Katastrophenschutzübung spielt Szenario eines Bombenfundes am Weilheimer Bahnhof nach

"Wir wollen uns ständig verbessern"

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Im Lagezentrum, das im Weilheimer Feuerwehrhaus eingerichtet war, liefen die Fäden zusammen. Kar Neuner (stehend vor dem Bildschirm) koordinierte als Stabsleiter die Katastrophenschutzübung.

Weilheim – Samstag 8.30 Uhr: Am Weilheimer Bahnhof wird im Bereich der ehemaligen Güterrampe eine 250 Kilo schwere Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden.

Erste Teilgebiete wurden bereits gesperrt. In der Stadt entstehen die ersten Staus. Der Bahnverkehr ist lahmgelegt. Insgesamt stellt sich nach Auskunft der Einsatzkräfte die Lage als kritisch dar. Die zuständigen Behörden haben auf Geheiß des Sprengmeisters einen Evakuierungsradius von 500 Meter ausgewiesen. 3 300 Anlieger sind davon betroffen. Die ersten Evakuierungen sind bereits angelaufen. Im Feuerwehrgerätehaus an der Krumpperstraße hat sich ein Krisenstab mit Vertretern des Katastrophenschutzes, der Polizei, der Feuerwehr, der Rettungsdienste und des Technischen Hilfswerks gebildet. Von dort aus werden rund 100 Einsatzkräfte dirigiert. 

Das gerade eben beschriebene Szenario am vergangenen Samstag war glücklicherweise nur Bestandteil einer Katastrophenschutzübung, an der rund 60 Personen teilnahmen.

Im Juni 2018 war das Szenario noch real: Dort wurde am Bahnhof wirklich eine Fliegerbombe gefunden – und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass noch weitere im Boden schlummernde Blindgänger entdeckt werden. Wie im Rahmen einer Pressekonferenz zur Katastrophenschutzübung zu erfahren war, wurden am 19. April 1945 bei einem Luftangriff auf den Weilheimer Bahnhof 263 Bomben abgeworfen.

Die Blindgängerquote dürfte nach Expertenmeinung im Rahmen zwischen sieben und 15 Prozent liegen. 18 nicht detonierte Bomben wurden bereits gefunden. Damit hat man aber erst die sieben Prozent-Marke erreicht: „Es ist also davon auszugehen, dass noch weitere Bomben gefunden werden“, konstatierte Walter Weber, der im Landratsamt im Bereich „Katastrophenschutz“ arbeitet.

Das Problem: Die US-Fliegerstaffel ist relativ tief geflogen, so dass sich die Bomben vermutlich nur etwa einen Meter ins Erdreich gegraben haben und bei Bauarbeiten relativ schnell zum Vorschein kommen. Die Blindgängereinschläge sind aber trotz Luftbildaufnahmen nachträglich nicht mehr zu verifizieren, weil sich die Krater der explodierten Bomben darübergelegt haben.

Das Einsatzszenario der Übung war also sehr real. Es ging darum, Abläufe zu optimieren und die gewonnenen Erkenntnisse vom Bombenfund 2018 in die Praxis umzusetzen. Die Manöverkritik fiel damals im Nachklang zwar positiv aus, dennoch wurden unter anderem Evakuierungszonen nachbearbeitet und Alarmierungsprozesse angepasst. „Wir wollen uns ständig verbessern“, betonte Weber. Vor allem müssten die Kommunikationswege funktionieren: „Zwischen den Einsatzkräften muss es eine einheitliche Sprache geben“, so Weber.

Nach einer „anfänglichen Übungskünstlichkeit“, wie es der stellvertretende Feuerwehrkommandant von Weilheim, Stefan Herbst, bei dem Pressegespräch formulierte, sei das Szenario von den Übungsteilnehmern „sehr ernst“ abgearbeitet worden. „Es baut sich automatisch Stress auf“, erklärte Stabsleiter Karl Neuner: „Nach relativ kurzer Zeit läuft das wie bei einem Echteinsatz ab.“

Von Bernhard Jepsen 

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