Kleine Lösung, große Wirkung

Haustechniker Klaus Jocham (von links), Kurt Güttinger und Bürgermeister Rölz sind zufrieden mit dem ersten Praxisjahr der neuen Hackschnitzelheizung, die im Kurhaus „versteckt“ ist. Foto: Josef Gutsmiedl

Eine „maßgeschneiderte Heizanlage“ mit Nahwärmeversorgung ging vor einem Jahr im Kurhaus Fiskina in Fischen in Betrieb. Nach dem ersten Praxisjahr zieht Bürgermeister Edgar Rölz eine positive Bilanz - in wirtschaftlicher Sicht genauso wie aufgund ökologischer Effekte.

Eine „Wundermaschine“ ist es nicht, die seit einem Jahr im Kurhaus arbeitet. Aber die neue Hackschnitzel-Heizanlage vereint eine Reihe von Vorteilen: sie erreicht, neben dem Kurhaus Fiskina, über ein kleines Fernwärmenetz drei umliegende Wohnhäuser, das alte Rathaus, den Kindergarten und einen Gewerbebetrieb. Dank reduzierter Verbrauchswerte leistet die Heizung zudem einen Beitrag zur CO2-Reduzierung. „270 Tonnen weniger Kohlendioxid pro Jahr ist für einen heilklimatischen Kurort wie Fischen schon was“, betont Bürgermeister Edgar Rölz. Das Thema Biomasse-Nutzung und Hackschnitzelheizung beschäftigte den Gemeinderat schon seit einigen Jahren. Verschiedene Pläne wurden diskutiert und die Modernisierung der Kurhausheizung stand an. Eine „große Lösung“ für den Ort rechnete sich nicht. Auf ging die Rechnung aber für eine kleine Heizanlage, die schließlich zur jetzigen Hackschnitzelheizung führte. Der Biomassekessel mit einer Leistung von 470 kW reicht gut aus für den aktuellen Zuschnitt des Nahwärmenetzes. Kurt Güttinger, dessen Ingenieurbüro in Kempten die Anlage „schneiderte“, sieht sogar noch Ausbaumöglichkeiten. Falls durch energetische Sanierungen die Wärmebilanz einiger möglicher Kunden verbessert werde, so Güttinger, könnten diese Häuser durchaus noch ans Wärmenetz der Kommune gehen. Er denkt sogar weiter: Ein richtiges Netz ähnlicher Anlagen könne schließlich zu einem örtlichen Verbund werden. Rund 300 Tonnen Hackschnitzel werden pro Jahr im Keller des Kurhauses verfeuert. Im Bunker können 75 Schüttraummeter Hackschnitzel gelagert werden, die ein Brennstoff-Unternehmen regelmäßig anliefert. „Importholz wird hier nicht verheizt“, betont Bürgermeister Rölz. Es lande kein Holz unterm Kessel, das 5000 Kilometer durch Europa gekarrt werde. Die Wertschöpfung vor Ort soll so gefördert werden, also auch der regionale Handel oder der Landwirt, der ein paar Schüttraummeter Hackschnitzel verkaufen könne. „Das Geld bleibt in der Region“, sagt Rölz. Für Rölz schließt sich ein Kreis aus Wirtschaftlichkeit, Klima- und Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Die Rechnung gehe auf auch für den Kunden, der sich ans Nahwärmenetz anschließe: unterm Strich fahre er besser, da er keine eigene Heizanlage mit diversen Nebenkosten unterhalten müsse. Die Gemeinde hat rund 750.000 Euro in die neue Anlage investiert. Gefördert wird das Projekt mit 60.000 Euro aus dem Programm „Erbeuerbare Energien“ der Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW, sowie 40.000 Euro aus dem Programm „BioKlima“ des Förderzentrums C.A.R.M.E.N.

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