Auf Gut Kerschlach entstehen anstelle des Jungviehstalles 19 Wohnungen

Pferde künftig ein Schwerpunkt

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Wo der lang gezogene Jungviehstall auf dem Hofgut Kerschlach steht, sollen nach den Plänen der Besitzerfamilie 19 Wohnungen und fünf Büroeinheiten entstehen. Der Pähler Gemeinderat beschloss eine Änderung des Flächennutzungsplanes sowie einen Bebauungsplan.

Pähl – Der Weiler Kerschlach hat schon vieles überstanden: den 30-jährigen Krieg, die Pest, Viehseuchen und verhagelte Ernten.

Da wird es den im Pähler Rathaus entfachten Sturm um die Zukunft des Hofguts auch noch wegstecken. Bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderates wurde heftig diskutiert, ob sich neue Wohnungen, Büros, Pferdeställe oder eine Reithalle „ortsverträglich einbinden“ lassen. Seit 1997 ist das Gut Kerschlach im Besitz des Verlegers Werner Mützel (WEKA-Fachverlag). Die Familie hatte hier einen mustergültige Bio-Betrieb mit Land- und Forstwirtschaft, Milchvieh- und Schweinemasthaltung sowie Direktvermarktung errichtet, der jetzt im Zuge des Generationswechsels reduziert wird. Ein Schwerpunkt war und bleibt die Pferdewirtschaft mit Stallungen, Reithalle, Spring- und Dressurplatz. Der jetzige Milchviehstall soll nach den Plänen der Besitzerfamilie so umgebaut werden, dass acht zusätzliche Pferdeboxen Platz finden. Außerdem ist der Bau einer weiteren Reithalle vorgesehen. Gegen diese Planungen hatten die Pähler Gemeinderäte im Grunde nichts einzuwenden, außer dass bei den jährlichen Dressur- und Springturnieren die Parkplatzsituation außer Kontrolle gerät.

Eine lebhafte Diskussion entstand bei der Vorstellung eines neuen Gebäudes für 19 Wohnungen und fünf Büroeinheiten für „nicht störendes Gewerbe“ samt Garagenanbau, das anstelle des jetzigen Jungviehstalles errichtet werden soll. Damit würde sich die derzeitige Einwohnerzahl von 56 Personen in Gut und Weiler verdoppeln, befürchteten die Gemeinderäte. Und der auch in Pähl dringend benötigte preisgünstige Wohnraum käme hier wohl nicht für Normalverdiener in Frage. Am Stammtisch in der „Alten Post“ unterhalb des Rathauses wurde zu diesem Thema getuschelt, die neuen Wohnungen seien als Zweitwohnsitze für „reiche Reiter und geldige Golfer“ gedacht. Ganz unabhängig von Fakten und Gerüchten wünschten sich die Gemeinderäte Mitspracherecht bei der optischen Gestaltung des langen Baukörpers und sprachen auch hier das leidige Parkplatzproblem an. An schönen Tagen sei durch die Besucher des Gutscafés „Merano“ jede Ecke zugeparkt.

Bürgermeister Werner Grünbauer, der sich mit den vorgestellten Entwürfen des Planungsbüros OPLA größtenteils anfreunden konnte, erreichte bei den Abstimmungen doch eine sehr passable Mehrheit für die Änderung des Flächennutzungsplanes sowie für den Bebauungsplan. Beide Pläne werden jetzt vier Wochen im Pähler Rathaus ausgelegt, damit die Bürger dazu Stellung nehmen können.

Das Gut Kerschlach liegt an der B2 zwischen Weilheim und Starnberg. Es wurde 1159 erstmals urkundlich als „Cherslo“ (Viehweide im Sumpfgebiet) erwähnt. 1558 stand im Steuerbuch von Schloss Seefeld, dass Cherslo sechs Feuerstätten habe: ein Schlösschen, eine Schenke und vier Höfe. Nach der Zerstörung durch den 30-jährigen Krieg und der Pest entstand um 1650 eine Schwaige mit Sennerei und Pferdezucht. Der Besitz des Benediktinerklosters Andechs ging 1803 im Zuge der Säkularisation an den Landwirt Johann Baptist Stützle über. Nach mehrmaligem Eigentümerwechsel, unter anderem an Theodor von Cramer-Klett, den Begründer der MAN-Maschinenfabriken und der Münchner Rückversicherungsgesellschaft, erwarb 1997 der jetzige Gutsherr Werner Mützel den geschichtsträchtigen Weiler.

Trotz aller Umbaupläne auf dem Hofgut Kerschlach finden an den kommenden Adventswochenenden ein Christbaumverkauf von biozertifizieren Nordmanntannen sowie ein Adventsmarkt statt.

Von Dieter Roettig

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