Kandinsky im Garten

Ein Stück der größten Kandinsky-Kopie der Welt für den eigenen Garten gefällig? Mit der Ersteigerung der bunt bemalten Platten des Weilheimer Marienplatzes ist das möglich. Die ersten drei Steinquader wechselten bei der Abschluss­party des Projektes am vergangenen Freitagabend die Besitzer.

Während auf einer Leinwand Bilder von der sommerlichen Malaktion für warme Gedanken sorgten, überboten sich bei fröstelnden Temperaturen Stadträtin Ragnhild Thieler, Fotografin Brigitte Gronau und Weilheims zweiter Bürgermeister Ingo Remesch bei der Auktion. Zwischenzeitlich lag auch der Vater von Florian Lechner, Architekt und Mitinitiator des Projektes, im Rennen, wurde jedoch überboten. Die Erinnerungsstücke an die Kandinsky-Kopie erhielten dann Thieler, Gronau und Remesch für jeweils 20 Euro. Während Thieler eine blaue Platte auswählte  („Das ist meine Lieblingsfarbe“), suchte sich Gronau einen dunkellilafarbenen Stein aus, weil sie an so einer Platte den Pinsel geschwungen hatte. Remesch schleppte ein gelbes Andenken mit einem leichten Rotschimmer in seinen Garten. „Kandinsky hat schöne Gelbtöne, das hat keinen politischen Hintergrund“, scherzte das SPD-Stadtratsmitglied nach der Auktion. „Einen schönen Platz im Garten“, nannten Remesch und Gronau den Ort für ihre Andenken. Thieler will ihn hingegen in der Treppe integrieren. Sie wird noch mindestens drei weitere Steine ersteigern: „Das habe ich meinen vier Enkelkindern versprochen.“ Standortförderer Stefan Frenzl möchte seinen Stein, den er noch holen will, im Büro aufstellen. „Wer noch Interesse an einem Stein hat, der kann sich bei den anliegenden Geschäften melden“, sagte er. Das Geld der Versteigerung geht zugunsten des Verschönerungsvereines. Von den ursprünglich etwa 8000 in den unterschiedlichsten Rot-, Blau-, Gelb- und Grüntönen bemalten Platten können Interessierte etwa 100 dieser 25 Kilogramm schweren Steine erhalten. Dabei können sich die Kunstsammler aber nicht die Platte aussuchen, an der sie mitgewirkt hatten. Das musste auch eine Weilheimerin erfahren. „Ich habe mit meiner Tochter eine Platte am Stadtmuseum hellgrün angemalt“, erklärte sie und hofft nun, noch einen hellgrüne Stein zu erhalten. Denn diese habe ideellen Wert für sie. „Wir bekommen nicht alle Steine ohne Beschädigung heraus, da sie mit Beton verbunden sind“, erklärte Frenzl. Die, die nicht mehr zum Andenken reichen, würden geschreddert. Im hitzigen Sommer hatte das Projekt begonnen und bei klirrender Kälte fand nun die „Finissage“ statt. „Ich finde es sehr schade“, sagte Lechner über das Ende des bunten Marienplatzes. Weil die Steine durch das Wetter und die Abnutzung an Strahlkraft verloren hätten, ließe sich der Verlust jedoch verkraften. Endgültig ist das Verschwinden des Kandinskys aber nicht. „Vielleicht kommt er als Bodenmosaik oder in einer anderen Form wieder auf den neugestalteten Marienplatz“, hoffte er.

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