"Schulpionier" mit rundem Jubiläum

Montessorischule Peißenberg gratuliert einstigem Schulleiter Kristian Prade zum 80. Geburtstag

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Die Schulleitung, ehemalige Kollegen und die Schülersprecher gratulierten Kristian Prade (vorne sitzend) zu seinem 80. Geburtstag.

Peißenberg – Heuer feiert die Montessorischule ihr 30-jähriges Gründungsjubiläum. Ein Mann, der in den 1980er Jahren maßgeblich am Aufbau der Schule beteiligt war, ist Kristian Prade. Der ehemalige Schulleiter feierte kürzlich seinen 80. Geburtstag. Für die Montessorischule war es eine Herzensangelegenheit, ihrem „Pionier“ zum persönlichen Jubiläum zu gratulieren – denn Prade hat Spuren hinterlassen.

„Du hattest Ideen und die Gabe, ein Allrounder zu sein“, lobte die aktuelle Schulleiterin, Almuth Angele, bei einer kleinen Feier Prades großes Engagement. Er sei Schulleiter, Lehrer und Hausmeister in einem gewesen – „das alles ohne Stundenermäßigung“, wie Angele betonte: „Das wäre heute unvorstellbar.“

Prade hat Anfang der 1990er Jahre zunächst die Grund- und dann die Mittelschule aufgebaut. Vorbilder, Rahmenpläne oder Unterrichtsmaterialien für die Montessori-Pädagogik gab es damals so gut wie keine. Prade entwarf eigene Konzepte und stellte die individuellen Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen in den Mittelpunkt – ohne strenge Vorgaben durch Lehrpläne. Genau die hatte der Vater von drei Kindern während seiner Zeit an einer staatlichen Hauptschule erlebt: „Das war für mich wie ein Gefängnis“, erzählt Prade. Obwohl bereits verbeamtet kündigte er den Schuldienst, absolvierte eine Schreinerausbildung, jobbte als Surflehrer auf Korsika und kehrte zu seiner Leidenschaft, dem Pädagogenberuf, zurück – allerdings im Rahmen der Montessori-Didaktik. „Ich war sofort davon begeistert“, erinnert sich Prade.

Die Begeisterung ging aber auch in die andere Richtung: „Die Kinder haben Dich geliebt“, erklärte Angele in ihrer „Geburtstagsrede“. Prade sei ein „begnadeter Erzähler und Texteschreiber“ gewesen. Noch heute würden seine selbst verfassten Schriften über die Steinzeit im Geschichtsunterricht verwendet. In Erinnerung seien auch sein „Auge für Ästhetik“ und die von „Privatheit geprägten“ Elternabende geblieben. Prade selbst erzählte von den turbulenten Anfängen der Montessorischule: Eigentlich habe man 1989 in Weilheim starten wollen. Dort sei bereits eine Immobilie angemietet worden. Doch dann habe die Stadt Weilheim einen Rückzieher gemacht und den Vertrag gekündigt. „Die katholische Kirche hatte interveniert und gesagt: „Da kommt eine Sekte“, berichtet Prade noch heute kopfschüttelnd: „Weilheim war damals politisch so schwarz, da hatten wir keine Chance.“

Nach einem kurzen Intermezzo in Polling fand die Montessorischule in Peißenberg ihre Heimat. Heute zählt sie über 300 Schüler. Nach seinem Renteneintritt hat sich Prade noch ein paar Jahre um die Werkräume gekümmert. „Das war schon früher immer sein Lieblingsplatz“, so Angele. Seit einem schweren Verkehrsunfall ist Prade gesundheitlich angeschlagen: „Ich wäre noch heute stundenweise an der Schule, wenn der Unfall nicht passiert wäre“, sagt der „Schulpionier“ wehmütig.

Von Bernhard Jepsen

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