Jahresbericht der KJF Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung vorgestellt

Fälle werden komplexer

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Sich gemeinsam an einen Tisch setzen und über das Problem sprechen – so können Konflikte oftmals gelöst werden.

Landkreis – Die Erziehungsberatung könne niederschwellig in Anspruch genommen werden, präventiv ansetzen, vernetzt mit anderen Hilfen arbeiten und unterschiedliche Perspektiven miteinander kombinieren.

So Mechtild Gödde, Leiterin der Erziehungs-, Jugend- und Familienberatungsstellen in der KJF Kinder- und Jugendhilfe Weilheim-Schongau, bei der Vorstellung des Jahresberichts 2017 im Jugendhilfeausschuss.

Momentan gibt es in der Beratung knapp sechs Vollzeitstellen, die auf zehn Mitarbeiter an den Standorten Weilheim (Hauptstelle), Schongau und Penzberg verteilt sind. 2017 wurden 747 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene betreut. 2016 waren es noch 869 Personen. Dieser Rückgang lässt sich laut Gödde vor allem darauf zurückführen, dass es einen Krankheitsfall im Team gab und das System zur Dokumentation und Datenerfassung umgestellt wurde. Außerdem würden die Fälle immer komplexer werden.

Gödde führte am Beispiel des 13-jährigen Max durch den Bericht. Max‘ Eltern sind getrennt und er lebt bei seiner alleinerziehenden Mutter, wie 29,7 Prozent der Betroffenen (2016: 30,3 Prozent). Des Weiteren lebten in 2017 49,5 Prozent der betreuten Kinder, Jugendlichen und jungen Menschen bei ihren leiblichen Eltern (2016: 49,6 Prozent), 4,6 Prozent bei ihrem alleinerziehenden Vater (2016: 3,1 Prozent), 4,6 Prozent bei einem Elternteil mit Stiefelternteil (2016 7,6 Prozent) und 8,4 Prozent bei einem Elternteil mit PartnerIn (2016: 7,5 Prozent). Alleinerziehende Eltern hätten oft besonders schwer zu kämpfen, da die finanzielle Situation meist angespannter sei und die Elternteile mehr Zeit im Beruf verbringen müssten, sagte Gödde. Damit könne zum Beispiel das Medienkonsumverhalten nicht so genau überwacht werden.

Die Gründe für die Hilfe waren in den meisten Fällen die eingeschränkte Erziehungskompetenz der Eltern (39,4 Prozent; 2016: 42,0 Prozent); Belastung durch Problemlagen der Eltern (18,1 Prozent; 2016: 16,8 Prozent) und Belastung durch familiäre Konflikte (65,7 Prozent; 2016: 80,9 Prozent).

Im Fall von Max befürchtete seine Mutter, dass er spielsüchtig werden könnte. Daher suchte sie Hilfe bei der Beratungsstelle. In weiteren Gesprächen kam dann heraus, dass die Eltern untereinander so gut wie keinen Kontakt haben und auch Max‘ Vater ein schwieriges Medienverhalten aufzeigt.

Als präventive Angebote bieten die drei KJF Erziehungs-, Jugend- und Familienberatungsstellen im Landkreis mitunter Elterncafes an Schulen, Kindertagesstätten und Kindergärten (in Penzberg und Weilheim), Trennungs- und Scheidungs-Kindergruppen (in Weilheim) sowie einen Vätertreff (in Schongau) an.

Was die Wartezeiten anbelangt, konnten über 64 Prozent der Betroffenen innerhalb von zwei Wochen einen Termin wahrnehmen, so Gödde. Jedoch könne es danach oft lange dauern wieder einen Termin zu finden.

Zu der Beratungsintensität lieferte Gödde ebenfalls Zahlen. Bis zu drei Beratungssitzungen nahmen 49,8 Prozent der Betroffenen in Anspruch (2016: 50,0 Prozent), vier bis zehn Sitzungen 33,2 Prozent (2016: 36,3 Prozent), 11 bis 20 Sitzungen 9,3 Prozent (2016: 9,8 Prozent) und 21 und mehr Sitzungen wurden von 7,7 Prozent der Hilfesuchenden benötigt (2016: 3,9 Prozent). Im Fall von Max waren knapp 20 Beratungssitzungen nötig.

Der Beratungsbedarf von Familien mit Migrationshintergrund lag 2017 bei jungen Menschen bei 8,3 Prozent (62 Personen), bei den Müttern bei 12,0 Prozent (90 Personen) und die Väter machten 11,0 Prozent (82 Personen) aus.

Träger der KJF Kinder- und Jugendhilfe Weilheim-Schongau ist die Katholische Jugendfürsorge der Diözese Augsburg e.V.

Von Sofia Wiethaler

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