No alk for kids: Projekt trägt Früchte

Eine Zahl, die alarmiert: 66 Jugendliche unter 16 Jahren haben sich in 2007 bei öffentlichen Festen oder privaten Partys bis zum Exzess Alkohol reingekippt und mussten mit einer Alkoholvergiftung in eines der Krankenhäuser im Landkreis eingeliefert werden. Mit speziellen Schulungen für Erwachsene will der Suchtarbeitskreis erreichen, dass die Jugend erst gar nicht an den verbotenen Alkohol ran kommt. Das vor einem Jahr initiierte Projekt „no alc for kids“ trägt Früchte, wie das Ergebnis einer „Qualitätsabfrage“ zeigt.

Am vergangenen Mittwoch gegen 21.30 Uhr wurde die Polizei in Weilheim auf einen 13-jährigen Schüler aufmerksam, der an zwei Tankstellen vergeblich versucht hatte, Alkohol zu kaufen. Ein bei dem kaum betrunken wirkenden Schüler durch- geführter Alkotest ergab 1,6 Promille. „Anmerken“, klärte der Jugendliche die verdutzten Polizisten auf, würde man ihm den Alkohol erst dann, „wenn ich mal richtig getrunken habe“. Ein Einzelfall? Leider nicht, wie am selben Tag bei einem Pressegespräch im Gesundheitsamt deutlich wurde. Dort berichteten Gesundheitsamtschef Dr. Karl Breu und Petra Regauer vom Suchtarbeitskreis Weilheim-Schongau über – teils lebensbedrohliche – Vorfälle: Vom „Vorglühen“ bei Veranstaltungen auf Parkplätzen. Von betrunkenen Jugendlichen, die von ihren Freunden auf dem Heimweg einfach liegen gelassen werden, was im Winter für sie den Tod bedeuten kann. Dr. Breu geht davon aus, dass es im Landkreis quer durch alle Bevölkerungsschichten 2800 Alkoholabhängige gibt, „mit hoher Dunkelziffer“, und betont, dass der Alkoholkonsum der Jugendlichen „rigide zunimmt“. Besorgte Eltern haben sich an den „Präventionskreis Sucht“, eine Gruppe des Suchtarbeitskreises, gewandt, um zu erfahren, wo die jungen Leute trotz Jugendschutzgesetz regelmäßig den Alkohol besorgen. In Supermärkten, Tankstellen, Getränkemärkten wurde daraufhin im Rahmen des Projektes „no alk for kids“ das Personal geschult, nachdem sich herausgestellt hatte, dass dieses an der Kasse mit der Situation oft überfordert ist (wir berichteten). Mit dem Schulen der Verantwortlichen in Vereinen und Verbänden, die öffentliche Veranstaltungen ausrichten, will der Arbeitskreis eine weitere Schwachstelle beheben. „Die Ehrenamtlichen brauchen bei ihrer Arbeit Rückhalt“, betont Regauer. Die Auswertung eines nach den Schulungen verteilten Fragebogens gibt ihr Recht. Auch Thomas Plonner nickt. Er gehört zu jenen, die bei dem Pressegespräch von den positiven Erfahrungen mit „no alk for kids“ berichten. „Wir haben uns bei den Festtagen im Sommer hinter der Bar leichter getan“, resümiert er. Josef Mair von SV Eberfing zeigt sich „begeistert, weil wir hier viel für die Praxis gelernt haben“. Lobend hervorgehoben wird, dass die zweistündige Schulung, die einen theoretischen und praktischen Teil umfasst, in lockerer At- mosphäre abläuft und es viel Infomaterial gibt. Georg Leis, Bürgermeister von Eberfing, verweist stolz darauf, dass „wir eine der ersten Gemeinden im Landkreis sind, die diesen Unterricht genutzt haben“. An seine Kollegen appelliert Leis, sich diesem Vorbild anzuschließen. Wer Alkohol an Minderjährige abgibt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit bis zu 50000 Euro geahndet werden kann. Zwölf Verfahren, berichtet Manfred Plonner, hat das Ordnungsamt heuer wegen Verstößen gegen das Jugendschutzgesetz nach § 9 eingeleitet und jeweils bis zu 500 Euro Geldbußen erhoben. Regauer und ihre Mitstreiter wollen mit ihrem Preis gekrönten Präventionsprojekt (Infos unter Tel. 0881/681-1615) nicht locker lassen, denn „wer Alkohol ausgibt, übernimmt schließlich Verantwortung“. Dringenden Handlungsbedarf sieht Regauer „bei der Bauwagen- und Budenszene“ im Landkreis. So könnte den Jugendtreffs jeweils ein Erwachsener aus dem Ort zur Seite gestellt werden, damit ein unbeschwert begonnenes Fest nicht aus den Fugen gerät, weil unerlaubter Weise Alkohol im Spiel war.

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