Pilgerin aus Schöffau sammelt für die Forschung

2 700 Kilometer mit dem Rollstuhl

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Auf ihrem Weg traf Luise Schwarz auf viele hilfsbereite Menschen. Auch in Santiago de Compostela wurde sie freundlich aufgenommen.

Schöffau – Die Reifen stecken fest, aus der matschigen Furche gibt es keinen Ausweg. Seit eineinhalb Stunden sitzt Luise Schwarz mit ihrem Rollstuhl fest und kann nur hoffen, dass jemand vorbei- kommt. Ist das das Ende ihrer Pilgerreise? 

Im Mai ging es los (wir berichteten). Das Ziel der Pilgerreise: Santiago de Compostela. Das ist ja inzwischen nichts Ungewöhnliches mehr. Doch was die 58-Jährige sich vorgenommen hatte, war mehr als nur eine lange Wanderung – denn sie hat fazioskapulohumerale Muskeldystrophie (FSHD) und sitzt im Rollstuhl.

Umso beeindruckender, dass Schwarz die 2 700 Kilometer bewältigt hat. Am 18. August erreichte sie ihr Ziel, nachdem sie Deutschland, die Schweiz und Frankreich hinter sich gelassen, die Pyrenäen überquert und der spanischen Hitze getrotzt hatte. Rund 30 Kilometer schaffte sie an jedem Tag ihres langen Weges. Doch nicht immer verlief alles wie geplant. 

In der Schweiz kehrte die Pilgerin in einer Herberge ein. Das Problem: Nur die Küche war mit Rollstuhl zugänglich. Betten und Badezimmer waren im ersten Stock. Also hievte sich Schwarz aus dem Rollstuhl und kletterte Stück für Stück die Stufen hoch. „Ich war froh, dass keine anderen Gäste da waren, die mich dabei hätten sehen können“, denkt Schwarz zurück.

Vor allem in der Schweiz machte das Wetter das Reisen zur Qual. Es regnete. Ständig. Den Körper schützte ein Regenponcho, doch das Wasser lief in die Schuhe, die gar nicht mehr trocknen wollten. Aber eine Pilgerin mit wenig Gepäck muss improvisieren können: „Ich habe mir einen großen Müllsack besorgt und meine Beine bis zu den Knien hinein gesteckt.“ Nicht sehr modisch, aber die Füße blieben trocken. Doch wo Regen ist, gibt es Matsch. Auch dieser machte Schwarz zu schaffen. Der Rollstuhl blieb immer wieder stecken. 

Ein anderes Problem waren große Steine und Stufen. Oft wich sie auf Straßen aus, doch manchmal kamen andere Pilger wie gerufen. „Ich habe immer Hilfe bekommen, wenn ich sie gebraucht habe“, erinnert sich Schwarz an viele zunächst ausweglos erscheinende Situationen. Besonders ist der gläubigen Katholikin eine Szene aus Spanien im Gedächtnis geblieben. Der Weg wurde immer schmaler und die Steine immer größer. Keine Chance mehr, den Berg mit dem Rollstuhl zu erklimmen. Schwarz wollte schon umdrehen. Dann aber kamen mehrere andere Pilger und sprachen ihr Mut zu. Sie trugen die Schöffauerin ein Stück, zerlegten den Rollstuhl in mehrere Teile und schleppten auch diese hinauf, damit die Reise weitergehen konnte. So hatte Schwarz sogar das Glück, vom Gipfel eines Berges über die beeindruckende Landschaft zu blicken, die ihr die Reise manchmal aber auch so schwer machte.

Doch nicht nur die Umgebung, sondern auch die Technik machte Probleme. Nur noch fünf Kilometer hätte Schwarz gebraucht, dann hätte sie die Pyrenäen erklommen. Doch die Akkus des Rollstuhls machten schlapp, kein Haus weit und breit, in dem sie den Strom hätte aufladen können. „Ich war fertig“, erzählt Schwarz. Aber auch hier kam wie durch ein Wunder Hilfe in Form eines dänischen Paars mit VW Bus, das die Pilgerin einpackte und zur nächsten Herberge brachte.

Zunächst wollte Schwarz die Akkus immer nur in Herbergen laden. Doch manchmal waren die Etappen dazwischen einfach zu lange. „Ich wurde immer frecher“, sagt sie. „Ich habe einfach in Kirchen aufgeladen.“ Manchmal pausierte sie auch in Bars, um Strom zu bekommen. Geklappt hat es aber immer irgendwie – bis die Akkus kaputt gingen. Vier Tage Zwangspause in Logrono. Die Zeit, bis Ersatz aus Deutschland geliefert wurde, dienten zur Erholung.

Und dann war endlich das Ziel in Sicht. In Santiago de Compostela feierte Schwarz mit den anderen Gläubigen die Messe mit dem großen Weihrauchfass.

„Mein Jakobsweg hat mir viel Kraft gegeben und ich werde die Eindrücke mein ganzes Leben lang nicht vergessen“, sagt Schwarz und freut sich, dass sie durch ihre Reise viel Geld für die Forschung an der Muskelkrankheit FSHD sammeln konnte. Über 13 000 Euro sind bereits zusammengekommen. Ganz besonders möchte sie sich daher bei vielen Spendern bedanken.

Spendenkonto: Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke e. V. Freiburg,  Verwendungszweck: Luise auf dem Jakobsweg, Kontonummer: 7772200, BLZ: 66020500, Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe

Von Ursula Gnadl

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