Abholzaktion in Pähler Schlucht sorgt für Wirbel

Kahlschlag oder notwendige Waldverjüngung?

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Die Holzentnahme im unteren Teil der Schlucht werde sich negativ auf die gesamte westliche Schlucht auswirken, befürchten die Naturschützer und kritisieren, dass die Rückewege „massiv in die Hänge eingeschnitten“ worden seien.

Pähl – Wenn man sich derzeit von Süden kommend Richtung Pähl nähert, dann erkennt man schon von weitem ein riesiges Holzlager, das sich oberhalb des Gemeindegebiets auftürmt. Die tonnenschweren Baumstämme stammen aus der Pähler Schlucht – und das sorgt bei Naturschützern für großen Unmut.

Sie halten die Abholzaktion für unzulässig und üben scharfe Kritik am Verhalten der Unteren Naturschutzbehörde und der Gemeinde. Pähls Bürgermeister Werner Grünbauer hingegen spricht von einer notwendigen Waldverjüngung.

Zur Vorgeschichte: Im Januar hat die Grundeigentümerin eine Spezialfirma beauftragt, um die Pähler Schlucht zu durchforsten. Der Waldgürtel ist zwar als Naturschutz- und FFH-Gebiet ausgewiesen, doch die Entnahme von Holz ist nach den gesetzlichen Vorschriften im Rahmen einer „ordnungsgemäßen Waldbewirtschaftung“ auch in solchen Gebieten möglich. Für den Bau eines 200 Meter langen Rückewegs hat die Regierung von Oberbayern eine Befreiung von der Naturschutzgebietsverordnung erteilt. So weit, so gut. Doch zur Vermeidung von Bodenschäden beinhaltete die Genehmigung auch die Auflage, wonach die Arbeiten nur bei starkem Frost über die Bühne hätten gehen dürfen. Die Kälteperiode blieb aber aus, zudem wurde ein zweiter Rückeweg errichtet – ohne Zustimmung der Regierung.

Entsprechend groß ist die Verärgerung bei den Naturschützern. Reinhard Grießmeyer von der „Schutzgemeinschaft Ammersee“ spricht im Zusammenhang mit der Abholzung von einem „unsäglichen Naturfrevel“. Die Durchforstung hätte seiner Meinung nach nicht ohne vorherige Begutachtung genehmigt werden dürfen und einer fachlichen Begleitung bedurft. „Ein gerüttelt Maß an Mitschuld“ trage auch die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt, die dem Kahlschlag trotz Kenntnis der Umstände keinen Einhalt geboten habe. Vorwürfe macht Grießmeyer zudem der Gemeinde Pähl. Von Seiten der Kommune sei wegen der Verkehrssicherungspflicht für die Wanderwege Druck auf die Eigentümerin ausgeübt worden: „Die wollte eigentlich gar nichts machen, doch sie hat sich breitschlagen lassen“, so Grießmeyer.

In der Schlucht seien mehr als 50 Prozent der Bäume entnommen worden, die Naturschäden entsprechend „katastrophal“. Das Innenklima im Wald sei zerstört und die Hangrutschgefahr massiv erhöht worden. „Für die nächsten 50 bis 100 Jahre hat man das Naturschutzgebiet zerstört“, glaubt Grießmeyer. Ganz anderer Ansicht ist hingegen Werner Grünbauer. Im Gegensatz zu den „unseriösen, unrichtigen und reißerischen Ausführungen der Naturschutzverbände“ handele es sich bei der Abholzaktion um eine längst überfällige „Renaturierungsmaßnahme und Waldverjüngung“. Der Pähler Bürgermeister verweist vor allem auf den Sicherheitsaspekt: 2002 sei es aufgrund einer Verklausung in der Schlucht zu massiven Hochwasserschäden im Ortsgebiet gekommen. Zudem müssten jedes Jahr Wanderer nach Unfällen per Hubschrauber und Seilwinde aus der Schlucht geborgen werden. Nichtbewirtschafteter Wald, so Grünbauer, verstärke die Gefahr von Erosionen und vermindere die Artenvielfalt. Die Gemeinde habe auch keinen Druck auf die Eigentümerin ausgeübt. Dass die erwartete Frostperiode ausgeblieben sei, könne man ihr nicht anlasten „Die Besitzerin hat keine Kosten und Mühen gescheut. Sie hat Vollprofis engagiert“, sagt Grünbauer, der „keine Anhaltspunkte für einen Verstoß gegen die Genehmigung“ sieht: „In zwei Jahren wird man sehen“, so der Rathauschef, „dass die Abholzung halb so schlimm war.“

Matthias Hett von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt räumt hingegen ein, dass die Abholzung „mehr Flurschäden verursacht hat, als wir gedacht haben“. „Knackpunkt“ sei die warme Witterung gewesen. Allerdings sei es „nicht dienlich, von einem Untergangsszenario zu sprechen“, und von den Naturschützern „nicht fair, Pauschalurteile zu fällen“ – zumal die Untere Naturschutzbehörde in der Angelegenheit nicht federführend gewesen sei, so Hett. Bei der zuständigen Regierung von Oberbayern hält man sich auf Nachfrage bedeckt. Die möglichen Beeinträchtigungen im Naturschutz- und FFH-Gebiet, so heißt es von Seiten der Pressestelle, würden derzeit analysiert. Auskünfte über mögliche Konsequenzen könne man deshalb noch nicht treffen.

Von Bernhard Jepsen

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