KAB-Neujahrsgespräch in Weilheim war wieder sehr gut besucht

Thema Pflege im Brennpunkt

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Volles Haus beim Neujahrsgespräch – auch Landtagsabgeordnete Susann Enders, selbst ausgebildete OP-Schwester, meldete sich zu Wort.

Weilheim – „Wo geht die Reise mit der Pflege hin?“ – diese Frage stellte man beim Neujahrsgespräch von KAB, Betriebsseelsorge, IG Metall, Verdi und DGB.

Dass diese Frage offensichtlich für viele im Brennpunkt steht, zeigte der zahlreiche Besuch, über den sich KAB-Sekretärin Petra Reiter freute, die die Gäste im Anna-Saal des Regionalzentrums begrüßte. Nicht nur KAB- und Gewerkschaftsvertreter waren der Einladung gefolgt, auch Kommunalpolitiker sowie die Landtagsabgeordnete Susann Enders, Sozial- und gesundheitspolitische Sprecherin der Freien Wähler.

Vier Pflegekräfte hatte die KAB zu Gast, die aus ihrer jeweiligen Sicht ein Statement zur Pflegesituation abgaben. Den Anfang machte Désirée Hemmel, Leiterin der Notaufnahme in Schongau. Sie veranschaulichte den Besuchern mit einem mitgebrachten Packen Formulare, welche Ausmaße mittlerweile die Dokumentation in der Pflege einnimmt. „Der Standard sind 13 bis 14 Bögen, bei schwierigeren Fällen kommen nochmal sieben weitere Blätter dazu“, so Hemmel. Sie betonte außerdem, dass sich derzeit ein Generationenwechsel beim Pflegepersonal vollziehe. Jetzt seien Freizeit und ähnliches wichtiger als das Team.

Carmen Lejko, Altenpflegerin im Josef-Lindauer-Haus Peißenberg, beklagte die bürokratischen Erfordernisse ebenso wie unfaire Regelungen der Arbeitgeber, wie Dokumentation in der Freizeit oder ehrenamtliche Verfügungstage statt bezahlter Bereitschaftsdienste. „Das Schlimmste ist, dass Sterbende nicht würdevoll verabschiedet werden können“, so Lejko, die trotz allem wieder diesen Beruf wählen würde.

Anita Sellner, Erzieherin in einer Wohngruppe für geistig behinderte Erwachsene, beklagte die fehlende Zeit. Hier läge der Schlüssel für alle anderen Defizite: „Habe ich keine Zeit, kann ich nicht herausfinden, was derjenige will, was er selber machen kann. Dann kann ich ihn aber auch nicht sinnvoll beschäftigen“, so Sellner. Auch für die Absprache im Team fehle die Zeit, ebenso wie für die Arbeiten drumherum wie Küche, Hilfsmittel und Medikamente. Mehr Personal sieht sie als einzigen Weg.

Gisela Tonak, Nachtschwester am Krankenhaus Weilheim und fast 39 Jahre in der Pflege tätig, stellt klare Forderungen: „Pflege braucht mehr Selbstbewusstsein!“ Dazu gehöre auch ein verlässliches Ausfallmanagement und vom Arbeitgeber bezahlte Fortbildungen jenseits der kleinen Auswahl, die derzeit finanziert wird. Schließlich sei die Pflegekraft die erste am Bett, die sieht, ob es dem Patienten gut geht. Da sei Kompetenz ungeheuer wichtig.

Auch Uschi Zwick, Gewerkschaftssekretärin für Gesundheit, unterstrich die Verdi-Forderungen nach einer hohen Ausbildungsqualität, guten Arbeitsbedingungen und einer gesetzlich geregelten Mindestbesetzung.

Den Statements schloss sich eine Diskussion an, aus der klar hervorging, welche Bedeutung auch Fachfremde den Pflegeberufen beimessen. „Es gibt Bereiche, in denen es nicht nach Wirtschaftlichkeit gehen darf“, so SPD-Stadträtin Petra Arneth-Mangano. Fraktionskollege Horst Martin forderte sogar, die Altenpflege und das Gesundheitswesen zu staatlichen Infrastrukturmaßnahmen zu machen. Auch Enders meldete sich zu Wort und warb für das Volksbegehren für die Pflege, das voraussichtlich im März eingereicht wird.

Von Bianca R. Heigl

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