er nicht wusste wohin. Das Taxi wollte er nicht so recht verlassen. Der Weg zur Polizei wäre zu weit gewesen, deshalb rief ich als Erstes bei den Pfarrämtern an. Dort erreichte ich aber niemanden. Dann kam mir der Einfall, dass der Bürgermeister etwas wissen könnte. Über mein Smartphone fand ich seine Nummer und erreichte seine Frau. Sie ging freundlich ans Telefon, hörte verständnisvoll zu, erbat sich ein wenig Zeit und versprach mich zurück zu rufen. Das tat sie auch und ermöglichte uns so den Zutritt zum Rathaus. Die dortigen Mitarbeiter einer anderen Abteilung konnten zwar beim ‚Titel‘ nicht weiter helfen, aber sie wussten, wo mein Fahrgast erst mal unterkommen könnte. Also brachte ich ihn mit seinem Hab und Gut zu einem Haus, in dem auch andere Asylbewerber untergebracht waren. ‚Gleich direkt beim Bürgermeister anrufen, so etwas kann ja nur Dir einfallen‘, sagte meine Frau Ursula damals zu mir. Im Taxibereich ist die Bandbreite an Fahrten aber generell sehr groß. Das geht von abendlichen Getränkelieferungen bis dahin, dass man jemanden vom Wocheneinkauf abholt.“

Wurde ein Fahrgast Ihnen gegenüber schon einmal aggressiv?

Mayr: „Nein, das nicht. Wenn ich am Telefon aber merke, dass jemand stark alkoholisiert ist, empfehle ich ihm, es in einer halben Stunde nochmal bei mir zu versuchen, wenn es ihm besser geht. Es bringt ja schließlich auch nichts, wenn ihm im Taxi übel wird. Als Taxifahrer habe ich grundsätzlich eine Fürsorgepflicht. Das bedeutet: Wenn ich jemanden nachts heim fahre und derjenige nicht mehr so fit ist, muss ich schauen, dass er sicher nach Hause kommt. Ich kann ihn also nicht zwei Kilometer vor seinem Haus entfernt raus lassen, auch wenn das viele wollen, um Kosten zu sparen.“

Mussten Sie schon mal eine Fahrt abbrechen?

Mayr: „Nein. Nachts gibt es aber eine andere Problematik. Oft werde ich angefordert, wenn ich aber vor Ort bin, ist kein Fahrgast mehr da und die Person geht nicht mehr ans Handy. Es ist auch schon vorgekommen, dass eine Clique von drei Leuten drei verschiedene Taxidienste angerufen hat und in das erste Auto, das da war, eingestiegen ist, den anderen Taxen aber nicht abgesagt hat. So etwas ist natürlich wegen des verfahrenen Sprits ärgerlich, aber vor allem, weil ich Kunden, die zur gleichen Zeit wirklich und oft dringend ein Taxi brauchen, enttäuschen muss. “

Was war ihr positivstes Erlebnis?

Mayr: „Ich habe viele positive Fahrten. Schön ist es, wenn ich an den Reaktionen der Gäste merke, dass sie gerne wieder mit mir fahren würden. Solche Kunden warten dann auch auf mich, selbst wenn ein anderer Fahrer schon vor Ort ist. Inzwischen gibt es viele Menschen, die ‚ihren‘ Taxifahrer haben und möglichst mit ihm fahren wollen. “

Haben Sie Stammgäste?

Mayr: „Ja, ich habe wie meine Kollegen Stammgäste. Taxifahren ist etwas Persönliches, da man auf engem Raum recht nah beieinander sitzt. Genauso haben ich und meine Kollegen bestimmte Nachtlokale, die uns anrufen, wenn sie einen Fahrgast haben. Das Gute in Weilheim ist, dass die Taxifahrer sich untereinander helfen. Wir geben Fahrten an den Anderen weiter, wenn wir sie selbst nicht machen können. Das Miteinander ist wirklich positiv.“

Wie ist Ihr Resümee nach einem Jahr in diesem Gewerbe?

Mayr: „Positiv. Dadurch, dass ich lange als Fahrgast im Taxi mitgefahren bin, hatte ich aber auch schon eine ungefähre Vorstellung von dem Beruf.“

Wie funktioniert Ihre Arbeit als Ein-Mann-Unternehmen?

Mayr: „Wenn es irgendwie funktioniert, gehe ich ans Telefon. Ansonsten rufe ich die Kunden zurück. Wenn ich eine Fahrt nicht machen kann, vermittle ich entweder direkt an einen anderen Taxidienst oder gebe dem Kunden die Nummer.“

Wie lässt sich Ihr Beruf mit Ihrem Privatleben vereinbaren?

Mayr: „Besser als mit meinem Letzten. Das ist aber auch eine generelle Berufsentscheidung, die man vorher trifft. Ich weiß ja zum Beispiel im Vorfeld, dass ich bei diesem Beruf nicht jedes Wochenende frei habe.“

Sie sagten vorher, dass Taxifahren etwas Persönliches ist.

Mayr: „Ja, je öfter man eine Person fährt, desto persönlicher kann es werden. Wie persönlich, das entscheidet der Fahrgast. Für diese bin ich teilweise Beichtvater und Psychologe. Manche suchen einen unabhängigen Rat, manche erzählen mir etwas, weil sie es los werden wollen – wichtig ist dabei nur eins: Was im Taxi passiert bleibt auch dort.“

Vielen Dank für das Gespräch.

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