Was "Weilheimer Festspiele" und Förderverein im Jubiläumsjahr vorhaben, lesen Sie im Interview

20 Jahre Weilheimer Theaterkultur

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„Wir arbeiten eng zusammen.“ Fördervereinsvorsitzende Ragnhild Thieler und Festspielkoordinator Andreas Arneth.

Weilheim – Die „Weilheimer Festspiele“ und die „Freunde des Weilheimer Theaters“ feiern heuer unter dem Dach des städtischen Kulturprogrammes ihr 20-jähriges Bestehen.

Was die Theaterbesucher im Jubiläumsjahr erwartet, verrieten Festspielkoordinator Andreas Arneth und Ragnhild Thieler, Vorsitzende des Fördervereins, im Gespräch mit Redaktionsleiterin Maria Hofstetter.

Das Publikum ist schon gespannt, was zum 20-Jährigen der „Weilheimer Festspiele“ an Kulturgenuss geboten wird...

Arneth: „Bei den vier Theaterstücken handelt es sich um zwei Gastspiele und zwei Eigenproduktionen. Uns war wichtig, mit Protagonisten der ersten Stunde, wie Regisseur Michael Bleiziffer und Schauspieler Martin Hofer, zu arbeiten. Das Turmtheater Regensburg und das Theater Regensburg sind mit exzellenten Aufführungen von Anfang an dabei. In ‚Krach im Hause Gott‘ (von Felix Mitterer, 16./17. März) und Samuel Becketts ‚Endspiel‘ (17./18. Mai) geht es mit tiefgründigen und sehr komischen Texten um die Frage des Endes: sowohl auf Erden, als auch im Himmel.

Bei den Festspielen wiederholen wir, womit wir 1999 angefangen haben: Mit ‚Der Brandner Kaspar und das ewig‘ Leben‘ in der Hochlandhalle (18. Oktober bis 2. November) schließt sich damit ein Kreis. Zum Jahresende ist Heiterkeit angesagt mit der Komödie ‚Die Feuerzangenbowle‘ (von Heinrich Spoerl, 13. bis 31. Dezember).“

Sie setzen also auf Bewährtes?

Arneth: „Wir müssen das Theater füllen. Weilheim ist keine Großstadt. Zehn bis 20 Prozent der Bürger im Oberland sind an Theater interessiert. Die hoffen wir mit einer Wiederholung unserer größten Erfolge zu erreichen.“

Thieler: „Bei uns bekommt das Publikum immer tradtionelles, gutes Theater geboten.“

Arneth: „Theater ist klassisch und zeitlos, wir können es immer neu inszenieren. Dabei muss man sich bewähren.“

Mit einer Galaveranstaltung wird das Jubiläum im September in der Hochlandhalle gefeiert. Können Sie schon Details nennen?

Arneth: „Es soll ein Abend der Erinnerung werden mit allen, die seit 20 Jahren dabei sind: Schauspieler, Musiker, Ehrenamtliche... Wegen der Menge der Gäste wird es eine geschlossene Veranstaltung sein.“

Die letzten 20 Jahre Weilheimer Theatergeschichte werden in einer Ausstellung dokumentiert. Was erwartet die Besucher dort?

Arneth: „Fotos und Kritiken werden gezeigt, ein Teil wird der Geschichte des Stadttheaters gewidmet. Stadtarchivar Dr. Joachim Heberlein ist in die Vorbereitungen eingebunden. Die Ausstellung soll in die Oberlandausstellung integriert und dort eröffnet werden. Danach wird sie im Stadttheater zu besichtigen sein.“

Wie ist es um die Finanzierung bestellt?

Arneth: „Die Stadt Weilheim stellt 2019 für das komplette Kulturprogramm 230 000 Euro zur Verfügung. Wegen des Jubiläums habe ich diesmal 30 000 Euro mehr beantragt. Etwa für die Ausstellung oder für die Musiken in den Theaterproduktionen. Gut die Hälfte des städtischen Zuschusses – das schaffen wir zuverlässig seit 20 Jahren – fließt mit den Einnahmen wieder an die Stadt zurück. Der Bezirk Oberbayern bezuschusst uns über den Lore-Bronner-Preis und die überregionale Kulturförderung mit circa 15 000 Euro. Ein weiterer Zuschuss kommt von der Sparkasse Oberland.“

Gibt es Ideen, mehr junges Publikum fürs Theater zu begeistern?

Arneth: „Wir können keinen Theaterpädagogen beschäftigen wie größere Theater. Eine wirklich wichtige Maßnahme neben Schulvorstellungen ist, die Jugend mit ihren Tanzschulen und Schultheaterprojekten im Theater kreativ sein zu lassen. Dort lernen sie Theater kennen. Junge Eltern sind dagegen schwer zu erreichen, weil sie daheim vom Nachwuchs gebraucht werden.“

Wann und wo startet der Kartenvorverkauf?

Arneth: „Ab 7. Februar können Stammkunden ihr Abo verlängern und ab 14. Februar Neukunden ihr Abo buchen. Zeitgleich startet der Verkauf für beide Gastspiele. Tickets für die Festspiele gibt es ab Mitte August beim Kreisboten in der Sparkasse am Marienplatz und im Veranstaltungsbüro.“

Auch die „Freunde des Weilheimer Theaters“ konnten seit 1999 prominente Künstler für eine Lesung in Weilheim gewinnen. Womit starten sie ins Jubiläumsjahr?

Thieler: „Die Besucher wissen unsere Lesungen mit anschließendem Büfett zu schätzen. Die erste Veranstaltung startet am 10. Februar mit dem renommierten Schauspieler-Ehepaar August Zirner und Katalin Zirner-Zsigmondy und ihrer szenischen Lesung „Judith“ von Friedrich Hebbel. Beide waren schon hier und kommen gerne wieder nach Weilheim.

Am 23. März tritt das ‚Salonorchester Concerto Weilheim‘ im Stadttheater auf, das sind professionelle Künstler aus Weilheim, die auch im Ausland tätig sind. Im Herbst hoffen wir auf ein Wiedersehen mit Schauspielerin Adele Neuhauser. Sie ist allerdings sehr beschäftigt, wir müssen uns nach ihrem Drehplan richten.“

Arneth: „Es gefällt mir, dass wir so prominente Persönlichkeiten nach Weilheim holen, die man kennt.“

Thieler: „Wir bekommen viele Anfragen von Künstlern. Monika Baumgartner wollte Weilheim bei ihrem letzten Besuch gar nicht mehr verlassen. Als wir die ‚Opern auf Bayrisch‘ nach Weilheim holten, war die Stadthalle jedesmal ausverkauft.“

Wie viele Mitglieder hat der Verein und wie ist die Altersstruktur?

Thieler: „Circa 70 Mitglieder. Die mittlere Generation fehlt. Es ist nicht einfach, aktive Mitgliedder zu bekommen. Interessierte sind eingeladen, bei unserem Stammtisch, jeden ersten Mittwoch im Monat ab 19.30 Uhr im Allgäuer Hof, vorbeizuschauen, um etwas über die Kultur in Weilheim zu erfahren.“

Wie finanziert der Verein sein Programm?

Thieler: „Ausschließlich mit Einnahmen aus den Lesungen und zusätzlichen Veranstaltungen. Wir haushalten gut, sonst könnten wir uns so viel Kultur nicht leisten.“

Gibt es noch Verbesserungsbedarf.... und Wünsche?

Thieler: „Traditionelles ist wichtig, aber wir wollen uns auch dem Modernen öffnen und überlegen, nächstes Jahr ganz junge Künstler einzuladen. Kann sein, dass die Jugend trotzdem nicht kommt...“

Arneth: „Ja, die Weichenstellung geht in diese Richtung. Und wir müssen alles daran setzen, die Qualität zu halten mit den verfügbaren finanziellen Mitteln. Auf der Agenda steht auch, die Festspiele verstärkt in den sozialen Medien zu präsentieren. Der Druck ist da.“

Thieler: „Als langjährige Kulturreferentin und Vorsitzende des Fördervereins geht es mir nicht darum, dass wir uns feiern. Das Theater hatte bereits nach dem Krieg mit der Lore-Bronner-Bühne großen Erfolg in Weilheim. Mit Trantow und Noelte wurde eine Türe aufgestoßen und wir haben die Möglichkeiten, die sich ergeben haben, genutzt. Wir danken allen Kulturinteressierten, dass sie uns so lange die Treue halten. Und dem Stadtrat, dass er voll hinter unserem Kulturprogramm steht, an dessen Gestaltung die ‚Freunde des Weilheimer Theaters‘ mitbeteiligt sind.“

Vielen Dank für das Interview.

Vom Theatersommer zu den Festspielen:

Schauspielerin Cordula Trantow hatte 1988 den „Weilheimer Theatersommer“ gegründet – auch dank ihres Ehemannes Regisseur Rudolf Noelte standen renommierte Akteure auf der Bühne des heimischen Theaters. Nach elf Spielzeiten, in den viele Klassiker und einige Musicals zur Aufführung gekommen sind, endete der Theatersommer 1998 abrupt mit dem von Trantow inszenierten „Faust“ von Goethe. Der Gattin des damaligen Weilheimer Bürgermeisters war die Walpurgisnacht-Szene angesichts mittanzender Kinder zu freizügig erschienen, woraufhin sie die Spielstätte mit einem „Türknall“ verließ. Um die Theatertradition in der Kreisstadt fortsetzen zu können, wurden im Jahre 1999 die „Weilheimer Festspiele“ gegründet. Der Förderverein des „Weilheimer Theatersommers“ setzte seine Arbeit unter dem neuen Namen „Freunde des Weilheimer Theaters“ fort.

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