Klare Worte zur Agrarpolitik BUND-Chef Weiger fordert: "Agrarmultis Riegel vorschieben"

Für seine klaren Worte bekam BUND-Chef Hubert Weiger in der Stadthalle viel Applaus. Foto: Halmel

Naturschützer und Landwirte, die in der Vergangenheit oft nicht einer Meinung waren, rücken näher zusammen. Das zeigte sich bei dem vom Agrarbündnis, einem Zusammenschluss unterschiedlichster Interessengruppen, organisierten Vortrag mit Professor Hubert Weiger, dem Chef des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz).

„Es ist eine ganz wichtige Sache, dass Naturschützer und Landwirte zusammenwirken“, begrüßte Günter Schorn, der Kreisvorsitzende, den hochkarätigen Umweltaktivisten. Bei seinen Aussagen zu der europäischen Agrarpolitik nahm der gebürtige Kaufbeurer Weiger auch kein Blatt vor den Mund. „Wir brauchen gescheite Lebensmittel, sauberes Wasser und eine vielfältige Kulturlandschaft“, nannte er die gemeinsamen Ziele von Naturschützern und Bauern. Die Politik und die Industrie nehmen es damit aus Sicht von Weiger jedoch nicht sehr ernst. „Das System nimmt keine Rücksicht auf den ländlichen Raum“, lautete ein Kritikpunkt, für den er von den über 150 Besuchern viel Applaus bekam. „Wir brauchen keine Chemie und Agrogentechnik, sondern mehr Bauern, die nicht Büttel von BASF und Co sind“, legte der BUND-Chef nach. Kein gutes Haar ließ er an den heimischen Politikern. „Die reden von Schöpfung am Sonntag und unter der Woche von Industrie“, schimpfte Weiger, der zudem die Frage stellte, warum in Deutschland im Gegensatz zu vielen anderen Ländern der Weltagrarbericht nicht diskutiert wird. „Weil man sich vom Leitbild der bäuerlichen Landwirtschaft verabschiedet hat,“ so Weiger. Er forderte deshalb ein Umdenken der Gesellschaft, die den Wert von Lebensmitteln und deren Erzeuger erkennen muss. „Den Agrarmultis und den Spekulationen muss ein Riegel vorgeschoben werden“, schrieb er den Politikern ins Stammbuch. Gleichzeitig wetterte Weiger gegen die zunehmende Industrialisierung der Lebensmittelproduktion, die dafür verantwortlich sei, dass die Böden überdüngt werden und die Landwirte mit Billigimporten um ihre Existenz gebracht werden. Weigers Aufruf, sich gemeinsam dagegen zu wehren, zog sich auch wie ein roter Faden, durch die Podiumsdiskussion mit Weiger und Vertretern des Agrarbündnisses. „Ich kann alle Positionen von Professor Weiger unterstützen“, erklärte Bernhard Heger, der Kreischef des Bundesverbandes deutscher Milchviehhalter (BDM), der für einen weiteren Dialog warb. Weitgehende Einigkeit herrschte darüber, dass die Regionalität gestärkt werden muss. Darüber hinaus gab es interessante Redebeiträge aus dem Publikum, wie die Forderung, eine eigene Partei zu gründen oder die stärkere Ausrichtung auf Bio-Landwirtschaft. „Das Agrarbündnis ist überparteilich, wir werden uns aber aktiv in die politische Debatte einmischen,“ kündigte Weiger an, der einen eindringlichen Appell anfügte. „Wir dürfen nicht übereinander, sondern wir müssen miteinander diskutieren.“

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