150 Jahre Deutsch-Italienische Vereinigung: Ausstellung zeigt italienische Bergwerksarbeiter

Familiengeschichten zum Ansehen

+
Kamen gerne zur Ausstellung: Gennaro und Nuccia Gigliotti, Giovanna Cocopardo, Teresa Gigliotti und Maria Stabile gaben den Besuchern einen kleinen Einblick in die Zeit, als sie nach Peißenberg kamen.

Peißenberg – Seit einer Woche können Besucher die Fotoausstellung von Commendatore Cavaliere Antonio Tortorici im Foyer der Tiefstollenhalle begutachten. Der Deutsch-Italienische Kulturverein „Azzuro-bianco“ e.V. Peißenberg lud den Ausländerbeauftragten aus Memmingen ein, um seine Fotos, die er gesammelt hat, auszustellen. In einem Teil der vielen Bilder steckt für einige Peißenberger viel Familiengeschichte. Denn der Titel der Ausstellung heißt „Die ersten italienischen Gastarbeiter in Peißenberg“. 


Einer dieser ersten Gastarbeiter war Michele Gigliotti. Im Jahr 1967 kam er nach Peißenberg und versuchte zuerst im Bergwerk zu arbeiten. „Doch es hatte ihm dort nicht gefallen. Mein Vater war Zimmermann von Beruf und hatte dann auch eine Stelle in Peißenberg gefunden“, erzählte Nuccia Gigliotti, Tochter von Michele, an der Ausstellungseröffnung. Sie erinnert sich noch sehr gut daran, als sie das erste Mal nach Deutschland kam. „Ich war drei Jahre alt und ich konnte mir nicht vorstellen, dass es hier kein Meer gab,“ erinnert sie sich zurück und lächelt dabei. Nuccia lernte im Kindergarten die deutsche Sprache und kam in die Grundschule. „Dann schickte mich mein Vater wieder nach Italien. Er wollte nicht, dass ich unsere Muttersprache vergesse“, sagte sie. Nach der fünften Klasse kam Nuccia wieder zurück und machte ihre Ausbildung. Heute ist sie die Hortleiterin der Montessori Schule in Peißenberg. Ihr Vater arbeitete als Zimmermann, bis er 1985 in Rente ging. 1990 zog der Italiener mit seiner Farau nach Calabrien, wo er vor fünf Jahren verstarb. Nuccia hat noch vier weitere Geschwister. Zwei von ihnen, Gennaro und Teresa Gigliotti, wohnen auch in Peißenberg. Die anderen beiden sind in München und Italien. 

Maria Stabile kam vor genau 50 Jahren nach Peißenberg. „Ich kam am Bahnhof an und derjenige, der mich hätte abholen sollen, kam nicht. Dann stand ich da und wusste nicht wohin“, erzählte die temperamentvolle Italienerin. Sie würde aber nicht mehr in ihr Heimatland gehen. „Ich liebe Deutschland. Ich bin hier sehr zufrieden“, sagte Maria Stabile. Nach drei Wochen Urlaub will sie so schnell wie möglich wieder zurück. „Danke an die Menschen, die mir am Anfang geholfen haben.“ Die Sprache zu lernen war nicht immer sehr einfach. „Ich fuhr mit dem Rad in die Arbeit und es war bitterkalt. Die Polizei hielt mich auf, da ich meinen Bruder am Gepäckträger hatte. Das durfte ich nicht. Dann musste ich mein Rad in die Arbeit schieben. Als ich angekommen war, waren meine Füße voller Blasen!“ Sie musste weinen und da sie kein deutsch konnte, war es für ihre Kollegen schwer, sie zu verstehen. Irgendwann kam auch ihr damaliger Chef hinzu und sie sagte nur „Leck mich am Arsch!“ Das war der einzige „Satz“, den die Italienerin damals konnte. Ein lautes Lachen erfüllte das Foyer. „Als mein Mann mir erklärte, was das bedeutete, war es mir so peinlich. Ich bin immer gebückt an meinem Chef vorbeigelaufen“, erzählte Stabile. Auch Giovanna Cocopardo ist schon lange in Peißenberg, aber sie möchte nicht mehr zurück. Ihre Kinder sind hier fest verwurzelt und sie sieht daher keinen Grund Peißenberg zu verlassen. 

Tortorici führte die Besucher von Bild zu Bild und erklärte auch etwas zu den Menschen auf den Fotos. Aufmerksam und interessiert hörten ihm auch die 20 Besucher zu und stellten auch noch einige Fragen.

Wer Zeit hat und ein bisschen in die Geschichte der Italiener in Peißenberg eintauchen möchte, kann sich die Ausstellung im Foyer noch eine Woche zu den Öffnungszeiten des Bergbaumuseums ansehen.                                                                                                                                                                                           Von Alma Jazbec

Meistgelesen

Weilheimer Gesundheitstag
Weilheimer Gesundheitstag
Made in Weilheim
Made in Weilheim
Mutig, witzig, weise – und über 100
Mutig, witzig, weise – und über 100
Neue Fassade für den Zentralbau
Neue Fassade für den Zentralbau

Kommentare