Kooperation mit Hohenpeißenberg

Kläranlage Peißenberg: weitere Gemeinde soll angeschlossen werden

Kläranlage Peißenberg: Stefan Sedlmeier, Thomas Dorsch, Frank Zellner und Ingrid Haberl.
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Wollen in puncto „Abwasser“ künftig zusammenarbeiten: Stefan Sedlmeier, Thomas Dorsch, Frank Zellner und Ingrid Haberl.
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Peißenberg – Einen wegweisenden Grundsatzbeschluss haben die Gemeinden Peißenberg und Hohenpeißenberg jüngst getroffen: Hohenpeißenberg soll demnach an die Peißenberger Kläranlage angeschlossen werden. Beide Seiten sprechen von einer „Win-win-Situation“.

Hinter den Kulissen wurde schon seit Längerem verhandelt. Das Projekt wurde ausführlich mit Behörden und Sachverständigenbüros besprochen. Auch mussten die politischen Gremien in beiden Gemeinden respektive der Verwaltungsrat der Peißenberger Gemeindewerke sein Plazet geben. Die interkommunale Zusammenarbeit in puncto „Abwasser“ hat folgenden Hintergrund: Hohenpeißenberg besitzt eigentlich eine eigene Kläranlage, die auch künftig erhalten bleiben soll – aber nur, um den groben Schmutz per Rechenwerk aus dem Abwasser zu filtern. Bislang wird das geklärte Wasser in den Eierbach geleitet. Künftig wird das nicht mehr erlaubt sein. Weil sich die wasserrechtlichen Bestimmungen und das ökologische Verständnis geändert haben, ist das Wasserwirtschaftsamt vor ein paar Jahren auf den Plan getreten: „Sie haben unseren Vorfluter nicht mehr genehmigt“, so Hohenpeißenbergs Bürgermeister Thomas Dorsch anlässlich eines Pressetermins.

Als Alternative dachte die Rigi-Gemeinde zunächst daran, einen Kanal zur Ammer zu bauen. Doch die Lösung wäre nicht wirtschaftlich gewesen, weil auch an der aus den 80er Jahren stammenden Kläranlage selbst hoher Investitionsbedarf nötig geworden wäre. Mit einem Betrag von rund 2,5 Millionen Euro hätte man vermutlich rechnen müssen – mindestens. „Aber diese Lösung wäre nicht zukunftssicher gewesen“, so Dorsch. Dann kam die Idee mit dem Anschluss an die Peißenberger Kläranlage aufs Tapet. Der Bau eines Kanals den Hohen Peißenberg hinunter wird zwar ebenso mit rund 2,5 Millionen Euro taxiert. Allerdings wird diese Variante von staatlicher Seite mit 600 000 Euro gefördert. Die Konsequenz daraus: Mit dem Anschluss an Peißenberg müssen Hohenpeißenbergs Abwassergebührenzahler zwar künftig tiefer in die Tasche greifen, aber nicht so tief wie mit einer Aufrüstung der eigenen Infrastruktur.

Ob der Anschluss der Kläranlage Hohenpeißenbergs an Peißenberg technisch überhaupt möglich ist, sollen nun die weiteren Detailplanungen zeigen. Laut Dorsch stehen beide Kommunen, insbesondere aber die Gemeinde Hohenpeißenberg vor großen Aufgaben: Es müsse ein Vertrag ausgehandelt, mit Grundstückseigentümern verhandelt und ein Kanal geplant werden. Bis zur Umsetzung könne es noch einige Jahre dauern: „Beide Seiten haben ,Ja’ gesagt, aber wir sind erst am Startpunkt der Zusammenarbeit“, erklärte Dorsch.

In Peißenberg hat man nicht lange überlegt, ob man die Nachbargemeinde Hohenpeißenberg im Ortsteil „Scheithauf“ gelegene Kläranlage anschließen lässt. Sowohl im Verwaltungsrat der Gemeindewerke als auch im Marktrat wurde schnell grünes Licht gegeben, als klar war, dass die Kläranlage über die entsprechenden Aufnahmekapazitäten verfügt. Durch den Hohenpeißenberger Anschluss, so hieß es beim Pressegespräch, werde in Peißenberg die städtebauliche Entwicklung für mögliche Wohnbau- und Gewerbeprojekte keineswegs ausgebremst. „Es gibt keine Beschränkung für ein Wachstum“, versicherte Peißenbergs Bürgermeister Frank Zellner beim Pressetermin. Der Gemeinderat habe die Pläne „sehr positiv aufgenommen“ und schnell den „Benefit für den Bürger“ erkannt.

Peißenbergs Kläranlagenchef Stefan Sedlmeier betonte, dass die 2007 umgebaute Kläranlage damals nicht etwa zu groß dimensioniert worden sei. Der behördliche Bemessungsmaßstab für Klärwerke habe sich nur geändert – mit der Folge, dass die Reservekapazitäten des Peißenberger Klärwerks weitaus höher liegen: „Wir können Hohenpeißenberg locker mitübernehmen“, so Sedlmeier – und: „Wir sind eine der besten Kläranlagen in der Region.“ Soll heißen: Die Qualität der Klärung für das Hohenpeißenberger Abwasser wird sich verbessern. „Das Ganze hat also auch einen riesigen Umweltaspekt“, so Sedlmeier. Und die Gemeindewerke können ihre Kläranlage laut Ingrid Haberl jetzt „noch wirtschaftlicher und effizienter betreiben“: „Wir werden die gleichen Betriebskosten haben, aber wir schleusen höhere Mengen durch. Die Gebühr für die Peißenberger Gebührenzahler wird pro Kubikmeter sinken.“

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