Gerührt und gelassen

Klare Worte zum Abschied von Wessobrunns scheidendem Bürgermeister

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Der scheidende Bürgermeister Helmut Dinter bei der symbolischen Schlüsselübergabe an seinen Nachfolger Georg Guggemos, der ihn mit einem kleinen Präsent verabschiedete.

Wessobrunn – Eine große Zeitungsanzeige, in der sich die Gemeinderäte und die eigene Liste beim nicht mehr gewählten Bürgermeister bedanken und ihm für die Zukunft alles Gute wünschen.

Das gibt es nicht alle Tage. Helmut Dinter, der scheidende Wessobrunner Rathauschef, bekam die freundliche Botschaft kurz vor dem Ende seiner zwölfjährigen Amtszeit zu lesen. „Das fand ich schön und ich war gerührt“, freute sich Dinter. Wenig Grund zur Freude gab es bei ihm sechs Wochen davor nach der Bekanntgabe des Ergebnisses der Bürgermeisterwahl. Mit über zehn Prozent Rückstand musste er seinem Herausforderer Georg Guggemos das Feld und somit das Amt überlassen. „Das Resultat habe ich noch am Wahl-

abend verdaut, verarbeitet habe ich es erst mit dem Ende meiner Amtszeit am 30. April um 18 Uhr“, bekannte der 59-Jährige. Bis dahin erledigte er seine Arbeit, zu der auch eine ausführliche Übergabe an seinen Nachfolger gehörte. „Ich habe mit Georg auch ausgemacht, dass er sich bei Fragen melden kann. Wobei ich nicht glaube, dass es nötig sein wird, da wir eine hoch qualifizierte Verwaltung und einen gut informierten Gemeinderat haben“, ist Dinter die Enttäuschung über den Wahlausgang in der Zwischenzeit nicht mehr anzumerken.

Klare Worte, sein Markenzeichen während der Amtszeit, findet er bei der Analyse des Resultats. „Ich glaube nicht, dass es an politischen Inhalten lag, die waren sicher nicht falsch. Es war eine persönliche Abwahl, weil man mit meiner Person nicht zufrieden war“, sagt Dinter. „Ich bin einigen auf die Füße getreten und das hat man mir nicht verziehen“, ergänzt der scheidende Rathauschef, der konsequent seine Linie vertrat, was die Zahl der Kritiker ansteigen ließ. „Die Liste von Georg Guggemos hat einen phänomenalen Wahlkampf mit viel Aufwand, aber auch vielen Halbwahrheiten hingelegt“, führt Dinter aus, der bei seinem Rückblick einige Erfolge aufweisen kann. „Wir haben aus einer total überschuldeten Gemeinde mit gemeinsamer Arbeit einiges gemacht“, verweist Dinter auf den Abbau des Schuldenbergs, trotz der Verwirklichung von Projekten wie der Abwasserentsorgung von Paterzell und Schlitten oder der mit viel Eigenleistung sanierten und erweiterten Grundschule in Forst. Weniger erfreulich war für ihn der Umgang mit übergeordneten Behörden, wofür er als Beispiel die abgelehnte Erweiterung des Weilers Wolfhof anführte. „Da war ich maßlos enttäuscht, weil Absprachen nicht eingehalten wurden“, sagt Dinter, der auch bei der Schülerbeförderung oft mit dem Landratsamt im Clinch lag und der regelmäßig die hohe Kreisumlage kritisierte. Im Nachhinein übt er aber auch Selbstkritik. „Aus heutiger Sicht, hätte ich bei einigen Dingen noch forscher rangehen müssen, anstatt auf viele Begehrlichkeiten Rücksicht zu nehmen“, gesteht Dinter, der sich noch nicht in den Ruhestand verabschieden will. „Das Kapitel Bürgermeister ist jetzt zu Ende. Wer mich kennt, weiß, dass ich einen Plan B habe, über den ich jetzt aber noch nicht reden kann“, verrät er.

Die Empfehlung der Gemeinderäte, die ihm zum Abschied in einem Ständchen, „Probier´s mal mit Gemütlichkeit“ sangen, will er eher nicht folgen. „Gemütlichkeit ist nicht so meines, selbst im Urlaub, ich setze mehr auf Gelassenheit“, schmunzelt Dinter, der als interessierter Bürger das politische Geschehen in und um Wessobrunn herum weiterhin verfolgen will.

Von Roland Haleml

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