"Keine Auffälligkeiten in der Leitstelle" – BRK argumentiert, Umbauphase bedeute generell mehr Stress für die Mitarbeiter

Angespannte Gesichter bei der BRK-Pressekonferenz am vergangenen Freitag in Weilheim: V. re.: Landrat Dr. Friedrich Zeller, Vorsitzender des Zweckverbandes für Rettungsdienst- und Feuerwehralarmierungen; Dieter Deinert, Hanna Hutschenreiter und Bernhard Schlennert, alle drei vom BRK-Landesverband; ILS-Leiter Helmut Ochs und Markus Hanweber, der den zur Zeit auf Fortbildung weilenden Leiter Ochs in Weilheim vertritt. Foto: Hofstetter

Laut „Verfasser“, wie sich die anonymen Schreiber in dem dreiseitigen Brief, der auch an den Zweckverband adressiert ist, bezeichnen, ist die Arbeitssituation in der ILS Weilheim „für die Kollegen nicht mehr ertragbar“.

Seit der Betriebsübernahme durch das BRK 2008 sei die Stressbelastung „ins Unermessliche gestiegen“, die Dienste abwesender Lehrgangsteilnehmer müssten von den übrigen Kollegen aufgefangen werden. Der ILS-Leitung wird in der Dienstplanführung ein „gnadenloses Vorgehen“ vorgeworfen. Krankheitssymptome wie „Herzbeschwerden, Burnout, Alkoholprobleme...“ und Kündigungen seien die Folge. Von „bis zu 300 Überstunden“ ist in dem Brief die Rede, einer Erhöhung der Wochenarbeitszeit von 38,5 auf 45 Stunden und einer zwölfstündigen Anwesenheit (inclusive Bereitschaft) in der Dienststelle mit Einführung der ILS. 1,5 Neueinstellungen und „schlecht geschulte Nebenamtliche“ könnten die personellen Engpässe keinesfalls auffangen. Es sei vorgekommen, dass übermüdete Kollegen „die falsche Einsatzstelle an den Rettungsdienst weitergaben und sich dadurch die Versorgung von Verletzten oder Erkrankten erheblich verzögerte“, klagen „die Verfasser“. Die zuständige BRK-Landesgeschäftsstelle reagierte auf die anonymen Anschuldigungen mit einer Betriebsversammlung vor Ort und einer Pressekonferenz, in der Geschäftsführer Dieter Deinert und Bernhard Schlennert vom Team Kundenservice Leitstellen/Luftrettung zu den Vorwürfen Stellung bezogen. Nach dem Recherchieren der Fakten habe das BRK in der ILS Weilheim im Vergleich zu anderen Leitstellen keine Auffälligkeiten festgestellt. „Der Rettungsdienst läuft reibungslos. Wir sind optimistisch, dass wir zum 1. Dezember die Feuerwehrschaltung hinbekommen“, äußerte sich Deinert. Die ILS Weilheim hat die Versorgung von 340 000 Einwohnern sicherzustellen und 70 000 Einsätze im Jahr zu koordinieren. Deinert bestätigte die „enorm hohe Arbeitsbelastung“ der Mitarbeiter während der Umstellung, bedingt durch die Schulungen. Die personelle Besetzung sei jedoch auf „Normalbetrieb“ ausgelegt, bei einer Aufstockung wären Zweck- verband und Krankenkassen finanziell gefordert. Die persönlichen Angriffe auf ILS-Leiter Helmut Ochs wies Deinert ebenso zurück – „er hat unser Vertrauen“ – wie auffällig hohe Krankheits- und Kündigungsfälle in Weilheim. Für Dezember kündigte Schlennert ein Aufstocken der Vollzeitstellen von 18 auf 20,5 an. 2011 soll eine weitere Vollzeitstelle verhandelt werden. „Nicht wegzudiskutieren“ ist nach Deinert die von 38,5 auf 45 Stunden erhöhte Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich. Deinert verwies auf laufende Verhandlungen mit ver.di und betonte, dass die sechseinhalbstündige Bereitschaft „nicht am Arbeitstisch sondern im Ruheraum“ verbracht werden kann. Die durchschnittlich 150 Überstunden je Mitarbeiter hält Deinert im Zuge der Systemumstellung für vertretbar. Zu ihrer Entlastung seien vier geringfügig Beschäftigte in Dienst genommen worden. Die Methode, angebliche Missstände anonym anzuprangern, missfällt dem Zweckverbandsvorsitzenden. Landrat Zeller bescheinigt dem BRK ein „professionelles Agieren“ auf einen Brief, dessen Schreiber „nicht Manns genug waren, ihren Otto drunter zu setzen“. Wichtig sei, „dass die Leitstelle funktioniert“. Reibereien, so Zeller, gebe es in jedem Amt.

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