Richard Oehmann und Josef Parzefall feiern 20-jähriges Jubiläum mt ihrem Puppentheater

Die hohe Kunst des Kasperlns

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Richard Oehmann (li.) und Josef Parzefall spielen seit 20 Jahren gemeinsam in ihrem Puppentheater.

Weilheim – Beim Schnitzelessen in Deutenhausen haben Richard Oehmann und Josef Parzefall beschlossen, dass sie gemeinsam ihr Kasperltheater gründen. Heute sind sie in der Region längst Kult – nicht nur bei den Kindern. Letzte Woche feierte „Dr. Döblingers geschmackvolles Kasperltheater” seinen 20. Geburtstag. Im Interview mit dem Kreisboten spricht Oehmann über Anarchie, Belohnungsbrezen und Unfugsdrogen.

Zieht Kasperl mit 20 jetzt endlich bei der Großmutter aus?

Oehmann: „Naja, er hat es ja ganz bequem bei der Oma. Sie kocht, er muss keine Miete zahlen. Es steht zu befürchten, dass er auch die nächsten Jahre noch dort wohnen bleibt.” 

Sehr erwachsen ist das ja nicht...

Richard Oehmann: „Man weiß leider nicht, wie alt der Kasperl wirklich ist. Ist er eher 13, oder ein Typ, der nicht alt werden will?”

Wie viel Richard steckt im Kasperl?

Oehmann: „Vielleicht hat er ein paar Eigenschaften von mir. Aber ich hab dann zum Glück doch noch ein paar mehr.”

Er ähnelt dir also gar nicht so sehr?

Oehmann: „Das müsste jemand anders beurteilen. Natürlich lasse ich meine Ansichten manchmal in den Text einfließen. Das kann man beim Kasperl noch am ehesten, weil er am intelligentesten ist. Es kann schon passieren, dass er mal das sagt, was man selber auch meint.”

Ist die Oma aufgrund ihrer Lebenserfahrung nicht klüger?

Oehmann: (lacht) „Nein. Die ist nicht die Gescheiteste. Aber eigentlich sind bei uns alle Figuren bescheuert.”

Hast du eine Lieblingsfigur?

Oehmann: (überlegt) „Der Zauberer Gottlieb Wurst ist schon ein steter Quell der Freude. Der gibt immer wieder etwas Lustiges her, weil er so ein Depp ist.”

Und der Kasperl?  Sollte er nicht der Held sein?

Oehmann: „Am Anfang war er noch ein bisschen ein Kasperl, der anderer Leute leben in Ordnung gebracht hat. Das macht er zwar heute auch noch, aber er braucht immer einen guten Grund. Also nur die Prinzessin befreien ist ihm zu langweilig. Wenn er jemanden befreit, oder er etwas Gutes tut für die Gesellschaft, dann muss ihm am Schluss schon auch eine Brezen winken oder irgend so was.”

Das ist schon ein bisschen eigensüchtig.

Oehmann: „Kasperl ist schon ziemlich triebgesteuert. Aber er ist auch leicht zufriedenzustellen. Er hat nicht den Drang, die Macht zu übernehmen. Es nervt ihn einfach irgendwas und dann bringt er es in Ordnung, bekommt seine Belohnung und dann ist es ihm auch wurst, wer in der Stadt weiterhin etwas falsch macht.”

Haben sich die Stücke im Laufe der Zeit verändert?

Oehmann: „Unsere Stimmen werden tiefer. Das ist ganz interessant. Der Kasperl klingt in den frühen Aufnahmen noch heller.”

Und inhaltlich?

Oehmann: „Wir müssen manchmal aufpassen, dass wir nicht zu erwachsen-humorig werden. Die Stücke waren anfangs einfacher gehalten. Da haben wir viel dazu improvisiert. Da hat man einen Gag gemacht, der ist angekommen, und wir haben ihn drin gelassen.” 

Das ist jetzt anders?

Oehmann: „Heute schreiben wir fast zu verschachtelt, als dass man da noch einen Gag platzieren könnte. Es ist ausgetüftelter.”

Wie kommt man auf so viel Blödsinn?

Oehmann: „Es wird fälschlicherweise immer vermutet, dass Menschen, die Komik produzieren, sich vorher betrinken oder andere Unfugsdrogen nehmen. Ich glaube, Komikproduzenten, die so gearbeitet haben, haben keine sehr langfristige Komik erzeugt.”

Ihr seid beim Schreiben also völlig nüchtern?

Oehmann: „Ja. Wir treffen uns auch meistens nachmittags. Wir kennen die Figuren sehr gut und haben die Charaktere so entwickelt, wie wir sie haben wollen. Wir starten mit einer Grundidee und wissen schon, wie sie reagieren. Da kommt dann automatisch neuer Schmarrn raus.” 

Sind die Stücke von der Realität beeinflusst?

Oehmann: „Es kann sein, dass der ein oder andere Privatspaß drin ist. Auf der Landkarte fließt manchmal etwas aus der Heimat ein. Zum Beispiel ist auch das ‘Paradeis’ auf der Landkarte eingebaut.”

Was lernen Zuschauer durch die Stücke?

Oehmann: „Ich glaube, wir sind nicht besonders lehrreich. Die Figuren lernen ja auch nix. Es macht keiner eine Entwicklung durch nach dem Motto ‘Oh, das hab ich jetzt eingesehen, dass ich falsch gehandelt habe!’. Wir schauen aber schon, dass wir nicht absolut anti-pädagogisch sind, denken dabei aber nicht dran, was wir den Kindern noch beibringen könnten.”

Wie lange braucht ihr, bis ein Stück fertig ist? 

Oehmann: „Wenn die Grundidee da ist, geht es ziemlich schnell. So sieben bis acht Nachmittage. Aber damit ist es ja noch nicht getan. Wir müssen es ja noch aufnehmen und die Musiker finden.”

Wie gelingt es euch, immer wieder derart bekannte Musiker zu bekommen?

Oehmann: „Oft sind es Bekannte. Auch die prominenten Gastsprecher fliegen uns meistens irgendwie zu.” 

Wer ist eigentlich Dr. Döblinger?

Oehmann: „Das ist unser Schirmherr. Wir haben ja irgendwie heißen müssen und da haben wir uns gedacht, ‘Doctor’, das klingt ja sehr gesund. Wir schreiben ihn aber mit ‘c’, sonst wär’s eine Titelerschleichung. Und geschmackvoll, das hilft auch weiter. Ansonsten kann man es rausfinden, wer er ist. Aber das verrat’ ich jetzt nicht.”

Ist euer Kasperltheater wirklich so anders, wie oft behauptet wird? 

Oehmann: „Keine Ahnung. Wir werden zwar immer als anarchisch bezeichnet. Wir selber fühlen uns aber gar nicht so anarchisch. Da hatte ich in den 70er-Jahren weitaus schlimmere Schallplatten. ”

Kasperl behauptet auf eurer Homepage, ihr seid seine Sklaven. Wie siehst du das?

Oehmann: „Es geht. Natürlich muss ich ihn immer ins Licht halten, damit er beklatscht und bejubelt wird. Dafür muss er dann in der Kiste übernachten. Ich hab es eigentlich doch besser als er.” 

Vielen Dank!


Die Jubiläums-CD „Kasperl und der Brezenschlüssel”, das mittlerweile 11. Hörspiel von Dr. Döblingers geschmackvollem Kasperltheater, ist eine extra lange Doppel-CD mit Gaststar Ilse Neubauer und zusätzlicher Flacki-Geschichte. Mehr Infos auf www.dr-doeblingers-kasperltheater.de.


Von Ursula Gnadl

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