Interessen und Bedürfnisse der jungen Murnauer

KJV Umfrage: Mehr Gehör für die Murnauer Jugend

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Nicht einmal 150 junge Menschen nahmen an der Umfrage teil. Dennoch wurden die Ergebnisse präsentiert.
  • VonAntonia Reindl
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Murnau – Sicherlich hätte die Beteiligung größer sein können. Da macht die Kinder- und Jugendvertretung (KJV) im Frühjahr eine Umfrage unter jungen Murnauern, um ein grobes, aber breites Stimmungsbild zu erhalten, und nicht einmal 150 Personen nehmen daran teil. Dennoch präsentiert Tim Sedlmaier, Erster Sprecher der KJV, in der jüngsten Hauptverwaltungsausschusssitzung die Ergebnisse, bei denen es die Mitglieder der KJV aber nicht belassen wollen. Es sollen detailliertere Umfragen folgen, mit hoffentlich größerer Anteilnahme.

Er tritt aus der Zuschauerreihe heraus, schreitet nach vorne und setzt sich in eine Reihe mit Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum). Dort legt Tim Sedlmaier den Ausschussmitgliedern die Ergebnisse der Umfrage vor. Über einen Zeitraum von einem Monat nahmen 149 Kinder und Jugendliche im Alter von zwölf bis 21 Jahren an der Umfrage teil. Rund 65 Prozent der Befragten hätten dabei angegeben, dass ihre Interessen in der Politik wenig oder gar nicht vertreten werden, berichtet Sedlmaier. „Wenig überrascht“ sei er gewesen, als er sah, dass fast ein Drittel der Befragten die Radweg-Situation in der Marktgemeinde als unsicher und etwa 43 Prozent als „geht schon“ bezeichnen. Fast Dreiviertel der Befragten wollen mehr Fahrradwege in Murnau sehen.

Scheinbar wird aber nicht allein für Zweiräder zu wenig in der Gemeinde getan, sondern auch für den Klimaschutz, jedenfalls sehen das 50 Prozent der Befragten so. „Das zeigt die Brisanz des Themas“, findet der KJV-Sprecher. Auch bei Freizeitaktivitäten herrscht wohl noch Nachholbedarf, einige schlagen einen zweiten Grillplatz an der Schweinebucht vor und „viele wünschen sich mehr als das Erlhaus“, berichtet Sedlmaier. Vorstellbar wäre etwa ein Jugendcafé im ehemaligen Post-Gebäude. Im Bereich Sportaktivitäten seien „sehr, sehr viele Vorschläge eingegangen“, lächelt der engagierte junge Mann. Darunter ein Skaterpark, „klar, da gab es auch eine Petition“, kommentiert Sedlmaier.

Positives gibt es aber auch aus den Ergebnissen herauszulesen, und zwar, ohne groß interpretieren zu müssen. Auf die Frage, was sie besonders gern an Murnau mögen, hätten die Kinder und Jugendlichen etwa die umliegende Natur, die Fußgängerzone und die Sportstätten aufgezählt, da „gab es sehr, sehr viele Rückmeldungen“, freut sich Sedlmaier. Die Mehrheit könne sich sogar vorstellen, nach dem Schulabschluss in Murnau zu bleiben, rund 17 Prozent dagegen nicht, da es zu wenig Wohnraum gebe. Zum Thema Wohnen wolle die KJV daher Gespräche mit Gemeinderäten führen, verkündet der Sprecher.

„Das Feedback ist wichtig für uns“, kommentiert Beuting die Umfrageergebnisse. Der Bürgermeister hofft nun, „dass ihr möglichst viele Themen in konkrete Aufgaben umsetzen könnt“, sagt er zu Sedlmaier. Dass auch Positives in der Umfrage eruiert wurde, freut Felix Burger (SPD), der es aber auch „krass“ findet, dass sich so wenig Kinder und Jugendliche in der Politik vertreten sehen. Schon in einem Austausch befinde er sich derweil in Sachen Jugendcafé, das im ehemaligen Postgebäude respektive Bürgerhaus realisiert werden könnte, falls es jemals zu einem Bürgerhaus komme, „aber darüber wollen wir jetzt nicht diskutieren“, bricht Burger ab. Was das Thema Wohnraum anbelangt, so stehe er als Referent für Wohnungswesen gerne für Gespräche zur Verfügung.

Weniger auf den Inhalt, als auf das Drumherum der Umfrage geht dagegen Phillip Zoepf (Mehr Bewegen) ein. „Schade, dass nur 149 Kinder teilgenommen haben“, findet der Fraktionssprecher, der angesichts dieser Zahl an der Repräsentativität der Umfrage zweifelt. „Vielleicht hätte man es länger als einen Monat machen sollen“, gibt Zoepf zu bedenken. Das möchte Sedlmaier nicht unkommentiert lassen. Ab der zweiten Befragungswoche sei das Interesse abgeebbt, weiß der KJV-Sprecher, der nun zu hoffen scheint, dass die Beteiligung bei den detaillierten Umfragen größer ist. „Es hätten fast 1 000 Teilnehmer sein können“, weiß Sedlmaier.

Dann möchte Zoepf doch noch etwas zum Inhalt loswerden. Einen Skatepark, so glaubt er, könnte man relativ günstig umsetzen und ein zweiter Grillplatz am Staffelsee sei schon mal Thema gewesen, meint er und blickt zu Veronika Jones. „Den habt ihr aber abgelehnt“, lacht die Fraktionssprecherin der Grünen und erinnert daran, einen zweiten Grillplatz mit Anna Schlegel-Herz (ÖDP/Bürgerforum) in der Vergangenheit einmal beantragt zu haben. „Man könnte etwas mehr wagen“, meint die Grüne. Wohl auch, was einen zweiten Jugendtreff angeht, schließlich brauche man einen solchen „gerade für die bisschen Älteren“. Und auch Jones findet es „erschreckend“, dass sich so viele junge Murnauer in der Politik „nicht wahrgenommen fühlen“. Das aber zeige, dass Kinder und Jugendliche „mitgestalten wollen“.

In der Umfrage hätte man „Sachen erwischt, wo es schon einige Anträge gab“, stellt Schlegel-Herz fest. Auch sie findet, dass es junge Menschen in Murnau schwer haben, Wohnraum zu finden. Und was den Ausbau von Radwegen anbelangt, „da rennt ihr offene Türen ein“, schmunzelt sie. Letztlich bedauert Schlegel-Herz aber, dass so viele Angebote für die Jugend nicht bekannt seien, darunter die KJV.

Rudolf Utzschneider (CSU) blickt wie auch Zoepf auf die Zahl der Befragten, jedoch nicht, um die Repräsentativität anzuzweifeln. „Es ist natürlich schade“, bedauert er, um Sedlmaier dann für sein Engagement zu loben. „Weiter so“, appelliert Utzschneider. Beuting versucht derweil, ebendiese Zahl zu erklären. „Es war Corona und wenig Betrieb in den Schulen“, erinnert der Bürgermeister, der die Ergebnisse dennoch für „aussagekräftig“ halte, da sie schon etwas über die „Interessen und Bedürfnisse“ der Kinder und Jugendlichen aussagen.

Am Ende stimmt das Gremium geschlossen dafür, die Umsetzungsmöglichkeiten der am stärksten evaluierten Themen prüfen zu lassen.

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