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Karl Edelmann: Eine Größe der Volksmusik

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Von: Ursula Gallmetzer

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Spielmusikvon Karl Edelmanns Volksmusikgruppen.
Die Spielmusik ist eine von Karl Edelmanns erfolgreichsten Volksmusikgruppen. © Privat

Weilheim – Fast jeder, der sich mit traditioneller bairischer Musik beschäftigt, hatte vermutlich schon eines seiner Stücke auf dem Notenständer liegen: Karl Edelmann betreibt einen der erfolgreichsten Verlage für Volksmusik in Deutschland. Außerdem spielte der Kontrabassist und Klarinettist in vielen berühmten Orchestern, war Lehrbeauftragter am Mozarteum in Salzburg und Aufnahmeleiter in der Volksmusikabteilung des Bayerischen Rundfunks. Morgen feiert er seinen 60. Geburtstag. Zu diesem Anlass hat ihn der Kreisbote besucht.

Die ersten musikalischen Schritte von Karl Edelmann waren wie die vieler anderer Kinder: Los ging es mit Flötenunterricht. „Es war ganz normal für mich, dass musiziert wurde“, denkt der gebürtige Tegernseer zurück. Denn auch Edelmanns Vater war Musiker. Oft waren Kollegen zu Besuch.

Das nächste Instrument, an das der Junge sich wagte, war Hackbrett. „Weil es halt daheim da stand“, sagt Edelmann und lacht. Die große Liebe war es zwischen ihm und dem Saiteninstrument nicht. „Es hat mir aber einen großen Dienst erwiesen“, findet Edelmann. Denn bis der Lehrer alle Saiten gestimmt hatte im Unterricht, mussten die Schüler Noten schreiben. „Damals hab ich es richtig gelernt“, ist Edelmann heute noch dankbar für diese Fähigkeit.

Mit neun Jahren sagte Edelmann dem Hackbrett Ade und wechselte zur Klarinette: „Das war immer schon mein Traum. Und ich hatte gleich einen sehr guten Lehrer.“ Schnell wurde das Talent des Schülers erkannt. Nach zwei Jahren durfte er bereits in einer Blaskapelle mitspielen. „Ich war mit Abstand der Jüngste. Das motivierte zusätzlich.“ Schnell machte Edelmann Fortschritte und wurde immer besser. Doch eine Karriere als Berufsmusiker? Das konnte sich im kleinen Dorf Wildbad Kreuth kaum einer vorstellen. „Es ging ohnehin fast niemand zum Studieren. Und Musik schon gar nicht.“

Doch der Wunsch, Musik auch professionell zu spielen, verschwand auch während seiner Ausbildung zum Zimmerer nicht. „Die Musik hat sich einfach immer mehr aufgedrängt“, trat Edelmann zu dieser Zeit bereits fast jedes Wochenende mit unterschiedlichen Gruppen auf. Zuspruch gab es vom Klarinettenlehrer und so meldete sich der frisch gebackene Zimmerergeselle direkt nach seinem Abschluss für die Aufnahmeprüfung am Richard-Strauss-Konservatorium München an, um Klarinette zu studieren. Doch ein Experte riet ihm, sich lieber für Kontrabass zu bewerben, da es schon so viele Klarinettisten gebe. „Mir war das gleich“, sagt Edelmann mit einem Grinsen und ergänzt: „Ich wollte einfach nur Musiker werden.“ Doch was so eine Aufnahmeprüfung und ein Musikstudium bedeuten, „das war mir als Junge vom Land nicht klar.“ Gerade einmal fünf Stunden Kontrabassunterricht hatte er vor dem Vorspiel. „Den Rest habe ich mir autodidaktisch beigebracht.“ Und trotzdem gelang Edelmann das, was nahezu unmöglich erschien: Er wurde angenommen. Hauptfach Kontrabass, Zweitfach Klarinette. Das Studium lief gut und nebenbei machte sich Edelmann mit mehreren Ensembles einen Namen.

Nach dem Studium sollte das Geld durch die Auftritte fürs Leben reichen. „Mir war nicht klar, wie hart und anstrengend der Weg werden würde“, denkt Edelmann zurück an unzählige Auswahlverfahren, bei denen er die anderen beeindrucken sollte: „Da war es sogar wichtig, dass man die richtigen Socken anhat“, graut ihm noch immer vor den strengen Kriterien. Immer wieder klappte es mit Engagements und die Karriere führte mit verschiedenen Orchestern durch ganz Deutschland. Doch es war nicht das Leben, wie Edelmann es sich vorstellte und er beschloss, freiberuflicher Musiker zu werden und in München zu bleiben: „Ich hatte dort schon viele Kontakte und Möglichkeiten.“ Außerdem hatte er 1985 seine Frau Katharina geheiratet.

Zu dieser Zeit hatte sich der Musiker schon voll und ganz der Volksmusik verschrieben und war ein Spezialist – vor allem im Bereich der alpenländischen Blasmusik. „Die war nahezu ausgestorben. Böhmische Blasmusik hatte die bairische verdrängt“, war es ihm eine Herzensangelegenheit, das verschwundene Genre wiederzubeleben. Ob Landler, Zwiefache oder Schottische: Die fast vergessenen Stücke kamen gut an. „Die gibt es in anderen Regionen einfach nicht – nur in Bayern“, weiß Edelmann.

Immer mehr Leute fragten bei ihm an, ob sie die Noten dafür haben könnten. Auch bei einer täglichen Volksmusiksendung im Bayerischen Rundfunk herrschte reger Bedarf nach immer neuen Aufnahmen von Edelmanns arrangierten und selbst komponierten Stücken. Irgendwann wuchs daraus die Idee, einen eigenen Verlag zu gründen, denn „die großen Verlage hat das gar nicht interessiert. Dann hab ich es einfach selber gemacht“, bekam der Musiker auch viel Unterstützung seiner Frau Katharina bei der Gründung seines Unternehmens. „Ich hatte weder einen Computer noch ein Notenschreibprogramm“, amüsiert sich Edelmann über die Anfänge. Ungefähr ein Jahr habe er gebraucht, bis er etwas hinbekommen habe am PC, was man verkaufen konnte. Und es verkaufte sich gut.

Ehepaar Edelmann
Gemeinsam mit Ehefrau Katharina betreibt Karl Edelmann seinen Musikverlag. Auszeiten finden die beiden im liebevoll gestalteten Garten hinterm Haus. © Gallmetzer

Heute hat der Verlag rund 11 000 Stammkunden. Drei Viertel des Kellers im Haus der Edelmanns sind zu Lagerräumen ausgebaut. „Überwiegend gehen unsere Stücke in den Alpenraum, aber wir haben auch Kunden in der ganzen Welt“, staunt der Verlagschef immer wieder, wer bei ihm bestellt. Gerade der Boom hinsichtlich Tracht und Tradition der letzten Jahre sei auch in der Musik deutlich erkennbar. „Es steht grad sehr gut um die Volksmusik – auch bei den jungen Leuten“, freut sich Edelmann.

Das zeigt sich an den sieben Ensembles, die er leitet: Die Altbairische Blasmusik, die Altbairischen Musikanten, die Maschanzker, die Spielmusik, die Saitenmusik, das Salonorchester sowie das Weilheimer Holzbläsertrio. Einige der Gruppen bestehen seit über 30 Jahren. Auch Ehefrau Katharina mit dem Hackbrett und Sohn Fidelis, der inzwischen selbst Profi-Klarinettist ist, sind immer wieder mit von der Partie, sodass bei den Edelmanns das gemeinsame Musizieren immer ein Teil der Familie bleiben wird. Musik bestimmt einfach ihr Leben.

Umso schwieriger war die Zeit seit der Pandemie. „Man hat gemerkt, was einem fehlt. Nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich“, sagt Edelmann. Beschäftigung hatte er trotzdem genug. Er brachte sich Kontragitarre bei, ging Skifahren, machte Skitouren und war viel mit dem Radl unterwegs und hatte Zeit zu kochen. Einer besonderen Leidenschaft konnte er sich außerdem ausgiebig widmen; der Hobbyimker hat zwei Bienenvölker im Garten. „Das ist eine schöne Abwechslung zur Musik. Es ist gut zum Runterkommen, wenn man im Stress ist.“ Denn den würden die Insekten ihm nicht verzeihen. „Wenn sie merken, dass ich Stress habe, sind sie gleich viel unruhiger. Da bin ich schon mal mit einem verstochenen Auge zu Auftritten gefahren.“ Und wie sieht es bei Edelmann beruflich so kurz vor dem 60. Geburtstag aus? „Der Verlag hat das Musizieren etwas verdrängt“, gesteht er. Dennoch will er beide Standbeine weiter betreiben. „Ich bin aber froh, dass ich mir inzwischen aussuchen kann, wo ich spiele und nicht mehr jedes Wochenende drei Tage lang unterwegs sein muss.“ Denn Spaß machen die Auftritte immer noch und auch für neue Stücke habe er noch massig Ideen. Edelmann ist sich sicher: „Solange es die Gesundheit mitmacht und die Leute mich noch hören wollen, mache ich weiter.“

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