Weilheimer Kammerorchester brilliert bei Jubiläumskonzert

Botschafter der klassischen Musik

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Bereits zum fünften Mal war der Pianist Detlev Eisinger als Solist zu Gast beim Weilheimer Kammerorchester.

Weilheim – Seit 40 Jahren besteht das Weilheimer Kammerorchester. Mit einem Jubiläumskonzert wurde am Samstag in der nahezu ausverkauften Stadthalle der Geburtstag zelebriert.

Bürgermeister Markus Loth lobte im Grußwort die Mitglieder des Orchesters als „musikalische Botschafter“, die ein „unverzichtbarer Bestandteil unserer örtlichen Musikszene“ seien. Im gleichen Atemzug sicherte er die weitere finanzielle Unterstützung der Stadt zu.

„So viele Leute hatten wir noch nie”, freute sich Johanna Davis, die als Vorsitzende des Vereins stellvertretend für das Orchester sprach, angesichts des vollen Saals. Kurz ging sie auf die Historie des Kammerorchesters ein. So habe die 1977 gegründete Formation die klassische Musik in das bis dahin von Volks-, Kirchen- und Blasmusik geprägte Weilheim gebracht. Aus dem anfänglichen Aufführen von kleinen Stücken habe sich das Einüben von immer anspruchsvolleren Werken entwickelt, das sich heute in einem großen klassisch-romantischen Programm widerspiegele. Nicht zuletzt dafür verantwortlich sei Dirigent Vasja Legiša, der die aktuellen Werke mit Geduld und Phantasie gemeinsam mit dem Orchester einstudiert habe.

Mit Franz Schuberts Ouvertüre im italienischen Stile in C-Dur D591 belegte das Orchester eindrucksvoll, dass sich die Proben gelohnt haben. Die zur Unterstützung engagierten Holzbläser schwebten über dem vollmundigen Klangteppich aus Streichern, in den sie immer wieder eintauchten, um mit ihm zu verschmelzen. Den imposanten Schluss würdigte das Publikum mit langem Applaus. Legiša, der den Abend in schlichtem Schwarz ohne Krawatte oder Sakko mit unglaublicher Freude dirigierte, prangte ob dieser Bestätigung ein breites Lächeln im Gesicht.

Zu Robert Schuhmanns Konzert für Klavier und Orchester in a-Moll op. 54 kam Pianist Detlev Eisinger auf die Bühne. Bereits die ersten Takte strotzten vor Energie und Enthusiasmus. Dann träumerisch-melancholische und die Sehnsucht beherbergende Töne, die sich mit Figuren voll aufkeimender Hoffnung und Freude abwechselten. Schuberts Liebeslied an seine Frau Clara erzeugte bei den Zuhörern Emotionen und kaum enden wollenden Applaus. Nachdem Eisinger zum dritten Mal auf die Bühne geklatscht wurde, dankte er dem Publikum mit der Nocturne in Fis-Dur, einem der Nachtstücke von Frederic Chopin.

Ein lang gehegter Wunsch vieler Mitglieder des Kammerorchesters erfüllte sich nach der Pause: die Aufführung eines Werkes von Ludwig van Beethoven. Die Wahl fiel auf die Symphonie Nr.6 in F-Dur op. 86, der „Pastorale“. Die lockere Heiterkeit im Hauptthema vermochte das Orchester dabei ebenso zu transportieren wie die Bedrohlichkeit eines in voller Besetzung und angespannter Konzentration interpretierten musikalischen Gewitters, das den Saal beben ließ. Nach dem versöhnlichen Abschluss tosender Beifall.

Als Zugabe spielte das Ensemble den Ungarischen Tanz Nr. 5 von Johannes Brahms. Ein krönender Abschluss eines gelungenen Abends, der die Besucher mit einem Ohrwurm in die Nacht begleitete.

Von Ursula Gnadl

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