Tage in Peißenberger Klinik sind gezählt

140-jährige Ära geht zu Ende

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Am Bett von Angela Schleimer im Überwachungszimmer: Chefarzt Dr. Wilhelm Fischer, Oberarzt Claus Holm und GmbH-Geschäftsführer Thomas Lippmann (v. li.) erkundigen sich bei der wohl letzten Patientin in Peißenberg nach ihrem Befinden.

Peißenberg – Aufbruchstimmung im Peißenberger Krankenhaus: Ende Januar gehen in der Inneren Medizin die Lichter aus. „Am 1. Februar ist die Krankenhaus GmbH hier raus“, sagt Geschäftsführer Thomas Lippmann.

Chefarzt Dr. Wilhelm Fischer siedelt mit der Inneren Station nach Schongau um, wo er seit 1. Oktober 2015 als Ärztlicher Direktor die Leitung übernommen hat (wir berichteten). In der Schongauer Klinik werden sämtliche bisher in Peißenberg angebotenen Spezialbehandlungen, wie bei COPD, einer lebensbedrohlichen chronischen Lungenkrankheit, nahtlos fortgesetzt. Gerätschaften und weiteres Inventar wurden bereits transferiert. Auch vier Telemetrieplätze sind mit nach Schongau umgezogen: Ein Zentralmonitor stellt die lückenlose Überwachung der Patienten sicher, so dass sie sich auf der „normalen“ Station frei bewegen können. Mit „offenen Armen“ seien die Peißenberger an ihrer neuen Arbeitsstätte aufgenommen worden, versicherte Dr. Fischer am Montag bei einem Treffen.

Die Notfallaufnahmen an den Klinikstandorten Weilheim (160 Betten) und Schongau (180 Betten) stehen nach wie vor allen Bürgern offen – Lippmann: „das kostet viel Geld“ – und die Intensivmedizin wird an beiden Standorten um jeweils fünf bis sechs Betten aufgerüstet, kündigte der GmbH-Geschäftsführer an. Ab 1. März wird das Schongauer Team noch um einen Lungenfacharzt verstärkt. Der frühere Ärztliche Direktor Dr. Andreas Eder, der unweit vom Krankenhaus eine eigene Praxis eröffnet hat, wird an der Schongauer Klinik weiterhin „ein bis zwei Tage in der Woche“ endoskopische Untersuchungen durchführen.

„Wir wollen uns breiter aufstellen und den beiden kommunalen Krankenhäusern eine Zukunft geben mit guter Medizin“, lautet Lippmanns Devise. Dabei ist ihm die Botschaft wichtig, „dass Peißenberg nicht geschlossen, sondern umgesiedelt wird“ und die Versorgung der Bevölkerung gesichert bleibt. „Das Herz eines Krankenhauses“, so Lippmann weiter, „sind die Mitarbeiter, die sich um die Patienten kümmern. Und die sind geblieben.“

Patienten aus Peißenberg, die mit der Bahn nach Schongau fahren, bietet die GmbH in der Übergangszeit vom Bahnhof zur Klinik einen kostenlosen Taxitransfer an.

Von der 50-köpfigen Peißenberger Belegschaft wechseln zwei Drittel nach Schongau, ein Drittel nach Weilheim. „Eine Handvoll Mitarbeiter“ haben einen neuen Arbeitgeber gefunden; Kündigungen wurden nicht ausgesprochen.

Den Erhalt der Kliniken Weilheim und Schongau sieht Lippmann aber noch lange nicht gesichert. „Der Kampf geht weiter“, kommentierte er Bestrebungen der Gesundheitspolitik, die Bevölkerung künftig in medizinischen Fachzentren zu versorgen. Das ginge zu Lasten kleiner Kliniken mit weniger als 200 Betten.

Was mit den leer gewordenen Räumlichkeiten in Peißenberg geschieht, ist noch offen: Die Bundesknappschaft, auf die das Haus zurückfällt, wenn es nicht mehr als Akut-Krankenhaus geführt wird, und das Landratsamt „sind im Gespräch, um Verwendungsmöglichkeiten abzutasten“, so Lippmann. Ein Teil der Räume ist vermietet und wird unter anderem von der Ökumenischen Sozialstation und den Lech-Mangfall-Kliniken genutzt, die hier eine psychiatrische Tagesklinik unterhalten.

Seit Dezember 2015 implantiert Dr. Fischer in Schongau bereits Herzschrittmacher, Anfang 2016 wurde er dort zum Chefarzt für die Innere Medizin bestellt. Der Abschied aus Peißenberg, wo er „in familiärer Atmosphäre“ über 31 Berufsjahre verbracht hat, fällt ihm ebenso schwer wie dem Leitenden Oberarzt Claus Holm, der hier 27 Jahre praktizierte. Der Umzugsstress lässt ihnen aber wenig Zeit zum Nachdenken. Fischer vergleicht die derzeitige Situation „mit einem Trauerfall“. Kollege Holm wird am 31. Januar in der Klinikkapelle eine Kerze anzünden, bevor er in seinem Zimmer „das Licht ausmacht“.

Maria Hofstetter

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